IG Stiller - www.nachtruhe.info
"Bei der Landwirtschaft gelten andere Gesetze.
So schützt auch die neue, bürokratisch-detaillierte Tierschutzverordnung auf 153 Seiten Wellensittiche und misst den Auslauf für Elche, aber den Nerven von Kühen mutet die Verordnung den lauten Glockenlärm direkt unter den schönen, weiss umflorten Ohren zu.
Feige wich das Bundesamt dem hergebrachten Brauchtum."

Beat Kappeler (Journalist und Autor)
Beat Kappeler (Journalist und Autor)

Sind Sie im Lärmschutz tätig?

Hier könnte Ihre Werbung stehen!

Kontaktieren Sie uns

Der Streit ums Kirchenglockenläuten hat in der Region Tradition  
21. Juni 2005
Quelle: Zürcher Unterländer - Zuonline.ch (von Steffen Riedel)

Ärger mit dem «heiligen Bimbam»

Ob und wann Kirchen-glocken läuten dürfen, haben Gerichte längst geklärt.
Dennoch sorgen religiöse Klangkörper regelmässig für unselige Streitereien. Wie derzeit in Glattfelden.


Die evangelische Kirche in Glattfelden soll den Sonntag wieder um sieben Uhr einläuten.

Vor gut einem Jahr hatten sich die Bewohner eines kirchennahen Neubauquartiers in Glattfelden eine Stunde mehr Sonntagsschlaf erkämpft. Die Glocken der reformierten Kirche durften fortan nicht mehr um sieben Uhr den Tag des Herrn einläuten, sondern erst um acht Uhr.

Die Schonzeit für die Neuzuzüger in Glattfelden könnte bald vorbei sein. Denn die Kirchenpflege erwägt, das Glockengeläute wieder um eine Stunde vorzuverlegen.
Auf Wunsch traditionsbewusster Alteingesessener.

 

Alte Traditionen retten

Noch weiter gehende Wünsche hegt man in Embrach. Auch dort soll das sonntägliche Läuten die Einwohner wieder früher wecken als dies derzeit der Fall ist, so der ehemalige Gemeinderat Bruno Rüegger. «Man muss die alten Traditionen retten.»
Und weiter: «Neuzuzüger sollen unterschreiben, dass sie mit ortsüblichen Vorgängen einverstanden sind, dann gibts im Nachhinein keinen Ärger und nichts kann geändert werden.» Das Sonntagsläuten möchte Rüegger mit einer Unterschriftensammlung in Embrach von heute acht Uhr auf sechs Uhr vorverlegen. Die Idee ist gleichermassen unpopulär wie undurchführbar. Denn im Kanton Zürich dürfen Kirchenglocken nicht vor sieben Uhr in der Früh läuten.

Gleich zwei Verwaltungsgerichtsentscheide regeln das «Gebimmel» vom Kirchturm. Und der «heilige Bimbam» ist danach vor dem Gesetz nichts anderes als weltlicher Krach. Dieser ist, wie jeder andere, störende Lärm, vor sieben Uhr verboten. Zumindest in stadtnahen Regionen.
In sehr ländlichen Gebieten mit einer überwiegend bäuerlichen Bevölkerung beginnt der Tag in den Augen und vor allem Ohren der Verwaltungsrichter aber schon früher. Hier darf der christliche Weckruf auch schon um sechs Uhr erfolgen. Im Unterland ist dies allerdings nur noch in wenigen Gemeinden der Fall.

Gegen «Terrorgeläut»

Zu diesen richtungsweisenden Entscheiden des Zürcher Verwaltungsgerichts war es gekommen, nachdem sich in zwei Unterländer Gemeinden Einwohner gegen das «unzeitgemässe Terrorgeläut» der Kirchen zur Wehr gesetzt hatten.
So geschehen in Buchs, wo das Urteil 1995 die Nachtruhe für die Kirchenglocken von sechs auf sieben Uhr verschob, und in Wangen-Brüttisellen, wo dies seit 2001 gilt. In beiden Gemeinden beendeten die Gerichtsentscheide teilweise jahrelange und nicht sonderlich christlich geführte Streiterein.
Seither gäbe es aber keine Probleme mehr, wie die Gemeindeschreiber dieser Orte bestätigten.

Ob die Glattfelder Traditionalisten den Neuzuzügern in ihrer Gemeinde Nächstenliebe entgegenbringen oder ob sie das sonntägliche Glockengeläute vorverlegen, soll in wenigen Tagen entschieden werden.

 
 
Realisierung: RightSight.ch