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Lärmbekämpfung Stadtpolizei Zürich
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Aprilscherz  
1. April 2006
Quelle: Wiler Zeitung (von Stefan Hauser)

Das allzu helle Licht ausknipsen

Die Interessengruppe «IG Dunkler» setzt sich gegen das Phänomen der Lichtverschmutzung über Wil ein und plädiert für natürliche Dunkelheit

Es ist vielerorts längst keine unumstössliche Tatsache mehr, dass es dunkel wird, sobald die Sonne untergeht:
Mittels künstlicher Lichtquellen macht der Mensch immer mehr die Nacht zum Tag – nicht zur Freude aller.

Wäre Franz Wilhelm Abt, der von 1819 bis 1885 in Deutschland lebte und arbeitete, rund 190 Jahre später zur Welt gekommen, er hätte vielleicht nie sein Opus 144 Nummer 4 geschrieben. Der Text zu dieser Melodie beginnt nämlich mit den Worten «In dunkler Nacht, wenns Aug' noch wacht». Heute erhellen Beleuchtungsinstallationen Strassen und Plätze – und durch Streulicht in zunehmendem Masse auch den Nachthimmel. Wissenschaftler haben dafür den Begriff der Lichtverschmutzung geprägt: Darunter versteht man die Aufhellung des Nachthimmels durch künstliche Lichtquellen, deren Licht in den unteren Luftschichten der Atmosphäre gestreut wird und so eine Art heller Glocke hervorbringt, die den an sich dunklen Nachthimmel beleuchtet. Forscher befürchten erhebliche negative Einflüsse dieser Lichtverschmutzung auf Flora und Fauna sowie auf den Menschen, wobei sowohl physische als auch psychische Auswirkungen angenommen werden.

Aktives Vorbild
Folgen, die man nicht einfach so hinnehmen kann, das sagte sich der Wiler Rainer G. Legt und rief dieser Tage die «IG Dunkler» ins Leben, wobei er sich nach eigenen Angaben «am Vorbild der überaus aktiven IG Stiller» orientiert habe. «Das allgegenwärtige Problem der Lichtverschmutzung ist meines Erachtens in der Bevölkerung viel zu wenig präsent respektive wird gar nicht bewusst als Problem erkannt. Ich möchte erreichen, dass die Wiler für das Thema sensibilisiert werden.»

Dabei richtet er sich nur in zweiter Linie direkt an die Einwohner der Stadt: «Der Stadtrat beziehungsweise das stadträtliche Departement <Bau, Umwelt und Verkehr> von Stadtrat Beda Sartory müsste hier aktiv werden und gerade bei Neu- oder Umbauten von Privat- und Geschäftsliegenschaften auf einen korrekten Einsatz von Beleuchtungskörpern achten – nur so kann Streulicht und die Lichtverschmutzung minimiert werden.» Auf konkrete Beispiele angesprochen nennt Legt den Bahnhofplatz oder das Stadion Bergholz, dessen Beleuchtung man «unnötigerweise noch verstärkt» habe, obschon der FC Wil ja nur noch in der Challenge-League spiele. Hier müsse man bei der Planung für den neuen Sportpark Bergholz eindeutig ein besonderes Augenmerk auf die Art und den Abstrahlwinkel der Beleuchtungskörper auf den Lichtmasten legen. Der Gegner der Lichtverschmutzung findet aber auch lobende Worte für die Stadt: «Am Beispiel der Beleuchtung des Hofs zu Wil, die nur sehr selektiv eingeschaltet wird, zeigt sich deutlich, dass es in Sachen Lichteinsatz auch mit etwas mehr Rücksicht ginge.»

Nicht ins Kerzenzeitalter zurück
Ob er nicht befürchte, mit seinem Anliegen auf wenig Gegenliebe zu stossen? «Ich weiss, dass beispielsweise der <IG Stiller> gerade in Leserbriefen gelegentlich ein rauer Wind entgegenbläst. Trotzdem stehe ich zu meiner Überzeugung, die ich mit der <IG Dunkler> vertrete.» Dabei müsse man vor einer Entscheidung die Bürger zuerst informieren, nur so könne letztlich ein demokratischer Entscheid als Grundlage für ein verbindliches (in der Stadt Wil noch fehlendes) Regelwerk in Sachen Lichtgestaltung bewerkstelligt werden. «Man erlaube mir das Wortspiel: In Sachen Lichtverschmutzung muss man jetzt sprichwörtlich <Licht ins Dunkel> bringen und die Leute <nicht im Dunkeln> lassen», so Legt.

Lichtwerte messen
In einer Pressemitteilung hat Rainer G. Legt für die nächsten Tage weiteres Material zur Situation in Wil angekündigt. Sofern es die Witterung zulasse, werde er in der Nacht von heute Samstag auf morgen Sonntag Messungen des Lux-Wertes, sprich der Lichtstärke über der Stadt vornehmen. «Eines vorweg: Ich bin kein Fundamentalist, der die Gesellschaft wieder gerne in der Zeit von Petroleumlampen oder Kerzenschein sähe. Mir ist sehr wohl klar, dass Dunkelheit nicht allenorts sinnvoll ist – Aspekte der Sicherheit für Personen oder im Verkehr sprechen ganz klar für Beleuchtungen. Nur müssen diese sinnvoll und gezielt eingesetzt werden.» Seine Messungen – vorgesehen ist nach Angaben des «IG Dunkler»-Initianten eine Reihe mit rund 15 Stichproben, verteilt auf das ganze Stadtgebiet – soll eine erste fundierte Grundlage liefern.

Derzeit noch eher klein
Noch ist das Grüppchen der «IG Dunkler»-Mitglieder um Rainer G. Legt klein, der Gründer spricht selber von «einem guten Dutzend». Er sei aber überzeugt, dass dereinst das Bewusstsein auch in weiteren Kreisen geweckt werde: «Mindestens so schlimm wie die Strahlung von Natelantennen oder der Lärm von Kirchenglocken oder Flugzeugen ist fehlgeleitetes Licht oder permanente Beleuchtung des Nachthimmels alleweil», gibt sich Legt überzeugt. Eine Zusammenarbeit mit anderen, bereits etablierten Gruppen, schliesst er nicht aus: «Wir bemühen uns derzeit um die Aufnahme in die Organisation <Dark Sky Switzerland> (siehe Kasten). Darüber hinaus könnten wir uns auch ein Zusammengehen mit der <IG Stiller> oder mit den Gegnern des Fluglärms vorstellen.» Auf dass wieder Dunkelheit herrsche, wo kein Licht hingehöre.

Kontakte sind per E-Mail unter nicht-zu-viel-licht@gmx.ch möglich.


und 2 seiten weiter steht zum Thema Toggenburg:

Sieben Gründe warum sich diese Woche im Toggenburg zu leben lohnt:

1.) Während Wil schon das bisschen Licht zu viel ist, stört man sich im Toggenburg nocht nicht einmal an der akustischen Präsenz von Kirchen...

Auch im Toggenburg möchten immer mehr Menschen schlafen - ohne die überflüssigen viertelstündlichen Weckschläge...!

 
 
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