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Laut dem Bundesverwaltungsgericht ist das Glockengeläut als Zeitansage "keine kirchliche Äußerung", sondern "eine Tradition, die ihre Bedeutung angesichts gewandelter Lebensbedingungen weitgehend verloren hat..."

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In Europa wird das nächtliche Schlagen der Kirchenglocken immer mehr zu unerwünschtem Lärm  
1. September 2014
Quelle: DiePresse.com (Von: Anne-Catherine Simon) und Diverse

Sinnloses Läuten und Schlagen der Kirchenglocken (DiePresse.com) Europa's unerwünschter Lärm

Die einen fühlen sich nachts von Kuhglocken gestört, die anderen von Discolärm. Kafka fühlte sich gepeinigt vom Vogelgesang vor seinen Fenstern. Lärm ist unerwünschter Schall – und als solcher, wie uns ein Lexikon belehrt, „ein weitgehend psychologischer Begriff“.
Anmerkung IG Stiller: Diese Lexikon-Definition ist gefährlich; Lärm ist nicht nur einfach ein "psychologisches" Problem von Einzelnen - Lärm betrifft alle, weil:

Die Tiefe des Schlafes, von der die Erholung des Organismus abhängt, wird durch den Lärm verringert, auch wenn man nicht aufwacht.

(Laermliga.ch )

Siehe auch: Mehrmaliges Gewecktwerden vermindert die Aufmerksamkeit am nächsten Tag - NZZ vom 20. Aug. 2014


In Europa wird das nächtliche Schlagen einer Kirchenglocke immer mehr zum unerwünschten Lärm.
In Zürich, hieß es neuerdings, bleibt schon rund die Hälfte der Kirchenglocken nachts stumm: kein Stundenschlag zwischen zehn Uhr abends und sechs Uhr früh.
(Siehe z.B.:
- Heiliger Bimbam ruht - Tagesanzeiger vom 11. August 2014
- Nach Anrainerbeschwerden wird in immer mehr Gemeinden der nächtliche Glockenschlag abgestellt - Kurier.at vom 13. Aug. 2014

Am Land gibt die Kirchenglocke der Nacht noch öfter den Takt vor, aber immerhin langsamer als früher: Der Viertelstundenschlag stirbt allerorten aus.
(Siehe z.B.:
-
Worb: Lärmmessung wegen Beschwerde gegen Kirchengeläut - Bern-Ost.ch vom 26. Aug. 2014
-
Schwerte: Kirchenglocken sollen nachts schweigen - DerWesten.de vom 21. Aug. 2014
-
Nachtruhe und Glocken in Basel Land - Basellandschaftliche Zeitung vom 13. Aug. 2014
-
Gilching in Oberbayern: Anwohner von Kirchenglocken genervt  - Br.de vom 29. Aug. 2014)

Glockenschlag (von außen mit Hammer) und Glockenläuten – das sind kulturell umkämpfte Töne, es gibt eigene Interessengemeinschaften gegen das Glockengeläut, die dieses offen als religiöse Machtdemonstration bekämpfen. Und es gibt Glocken-Verteidiger, die in jedem Zugeständnis einen Rückschlag für die christliche Leitkultur fürchten.

Die gute alte „Lautlandschaft“
Aber der Glockenklang in Österreich und anderswo hat bei Weitem nicht immer mit Religion zu tun. Dass sich zum Beispiel der profane Stundenschlag (und gar mancherorts der viertelstündliche) gegen alle „zeitgemäßen“ Geräusche so beharrlich hält, ist doch erstaunlich. So viele Glocken verkünden noch die Uhrzeit, obwohl die Menschen sie dafür seit Ewigkeiten nicht mehr brauchen. Das hat mit Nostalgie und Gewohnheit zu tun, vor allem auf dem Land. Man will die guten alten „Lautlandschaften“ der eigenen Kindheit erhalten, und der Glockenschlag gehört für viele heutige Erwachsene immer noch dazu.

Wer ihn nicht gewohnt ist, kann ihn als störend, ja bedrohlich empfinden, auch weil er das Verrinnen der Zeit verkündet. Auf andere wirkt der geruhsame, so regelmäßige nächtliche Stundenschlag im Gegenteil beruhigend, die Glocke wie eine behäbige, durch nichts aufzuregende Gesellschafterin, die die Stille nicht durchbricht, sondern betont...
(Durch Lärm kann man also die Stille "betonen" - die Stille alleine wäre demnach beunruhigend...)
 

Glocken: Heidnischer Ursprung
„Signa“, Zeichen, nannte man auch in der frühen Kirchengeschichte auf Lateinisch die Werkzeuge, mit denen man zum Gottesdienst rief, oder auch „campanae“. Von Letzteren leitet sich das italienische Wort für Glocke ab. Aber lange Zeit wurden nicht Glocken, sondern hölzerne Schlagbretter oder metallene Platten verwendet, um zum Gottesdienst zu rufen.

Glocken mit kultischer Bedeutung gab es schon in China, und in allen möglichen Kulturen, etwa dem tibetischen Buddhismus, stehen sie für die Kommunikation mit übersinnlichen Wesen oder den Übergang zu anderen Welten. In der Kirche verbreiteten sie sich durch keltischen Einfluss. Irische Missionare brachten im sechsten Jahrhundert die „clocc“ nach Europa, von der das Wort „Glocke“ kommt.
(Siehe auch:
-
Im alten China wurde Lärm als Foltermethode eingesetzt
-
Kirchenglocken: Nur Aberglaube)

Läuten zum Gebet gegen die Türken
So auch im 15. Jahrhundert, als die Ungarn gegen die Osmanen kämpften. Damals befahl Papst Kalixt III. in einer Bulle, dass Kirchenglocken mittags läuten sollten, um die Gläubigen zum Gebet für einen ungarischen Sieg aufzurufen.
(Siehe auch unser 'Stilles Weissbuch': Für einen rücksichtsvollen Glockengebrauch)

Glockenklang als „Lärmimmission“
...Vom nicht sakralen nächtlichen Stundenschlag gestörte Österreicher haben noch eher eine Chance. Wenn diese „Lärmimmissionen“ zwischen zehn Uhr abends und sechs Uhr morgens einen gewissen Pegel übersteigen, können sie verboten werden – als „Arbeitslärm in der Nachbarschaft“.

(Auszug aus der Print-Ausgabe 'Die Presse' vom 23.08.2014)

Ganzer Bericht: Diepresse.com - Die-Glock-schlaegt-zwolf-oder-auch-nicht

 
 
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