IG Stiller - www.nachtruhe.info
"Was hören Sie beim Einschlafen?"
 
"Da lausche ich am liebsten der Stille."

Fabienne Louves (MusicStar 2007)
Fabienne Louves (MusicStar 2007)

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Die Glocken können weiter klingen  
1. Juni 2006
Quelle: Wiler Zeitung

Der Stadtrat spricht sich gegen Einschränkungen beim Glockengeläut aus und folgt einem Begehren der «IG Stiller» nicht Geläut von Kirchenglocken stellt nach Auffassung des Stadtrates weder ein «relevantes Lärmproblem» noch einen Verstoss gegen die geltende Lärmschutzverordnung (LSV) der Stadt dar.

Der Entscheid der Stadtväter ist klar: Die Glocken der Wiler Kirchen dürfen auch weiterhin läuten. Damit spricht sich der Stadtrat gegen die bislang letzte Forderung der «IG Stiller» aus, die ihrer Meinung nach störenden Klänge zu unterbinden oder zumindest einzuschränken.

Verschiedene Eingaben
Bereits im vergangenen November hat der Stadtrat verschiedene von der «IG Stiller» eingebrachte Bedenken im Zusammenhang mit dem Geläute der Wiler Kirchenglocken zurückgewiesen. Im Februar dieses Jahres erfolgte dann erneut eine Eingabe seitens der erwähnten Interessengemeinschaft, welche sich auf Resultate einer selbst gemachten Umfrage abstützte und Bezug nahm auf die Bestimmungen der Lärmschutzverordnung der Stadt Wil beziehungsweise auf entsprechende Teile des Bundesgesetzes über den Umweltschutz.

Im März schliesslich gelangte die «IG Stiller», vertreten durch Hans Fuchs, zum dritten Mal an den Stadtrat. Dabei machte die Interessengemeinschaft einen «dramatischen Verstoss gegen die LSV während der gesetzlich vorgeschriebenen Nachtruhe» geltend. Grundlage für diese Aussage lieferten persönlich durchgeführten Lärmmessungen der «IG Stiller».
Und genau diese Lärmmessungen zeigen tatsächlich einen dramatischen Verstoss gegen die LSV.
So erreichen zum Beispiel die nächtlichen Weckschläge der St. Peter Kirche 93 Dezibel. (+ 10 Dezibelzuschlag durch hohe Frequenzen)

Gemäss Lärmschutzverordnung Wil kann zu den Messwerten ein Zuschlag von bis zu 10 Dezibel addiert werden, wenn die „hohen Frequenzen hervortreten“. Die hohen Frequenzen der zu häufig gebrauchten, falsch gestimmten und deswegen scheppernden Wiler Glocken, treten in äusserst schmerzhafter Art hervor.

Der in der LSV von Wil vorgeschriebene maximal zulässige Wert von 55 Dezibel in der „Ruhigen Wohnzone“ wird also definitiv ad absurdum geführt.

Zusätzlich erreichen z.B. die Werte des 15 Minuten-Läutens am Samstagabend der St. Nikolaus Kirche mit 94+10 = 104 dB einen geradezu astronomisch hohen Lärmwert - mitten in einem 'ruhigem'Wohnquartier, zu einer Zeit, wo Kleinkinder bereits schlafen (sollten!).
(Das Flugzeug das jeden Abend gegen 22.30 über Wil fliegt erreicht dagegen deutlich tiefere Werte!)

Solche extremen Werte erinnern an das Lärminferno das bei Probeläufen für Düsenflugzeuge entsteht. Gemessen wurde übrigens beim kürzlich hohen Schneefall. Im Frühling dürften die Lärmwerte also noch höher ausfallen!

Als «nicht störend» beurteilt
Der Stadtrat erachte die heutige Situation im Zusammenhang mit dem Läuten der verschiedenen Kirchenglocken nicht als störend, wie er in einer Mitteilung festhält. Entsprechend wolle man diesbezüglich auch keine einschränkenden Massnahmen ergreifen und damit womöglich eine langjährige Tradition in Frage stellen. Überdies erachtet er die von der «IG Stiller» im Februar getätigte Umfrage für eine Stadt wie Wil mit über 17'000 Einwohnerinnen und Einwohnern kaum als repräsentativ: Gerade einmal 28 Fragebögen betrug der Rücklauf der besagten Erhebung, und von den Antwortenden gaben lediglich zwölf Personen an, sie würden sich durch die Kirchenglocken und deren Klänge gestört fühlen.
Die Umfrage der IG Stiller bestand aus 500 Fragebögen. Der Rücklauf von 28 Fragebögen kann also als normal bezeichnet werden, zumal kein frankiertes Rückantwort-Couvert beigelegen hat!
12 Personen von 28, die sich vom Glockengeläut belästigt fühlen entsprechen
42% die lieber mehr Lebensqualität und weniger Glockengedröhne möchten.

Glocken sind keine Maschinen
Gemäss Stadtrat ist auch der Bezug auf die Lärmschutzverordnung der Stadt Wil in Sachen Kirchglocken nicht relevant:
Warum nicht?
Gemäss Artikel 1 der Wiler LSV ist der Bezug definitiv relevant,

Artikel 1, LSV Wil:
Als Lärm im Sinne dieser Verordnung gelten akustische Einwirkungen, die Gesundheit, Leistungsfähigkeit oder Wohlbefinden von Menschen beeinträchtigen.

denn:

„... Die Annahme des BUWAL, dass 60 dB die gesundheitsschädliche Grenze für Kirchenglocken sei, ist wahrscheinlich deutlich zu hoch und einfach für die Ämter bequem. Normalerweise sind schärfere Töne mit schnellen Belastungsspitzen (Glocken sind ein Paradebeispiel dafür) schon bei geringerem Schalldruck wegen der Alertreaktionen gefährlich.“

Dr. med. Adrian P. Müller, 8810 Horgen

Die geltende Lärmschutzverordnung enthalte keine expliziten Vorschriften über das Läuten von Glocken, ebenso seien in besagter Verordnung auch keine analog anwendbaren Bestimmungen zu finden. Entsprechend sei der Klang von Kirchenglocken auch nicht mit Arbeitslärm vergleichbar, zumal Glocken nicht als Maschinen im Sinne von Artikel 3 der Lärmschutzverordnung gelten würden, wie die IG Stiller in ihren Eingaben argumentiert hatte. Gestützt auf diese Punkte hat der Stadtrat nun das Begehren von Hans Fuchs auf einschränkende Massnahmen beim Läuten der Kirchenglocken abgewiesen.
Wenn Kirchenglocken (die früher traditionellerweise von Hand geläutet worden sind!) keine Maschinen sind, was sind sie dann? Wahrscheinlich Musikinstrumente. Dann gilt aber:

Artikel 15, LSV Wil:
Singen und Musizieren und der Gebrauch von Tonwiedergabegeräten im Freien sind von 2200-0700 verboten. In der übrigen Zeit dürfen Drittpersonen dadurch nicht in unzumutbarer Weise belästigt werden.

Über Entscheid informiert
Hans Fuchs, Mitglied der «IG Stiller» und Vertreter dreier Eingaben bezüglich Glockenlärm, wurde dieser Tage vom Stadtrat mit einem Protokollauszug respektive mit einem separaten Schreiben über dessen Entscheidung informiert. Gestern war Fuchs für eine Stellungnahme bezüglich allfälliger Reaktionen oder weiterer Schritte der «IG Stiller» nicht zu erreichen. (sk./sh.)
Die IG Stiller bereitet den Rekurs vor.

 

 
 
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