IG Stiller - www.nachtruhe.info
"Von Seiten des Bistums besteht keine Verpflichtung, die Kirchenglocken morgens zu läuten.
Noch weniger besteht eine Vorschrift bezüglich des Zeitpunktes des Glockengeläutes..."

Ivo Fürer, Altbischof Bistum St. Gallen
Ivo Fürer, Altbischof Bistum St. Gallen

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Amriswiler Rentner-Ehepaar geht gegen den nächtlichen Glockenschlag der Kirchen vor  
1. Februar 2006
Quelle: Thurgauer Zeitung (von Roger Häni)

«Das gehört sich nicht mehr»

Für George und Rosmarie Kunz ist der nächtliche Glockenschlag ein Verstoss gegen das Lärm-schutzgesetz und nicht mehr zeitgemäss.
Sie sind sogar bereit, die Kosten für das nächtliche Abstellen des Glockenschlags in der evangelischen Kirche Amriswil selber zu berappen
.

Aufgrund einer Lärmklage wird am 13. Februar an der evangelischen
Kirchgemeindeversammlung von Amriswil über das Abstellen des nächtlichen Glockenschlags diskutiert. Urheber dieser Klage ist ein Ehepaar, welcheseinige Häuser westlich der evangelischen Kirche Amriswil wohnt und sich inseiner Nachtruhe gestört fühlt. Ihre (bereits 2004 eingereichte) Klage richte sich nicht gegen die Kirche oder den Glockenschlag als solchen, sondern nur gegen das nächtliche Schlagen, betonen George und Rosmarie Kunz.

«Das gehört sich heute einfach nicht mehr. Alle anderen müssen sich auch an das Lärmschutzgesetz halten.» Ausserdem habe doch jeder eine Uhr. «Muss uns die Kirche nachts jede Viertelstunde zeigen, dass sie nebenan steht?» «Übernehme 4400 Franken»

Wenn man schon tagsüber den Verkehrslärm auf der Weinfelder-strasse habe, dann wolle man wenigstens nachts seine Ruhe haben und wie andere Leute bei offenem Fenster schlafen können, finden die beiden Rentner.
Dies sei aber nicht möglich, je nach Windrichtung könne es sogar sein, dass man durch das laute Schlagen der Uhrzeit ­ «direkt an unsere Wand» ­ geweckt werde.

Der Gesundheit sei das auf die Dauer nicht förderlich. Um nachts künftig vom Glockenschlag der evangelischen Kirche verschont zu bleiben, ist das Ehepaar sogar bereit, selber in die Taschen zu greifen.
«Ich würde die Kosten von 4400 Franken übernehmen und habe das
Kirchenpräsidentin Ruth Pfister auch gesagt», erklärt George Kunz.
Er stört sich daran, dass dieses Angebot in der Botschaft zur evangelischen Kirchgemeinde-versammlung in keiner Weise erwähnt wird.
Dass über ein Abstellen des Glockenschlags von 22 bis 6 Uhr, statt ­ wie gefordert ­ von 23 bis 7 Uhr diskutiert werde, sei hingegen in Ordnung. «Damit können wir
leben.»

Auf taube Ohren gestossen

Seit drei Jahren wohnen Rosmarie und George Kunz an der Weinfelder-strasse. Nachdem feststand, dass sie sich nicht an den nächtlichen Glockenschlag gewöhnen würden, hätten sie zunächst Kontakt mit dem Pfarrer gesucht, doch seien sie auf taube Ohren gestossen.

Den Hinweis, sie könnten ja an einem
anderen Ort wohnen, wenn sie der Glockenschlag störe, lässt George Kunz nicht gelten: «Dann müssten in der Schweiz Hunderttausende umziehen.» Er findet, dass Glocken nachts generell stumm bleiben sollten in Amriswil - also auch jene der katholischen Kirche.
Als positive Beispiele nennt er
München oder London, sowie ­ etwas näher ­ Schaffhausen, Arbon oder Sulgen.

Teilweise gelte dies auch für Zürich und St. Gallen. «Volkswirtschaftlich
bringt das keinen Schaden und wäre für die Stadt Amriswil ein Schritt in die richtige Richtung.» Insgesamt seien es 177 Schläge, die man einsparen könnte, hat Rosmarie Kunz ausgerechnet.

Am Musikfest abgestellt

Die Kläger erinnern an das Kantonale Musikfest 2004 in Amriswil, als der
Glockenschlag vorübergehend abgestellt worden sei.
Dies zeige doch, dass der
Lärm als störend empfunden werden könne. «Müsste der Pfarrer die Glocken von Hand ziehen, wäre der nächtliche Glockenschlag schon lange kein Thema mehr.»

Brief an den Bundesrat

Die Interessengemeinschaft Stiller setzt sich für die Nachtruhe ein und
fordert eine eidgenössische Lösung des Glockenschlags.
Unter www.nachtruhe.info ist der Brieftext einzusehen, den sie kürzlich an den Bundesrat geschickt hat: «. . . mit Amriswil ist schon wieder ein Fall einer Glockenlärmklage bekannt geworden. Die Fälle häufen sich. Die Frequenz nimmt zu. Immer weniger Menschen verstehen, wieso sich Kirchen und Landwirte nicht
an die gesetzlich vorgeschriebenen Ruhezeiten halten müssen.»

Die IG Stiller bittet den Bundesrat, das Problem Glockenlärm an die Hand zu nehmen. Zu viele Einwohner litten darunter, zu viele Behörden, Beamten und Richter müssten sich damit herumschlagen, so ihre Begründung. (rh)

Stadtrat muss entscheiden

Die durch das Ehepaar Kunz bei der Amriswiler Bauverwaltung eingereichte Klage bezüglich Einstellen des nächtlichen Glockenschlags wurde mit der Bitte um Stellungnahme an die evangelische und katholische
Kirchenvorsteherschaft weitergeleitet.

Während die Katholiken vorerst
abwarten, diskutieren die Protestanten an ihrer Budgetversammlung vom 13.
Februar über das Thema.
Laut Präsidentin Ruth Pfister werde danach eine Stellungnahme abgegeben, zusammen mit den allfällig beschlossenen Änderungen
der Läuteordnung
(siehe «Tagblatt» vom 19. Januar).

«Wie es bei einem Nein der Kirchgemeinden weitergehen würde, kann ich zum jetzigen Zeitpunkt nicht sagen», erklärt Martin Belz von der Bauverwaltung. Auch George und Rosmarie Kunz wollen ihr weiteres Vorgehen bei einem negativen Entscheid offen lassen.
An der evangelischen
Kirchgemeindeversammlung werden sie voraussichtlich selber teilnehmen.

Die rechtliche Situation sieht so aus, dass der Stadtrat aufgrund des
Umweltschutzgesetzes ­ vor allem aufgrund der Lärmschutzverordnung ­
zuständig ist, erstinstanzlich über die Klage zu entscheiden. (rh)

Vielen dank George und Rosmarie Kunz für Ihren mutigen Einsatz in Amriswil!.
Sie erhalten selbstverständlich jede benötigte Unterstützung von der IG Stiller!

 
 
Realisierung: RightSight.ch