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Bemerkenswerter Beitrag von Redaktor René Schneider  
9. April 2005
Quelle: St. Galler Tagblatt

Glockenschlag

346 Glockenschläge tun uns von abends um acht bis morgens um acht Uhr kund, wie spät es ist. Im Umkreis von 300 Metern einer Kirche kann das für Anwohner störend sein. Und weil die Kirchen meist mitten im Dorf stehen und meist deren zwei davon versetzt zum Stundenschlag ansetzen, verdoppelt sich die Zahl der potenziell Betroffenen wie auch die Zahl der Glockenschläge.

Bei den 346 Glockenschlägen ist das frühmorgendliche, minutenlange Geläute zum Tagesbeginn nicht mitgezählt. Mitgezählt sind auch nicht die Glockenschläge von Schulhäusern mit Stundenschlag. Anderseits sind die Menschen, welche in 300-Meter-Entfernung einer Kirche mit Glockenschlag wohnen, eine Minderheit. Noch kleiner ist die Minderheit, welche im 300-Meter-Radius von zwei Kirchen wohnt. Doch misst sich die Qualität einer Demokratie daran, wie sie mit Minderheiten umgeht.

Und angesichts dessen, dass die Kirchen (und Schultürmchen) meist mitten im Dorf stehen und die Besiedelung dort am dichtesten ist, könnten wir uns überlegen, ob die nächtlichen Zeitangaben mittels Glocken noch zeitgemäss sind. Wir haben doch alle eine Armbanduhr, einen Wecker, eine Uhr am Kochherd, an der Mikrowelle, auf dem Computer, an der Wand, an der Musikanlage, am Fernsehapparat, an der Waschmaschine, auf dem Handy, im Auto. Die Zeiten haben sich geändert.

Die Menschen, welche im Takt von Sonnenaufgang und -untergang leben und arbeiten, gibt es kaum mehr, jene ohne Uhr gar nicht mehr. Vielleicht wagt es eine mutige und menschenfreundliche Kirchenbehörde, den nächtlichen Glockenschlag ohne Ankündigung abzuschalten und auf die Reaktionen zu warten.

René Schneider
schneider@rdv.ch

 
 
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