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"Hat es ein allmächtiger Gott wirklich nötig dass man so einen Lärm um ihn machen muss?"

Stefan Mauerhofer (Co-Präsident Schweizer Freidenker)
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Bundesgericht muss sich wieder mit Kirchenglocken-Lärm in Gossau ZH befassen  
11. Juli 2009
Quelle: Zürcher Oberländer (von Stefan Bachofen)

Gossau ZH. Das Bundesgericht wird erneut darüber entscheiden müssen, ob die Gossauer Kirche in der Nacht alle 15 Minuten die Zeit verkünden darf.

Kirchenglocken in Gossau ZH - erneut vor Bundesgericht.

Vor gut zwei Monaten hat das Zürcher Verwaltungsgericht eine Beschwerde von zwei Anwohnern abgewiesen, die unter dem nächtlichen Zeitschlag der reformierten Kirche Gossau leiden. Das Läuten der Glocken verletze den Lärmschutz, argumentierten sie. Einer der Anwohner ist Bruno Waldis, Eigentümer der Liegenschaft an der Kirchstrasse 1, die er jedoch nicht selber bewohnt. Zusammen mit Christian Frei klagte er bei der Baurekurskommission und später beim Verwaltungsgericht gegen den Entscheid des Gemeinderates und der Kirchenpflege. Diese wollten am «kulturellen und traditionellen Wert» des nächtlichen Zeitschlages festhalten.


Mitstreiter gefunden

Dass sich Behörden und Richter seit nunmehr sieben Jahren mit dem Gossauer Glockengeläute befassen müssen, haben sie primär Christian Frei zu «verdanken». Frei gelangte schon einmal ans Bundesgericht. Im Frühling 2006 bewertete das höchste Gericht des Landes die althergebrachte Tradition allerdings höher als das Ruhebedürfnis der Nachbarn und erteilte der Beschwerde eine Abfuhr. In Bruno Waldis, dessen Liegenschaft bedeutend näher beim Gotteshaus liegt als seine eigene, fand Frei einen Mitstreiter. Auch Waldis hatte bisher aber wenig Erfolg.


Liegenschaft verliert an Wert

Doch Bruno Waldis, Adressat des Verwaltungsgerichtsurteils, akzeptiert den Entscheid des Verwaltungsgerichtes nicht. Er verlangt, dass die Gossauer Behörden die Glocken zwischen 21.45 Uhr und 6 Uhr abstellen.

Anfang Juli reichte er beim Bundesgericht in Lausanne eine Beschwerde gegen den Verwaltungsgerichtsentscheid ein, bestätigt seine Anwältin Korinna Fröhlich auf Anfrage. Das kostet Waldis 3000 Franken, die Anwaltskosten nicht inbegriffen. «Die Liegenschaft meines Mandanten verliert wegen des nächtlichen Glockenschlags erheblich an Wert», begründet Fröhlich den Weiterzug. Waldis sei deshalb gezwungen, das Haus zu einem tieferen Preis zu vermieten, was für ihn wirtschaftlich negative Folgen habe.


Zuversichtliche Anwältin

Die Anwältin aus Uster rechnet sich gute Chancen aus, vor Bundesgericht zu gewinnen. Sie weist darauf hin, dass das Zürcher Verwaltungsgericht im April 2005 einen wegweisenden Entscheid gefällt hatte: Bei Schwallwerten einer Kirche im Bereich von 58 bis 66 Dezibel müssten die Gemeindebehörden «Massnahmen ergreifen.» Der von der Empa errechnete Lärmpegel in Waldis' Liegenschaft liegt, bei spaltweise geöffnetem Fenster, bei 63 Dezibel. Fröhlich: «Mit seinem jüngsten Urteil verletzt das Verwaltungsgericht seine eigene Rechtssprechung.» Wenn die Kirche in der Nacht alle Viertelstunden die Zeit verkündet, sei dies ausserdem ein Verstoss gegen die kommunale Polizeiordnung der Gemeinde Gossau. «Von 22 Uhr bis 6 Uhr ist es nämlich verboten, Lärm zu verursachen.»


Vorläufig bleibt alles beim Alten

Hansjörg Steiner, Präsident der reformierten Kirchenpflege Gossau, nimmt zur Kenntnis, dass der schier unendliche Glockenstreit in eine nächste Runde geht. Bisher hätten die Gerichte stets das Urteil der Vorinstanz bestätigt. «Es ist zwar durchaus möglich, dass sich das Bundesgericht diesmal anders entscheidet.» Bevor ein Urteil aus Lausanne vorliegt, bleibe aber alles wie gehabt. «Wir haben keinen Anlass, die Läutordnung nun zu ändern oder irgendwelche Sanierungsmassnahmen in die Wege zu leiten.»
Bis das Bundesgericht einen Entscheid fällt, dürfte es erfahrungsgemäss wieder fast ein Jahr dauern.

Siehe auch: Nachtruhe.info - Kampf für Nachtruhe ohne Glockenlärm geht vors Bundesgericht

 
 
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