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"Bei der Landwirtschaft gelten andere Gesetze.
So schützt auch die neue, bürokratisch-detaillierte Tierschutzverordnung auf 153 Seiten Wellensittiche und misst den Auslauf für Elche, aber den Nerven von Kühen mutet die Verordnung den lauten Glockenlärm direkt unter den schönen, weiss umflorten Ohren zu.
Feige wich das Bundesamt dem hergebrachten Brauchtum."

Beat Kappeler (Journalist und Autor)
Beat Kappeler (Journalist und Autor)

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Die Kirche kümmert sich um alles  
11. Mai 2005
Quelle: Aargauer Zeitung

Eine besondere Handreichung (sic!) des Aargauer Kirchenrates: Die Kirchgemeinden des Kantons werden in Kürze Empfängerinnen einer Schrift, die den schönen Titel «Vertraute Klänge - störende Klänge» trägt.

Unschwer zu erraten: Es geht um das schwerwiegende Problem des Glockengeläuts, das vielen Erdenbürgern eher Frust statt Lust ist - und da und dort bereits zu juristischen Auseinandersetzungen geführt hat. Dies im Zuge einer Zeit, die das Läuten der Kirchenglocken nicht mehr als Ruf zum Kirchgang oder als Begleitung zu feierlichen Festen, mithin als Zeichen unserer christlichen Kultur und Tradition, sondern schnöd als Lärmbelästigung empfindet.

Was scheinbar banal tönt, ist in Tat und Wahrheit eine kulturpolitisch höchst bewegende Frage.
Und deshalb gibt der Kirchenrat, gestützt auf eine 20-seitige Broschüre der Zürcher Schwesterkirche denn auch gleichsam präventiv einige nützliche Tipps, um Konflikten rund ums Kirchengeläut tunlichst vor-zubeugen.

Das liest sich dann etwa so:
«Erstens: Handeln im Voraus. Machen Sie die Glocken zum positiven Thema, zum Beispiel im Rahmen eines Kulturanlasses mit Referat, Demonstration, Film, Konzert, Führung. Glocken sind immer Unikate und klingen auch nicht überall gleich. Das macht ihren Klang unverwechselbar und zu einem Stück Heimat.

Zweitens: Wenn es zu Unstimmigkeiten kommt, suchen Sie zuerst das persönliche Gespräch.
Hören Sie gut zu, worum es den Einsprechenden geht. Legen Sie erst nachher Ihre Strategie fest:
Wo Sie nachgeben können, woran Sie festhalten wollen. Oft gibt es gute Verbesserungsmöglichkeiten oder können bereits geringfügige zeitliche Änderungen beim Geläut viel Gutes bewirken.

Drittens: Machen Sie keine Frage von Sein oder Nichtsein aus dem Glockengeläut. Gegen grundsätzliche Ablehnung hilft auch die Technik nicht.»

Aber vielleicht etwas mehr Toleranz gegenüber dem Läuten der Glocken und etwas mehr Zurückhaltung beim Kreieren der eigenen alltäglichen Geräuschkulisse - sei es durch Handy, Mini-Disc oder Rasenmäher.

Das ist denn wohl auch die Begleitbotschaft, die der Kirchenrat neben der Handreichung in Form einer ausgewachsenen Kirchengeläut-Broschüre en passant unter die Leute bringen wollte. (bbr.)

 
 
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