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Laut dem Bundesverwaltungsgericht ist das Glockengeläut als Zeitansage "keine kirchliche Äußerung", sondern "eine Tradition, die ihre Bedeutung angesichts gewandelter Lebensbedingungen weitgehend verloren hat..."

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Das vergessene Bundesgerichtsurteil  
20. Juli 2019

Kuhglocken sind Liebhaberei und Affektionsinteresse

Die IG Stiller hat die Publikation "Viehglocken" auf lärm.ch, der homepage der schweizerischen Lärmschutzfachstellen, als tendenziös beanstandet. Grund für diese Kritik ist unter anderem die Unterschlagung des ältesten Bundesgerichtsurteils zum Thema aus dem Jahr 1919:
 
61. Urteil der II. Zivilabteilung vom 30. September 1919 i.S. Altermatt gegen Ammann
 
Damals war klar, dass es sich bei Kuhglocken und eine Liebhaberei resp. ein Affektionsinteresse handelt und dass es bei umzäunten Weiden keine Kuhglocken braucht.
 
„Diesem blossen Affektionsinteresse des Klägers (auf Verwendung von Kuhglocken) steht gegenüber das Interesse des Bewohners … an ungestörter Nachtruhe, das jedenfalls mit Rücksicht auf die Anforderungen, die das moderne Leben an die Nervenkräfte des Menschen stellt, als erheblich schutzwürdiges Gut erscheinen muss. Der Weidgang mit Herdengeläute zur Nachtzeit auf einer Wiese, die im Baugebiet einer Ortschaft mit städtischen Verhältnissen liegt, ist eine übermässige, durch Lage und Beschaffenheit der Grundstücke nicht gerechtfertigte Einwirkung....
 
Typisch für ein Kuhglockenprozess ist im übrigen, dass eine Klage gegen Kuhglockenlärm oft mit noch mehr Lärm beantwortet wird. Dank der Klage, weiss der Bauer von der Schwäche des Klägers und nützt dieses Wissen schamlos aus - vielleicht kann der Kläger ja mit noch mehr Lärm vertrieben werden. So hat der Gestörte in diesem Prozess berichtet, dass der Bauer auf seine berechtigten Vorstellung hin das Geläute zu unterlassen, dieses noch mit Johlen und Peitschenknallen begleitet habe.
 
Interessant ist auch folgende Bemerkung des Gerichtes: "Es kann auch nicht etwa eingewendet werden, dass ein normal veranlagter Mensch sich nach kurzer Zeit an das Geläute gewöhne und mithin dadurch nicht gestört werden könne; denn es fällt in Betracht, dass das Herdengeläute sich nicht als kontinuierliches Geräusch von stets gleicher Intensität darstellt, sondern dass es sich um ein intermittierendes Geräusch handelt, das verstummt, wenn die Tiere ruhen und stärker oder schwächer wird, je nachdem die Herde sich nähert oder entfernt und an das sich nach allgemeiner Lebenserfahrung auch der völlig normal veranlagte Mensch nicht gewöhnen kann."
 
 
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