IG Stiller - www.nachtruhe.info
"Jedem edlen Ohr Kommt das Geklingel widrig vor.
Und das verfluchte Bim-Bam-Bimmel,
Umnebelnd heiteren Abendhimmel,
Mischt sich in jegliches Begebnis,
Vom ersten Bad bis zum Begräbnis,
Als wäre zwischen Bim und Baum
Das Leben ein verschollner Traum."

Johann Wolfgang Goethe (in Faust)
Johann Wolfgang Goethe (in Faust)

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Die Bezeichnung Glockennarr schmeichelt mir  
13. März 2005
Quelle: Sonntagszeitung (von Roland Falk)

Der Trogener Kirchenlärmgegner Samuel Büechi über Störungen beim Beten, untaugliche Ohrenstöpsel und Nebenwirkungen von exzessivem Geschelle.

 Die Bezeichnung Glockennarr schmeichelt mir

 

Samuel Büechi, was war für Sie das wichtigste Ereignis der Woche?

 

Der Jahrestag des Terroranschlags in Madrid. Die Berichte waren berührend.

Im «Tages-Anzeiger» haben Sie durch die Blume gesagt, Kirchenglocken sollte man verschrotten. Was nervt Sie an den Dingern?

Nicht die Glocken nerven, sondern ihr Gebrauch.
Sie werden zu viel, zu oft und zu betäubend geläutet und geschlagen. Verschrotten würde ich sie aber nicht.

Ewige Ruhe gibts erst nach dem Tod.
Warum behelfen Sie sich bis dahin nicht mitOhrstöpseln?

Wenn das ganze Haus vibriert, sind die ein Witz. Zudem halten sie die tiefen
Töne der Glocken kaum ab.

Als Doktor der Pharmazie könnten Sie sich mit potenten Beruhigungsmitteln abschotten.

Die Suchtgefahr, die von rezeptpflichtigen Stoffen der Gruppe Benzodiazepin ausgeht, ist zu gross.
In der Schweiz sind schon so Zehntausende davon abhängig.

Gegen die evangelische Kirche von Trogen möchten Sie den Kadi bemühen.
Sie wird sicher freudig Sturm läuten, wenn Ihre Klage abgeschmettert wird.

Das bleibt ihr versagt, denn im Läutereglement ist so was nicht vorgesehen.

In einer Kampfschrift gegen klerikale Phons haben Sie den Trogenern kürzlich Ihre «Gedanken eines Gestörten» transparent gemacht. Worin gipfeln die?

Darin, dass in den letzten Jahrhunderten glockenmässig eine wahnwitzige Aufrüstung stattgefunden hat.
Und dass ich als selten praktizierendes Mitglied der evangelisch-reformierten Kirche beim Beten gestört werde.

Mitunter wird sicher behauptet, Sie seien auch ohne Beschallung gestört.

Anonym wurde mir gerade bescheinigt, ich sei gemeingefährlich und bräuchte als Glockennarr einen Psychiater. Die Bezeichnung schmeichelt mir, denn ich bin Mitglied der traditionellen Appenzeller Narrengemeinde.

Hinterfragen darf man dennoch Ihre Bangemache, Kirchgeschelle könnte eine Ursache für Hirntumore sein.

Ich sage bloss, dass das nicht auszuschliessen ist.

Landesweit suchen Sie Leidensgenossen für Ihre «Interessengemeinschaft Stiller».
Was ist das – ein Exerzitiengrüppchen?

Eine Organisation, die sich für die Einhaltung der Nachtruhe einsetzt. Und die himmelherrgottsack nicht akzeptieren mag, dass die Kirche an einem Ruhetag wie dem Sonntag so viel Krach macht.

Schade, dass «For Whom the Bell tolls» schon von Ernest Hemingway geschrieben wurde.
Das wäre doch ein Werktitel für Sie.

Ich kenne das Buch nicht. Dafür aber ein Glockengedicht von Goethe: «Jedem edlen Ohr kommt das Geklingel widrig vor», heissts darin. In «Stiller» notierte Max Frisch zudem, Kirchengeläut mache «taub, schwindlig, idiotisch» und sei «ein Lärm, dass man seine eigenen Gedanken nicht mehr hört».

Sie haben 25 000 Franken aufgewendet, um Ihr Haus einigermassen geräuscharm zu halten.
Hat die Kirche Sühnegeld bezahlt?

Selbstverständlich nicht. Das Geld hat ausserdem nur dazu gereicht, eine Besenkammer zum schlecht belüfteten Schlafbunker auszubauen.

Falls Sie dem Gebimmel beikommen sollten – wird das Husten zu Grippezeiten der nächste Lärm sein, den Sie eliminieren möchten?

Nein, ich werde mich dafür einsetzen, dass im Herbst das Laub nicht mehr ohrenbetäubend vo de Bäum tschättered.

Demnächst blühen die Osterglocken. Werden Sie auch gegen die juristisch vorgehen, falls Sie sie wachsen hören?

Als Pflanzenkundiger mag ich glockenförmige Blüten. Am liebsten die des Stechapfels.

 
 
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