IG Stiller - www.nachtruhe.info
"Von Seiten des Bistums besteht keine Verpflichtung, die Kirchenglocken morgens zu läuten.
Noch weniger besteht eine Vorschrift bezüglich des Zeitpunktes des Glockengeläutes..."

Ivo Fürer, Altbischof Bistum St. Gallen
Ivo Fürer, Altbischof Bistum St. Gallen

Sind Sie im Lärmschutz tätig?

Hier könnte Ihre Werbung stehen!

Kontaktieren Sie uns

Biblische Aspekte des kirchlichen Glockengebrauches

Sei stille dem HERRN und warte auf ihn

Das Wort „Glocke“ kommt in der Bibel nicht vor. Weder von Jesus noch von einem seiner Jünger ist bekannt, dass sie Glocken geläutet haben. Bekannt waren zu biblischen Zeiten einzig Schellen, welche als Tanz- und Musikinstrumente verwendet wurden.

Im zweiten Buch Mose finden sich dazu zwei Zitate: 1. „Und unten an seinem Saum sollst du Granatäpfel machen aus blauem und rotem Purpur und Scharlach ringsherum und zwischen sie goldene Schellen auch ringsherum“. 2. „...und machten Schellen aus feinem Golde; die taten sie zwischen die Granatäpfel ringsherum am Saum des Obergewandes, je einen Granatapfel und eine Schell...“ Samuel schreibt: „…tanzten David und ganz Israel vor dem HERRN her mit aller Macht im Reigen, mit Liedern, mit Harfen und Psaltern und Pauken und Schellen und Zimbeln“. Später findet sich auch ein Hinweis über die Verwendung von Schellen an Pferden: „Zu der Zeit wird auf den Schellen der Rosse stehen «Heilig dem HERRN»“.

Woher dieser Brauch kommt, ist nicht bekannt. War es die Geltungssucht reicher Kaufleute, oder haben die Menschen einfach die Stille nicht ertragen?
C.G.Jung meint dazu: „Der Lärm schützt uns vor peinlichem Nachdenken, er zerstreut ängstliche Träume, er versichert uns, dass wir ja alle zusammen seien und ein solches Getöse veranlassen, dass niemand es wagt, uns anzugreifen. (...) Das, was in Wirklichkeit gefürchtet wird, ist das, was vom eigenen Inneren kommen könnte, nämlich all das, was man sich durch Lärm vom Halse gehalten hat.“

Interessant das letzte biblische Zitat mit dem Wort Schelle aus dem Korinther von Paulus: „Wenn ich mit Menschen- und mit Engelzungen redete und hätte die Liebe nicht, so wäre ich ein tönendes Erz oder eine klingende Schelle.“ Daraus kann der Schluss gezogen werden, dass Paulus den Klang der Schellen nicht geliebt hat und vielleicht noch treffender, „wenn ohne Liebe geläutet wird, ist es einfach Lärm“ (Pfarrer Andreas Marti).

Glocken sind das wichtigste Lärminstrument unserer Kultur (Hanspeter Niederberger: „Geister, Bann und Herrgottswinkel“): Seit der Antike galt Lärm als Mittel, um geisterhafte Wesen und Dämonen abzuwehren. Die bekanntesten Lärmumzüge finden von anfangs Dezember bis zur Fasnacht statt. Als Lärminstrument werden Pfeifen, Glocken, Peitschen, Kuhhörner, Tritonshörner, Rätschen, Trommeln und vieles mehr gebraucht. Je lauter der Lärm tönte, desto wirksamer war der Umzug. Soweit der Schall drang, waren Dämonen und Hexen machtlos. Das wichtigste Lärminstrument war die Glocke.

Sie war ursprünglich ein der Dämonenabwehr dienendes Kultobjekt. Man fand Glocken als Beigabe in römischen Gräbern. Sie sollten die Toten vor dem Unfug der Geister schützen. Glöckchen­amulette wurden später kleinen Kindern und Tieren zum Schutz gegen Behexung umgehängt. Diese Geister abwehrende Wirkung ging auch auf die Kirchenglocken über. Um sich aber vor dem heidnischen Gebrauch der Glocken abzugrenzen, führte die Kirche im 10. Jahrhundert die Glockenweihe ein. Die abwehrende Kraft des Schalls galt nun nicht mehr unbestimmten Dämonen, sondern dem Teufel und seinen Gehilfen. So wurde in Lorcher mit der grossen Glocke geläutet, „damit Hexen nicht über den Rhein kommen“.

Doch zurück zu Moses (16,23): „Und er sprach zu ihnen: Das ist's, was der HERR gesagt hat: Morgen ist Ruhetag, heiliger Sabbat für den HERRN“. Als Ruhetag hat sich in unserem christlichen Kulturkreis der Sonntag durchgesetzt und von kirchlicher Seite wird immer wieder gefordert, dass der Sonntag ein Ruhetag sein soll.
Sollte nicht die Kirche mit gutem Beispiel vorangehen? Wie wäre es, wenn am Sonntagmorgen nur einmal zu Beginn des Gottesdienstes geläutet würde? Muss wirklich um 6 Uhr um 9 Uhr um 10 und um 11 Uhr geläutet werden?

 
 
Realisierung: RightSight.ch