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"Ich würde die lasche, viel zu tolerante Haltung gegenüber dem nächtlichen Kirchenglockengebimmel in meiner Nachbarschaft ändern."

Kuno Lauener (Schweizer Sänger von 'Züri West')
Kuno Lauener (Schweizer Sänger von 'Züri West')

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26 Minuten Glockenlärm am Silvester  
3. Februar 2009
Quelle: Zürichsee Zeitung (Von Philipp Kleiser)
Die Glocken läuten 26 lange Minuten während der Silvesternacht
Das Glockengeläut in der Silvesternacht ist für viele Menschen symbolisch. Andere empfinden das Einläuten des neuen Jahres allerdings als Ruhestörung.

Die katholische Kirche in Oberrieden trägt ihre Glockenpracht offen zur Schau. Sie ist damit aber eine Ausnahme.
(Rahel Brunner)

Am Silvesterabend, kurz vor Mitternacht, werden die Glocken losgelassen. «Während 13 Minuten - von 23.45 bis 23.58 Uhr - läuten wir das alte Jahr aus», erklärt Herbert Märki, Hausverwalter der Evangelisch-reformierten Kirchgemeinde Horgen. Dann werden den Glocken zwei Minuten Ruhe «gegönnt» - damit sie ausschwingen können, bevor die Glocken um Mitternacht mit dem Hammer angeschlagen werden - der Stundenschlag.

«Anschliessend lassen wir die Glocken wieder 13 Minuten läuten und begrüssen so das neue Jahr», ergänzt Herbert Märki. Die meisten Kirchen im Bezirk Horgen werden es derjenigen in Horgen gleichtun. Das Glockengeläut zum Jahreswechsel hat kirchliche Tradition - und ist in den neuen Glockensteuerungssystemen meist schon fix programmiert. Manch ein Sigrist wird das Silvestergeläut aber sicherlich noch per Knopfdruck auslösen.

Glocken jährlich überprüfen

(...) Die Firma hat sich deshalb, um ihr Überleben zu sichern, vermehrt auf Turmtechnik spezialisiert. Die Instandstellung bestehender Glockenstühle sowie Service und Wartung der Läutmaschinen, Turmuhren, der Glockensteuerung oder der Schallisolation gehören zu diesem Aufgabenbereich. Die Form und Materialeigenschaft einer Glocke beeinflusst ihren Klang wesentlich. Ihr Ton besteht aus dem primären Schlagton und den sogenannten Heultönen, die zusammen einen Dreiklang bilden. Ein Frequenzgemisch, das erst in unseren Ohren entsteht und gemäss neusten Studien auch nicht von allen Menschen gleich wahrgenommen wird: Was die einen als anmutiger Wohlklang anspricht, ist für andere nur ein Dröhnen.

Zwischen Tradition und Lärm

Tatsächlich sahen sich in den letzten Jahren verschiedene Gemeinden im Bezirk Horgen mit Reklamationen konfrontiert. In Rüschlikon hatte 2007 eine Gruppe von Anwohnern gefordert, dass die reformierte Kirche auf das nächtliche Uhrschlagen verzichte. Die Kirchenpflege beschloss daraufhin, das nächtliche Zeitgeläut zwischen 23 und 6 Uhr zu reduzieren. Auch in Adliswil, Richterswil und Wädenswil waren in den vergangenen Jahren Lärmstörungen wegen Kirchglocken bekannt geworden, wie Samuel Büechi von der IG Stiller erklärt. Die Interessengemeinschaft setzt sich auf nationaler Ebene für die gesetzlich vorgeschriebenen Ruhezeiten ein und wehrt sich gegen Glocken- und Zeitgeläut in der Nacht zwischen 22 und 7 Uhr.

Tiefe Symbolik

Kirchen und öffentliche Kapellen hätten ein Recht auf Glocken, um die Gläubigen zum Gottesdienst einzuladen und an herkömmlichen Stunden zum Gebet aufzurufen, sind Verantwortliche der Kirchen überzeugt. Auch Gerhard Spielmann meint: «Die Glocke ist keine Lärmquelle, sondern ein Kulturgut.» Es gebe aber offene Türme, die man schliessen sollte, um die Lautstärke des Geläuts zu reduzieren. Ansonsten sehe er im Kirchengeläut einen hohen kulturellen Wert und eine tiefe Symbolik. Die Diskussionen ums Glockengeläut werden sicherlich nicht verstummen. Klar ist aber: Morgen, an Silvester, werden die Glocken kurz vor Mitternacht losbimmeln und zunächst das alte Jahr aus-, dann das neue Jahr einläuten. Ganz, wie es die Tradition vorsieht.

Ganze Story: Zsz.ch/zszst/storys.cfm?vID=9302

 
 
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