IG Stiller - www.nachtruhe.info
"Jedem edlen Ohr Kommt das Geklingel widrig vor.
Und das verfluchte Bim-Bam-Bimmel,
Umnebelnd heiteren Abendhimmel,
Mischt sich in jegliches Begebnis,
Vom ersten Bad bis zum Begräbnis,
Als wäre zwischen Bim und Baum
Das Leben ein verschollner Traum."

Johann Wolfgang Goethe (in Faust)
Johann Wolfgang Goethe (in Faust)

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Fast wie im Mittelalter  
22. Mai 2005
Quelle: Tages-Anzeiger (von Janine Hosp)

Kontra Kirchengeläut

Man stelle sich vor, in Zürich wären nachts noch immer die «Stundenrufer» unterwegs, mit Hellebarde und Laterne, inzwischen vielleicht auch mit Schlagstock und Taschenlampe, und schrien: «Hört ihr Leut und lasst euch sagen, unsre Glock hat drei geschlagen.» Heute wären es Hunderte von Rufern, die jede Nacht durch die Strassen zögen, schliesslich wollten 365 000 Personen im Tiefschlaf über den aktuellen Uhrstand informiert werden.

Absurd? Definitiv. Aber von der Idee her nicht absurder, als die Kirchenglocken die ganze Nacht über im Viertelstundentakt durchschlagen zu lassen. Beides sind Dienstleistungen, die völlig überholt und zu rein gar nichts nutz sind.
Denn was weiss man schon, wenn man mitten in der Nacht aufwacht und es schlägt dreimal? Genau, dass es drei Viertel vor irgendetwas ist. Für die Zeitmessung stehen uns heute zum Glück verfeinerte Methoden zur Verfügung. Findige Geister haben seit der Zeit der Stundenrufer einen Apparat mit zwei leuchtenden Zeigern entwickelt.
Sie nannten ihn Wecker.


Nützts nichts, so schadets nichts?
So ist es dann doch nicht. Wer kurz vor einem Glockenschlag aus der Tiefschlafphase auftaucht, hat womöglich für die ganze Nacht ausgeträumt. Was folgt, ist qualvoll: Die Glocken schlagen im Viertelstundentakt den Countdown auf das Restguthaben Schlaf, three, two, one - fire! Der Wecker springt an, und ein müder Tag beginnt. Aber die Schlaflosen können sich trösten: Sie durften immerhin die ganze Nacht hindurch dem - laut Gossauer Gemeinderat - «Wohlklang» der Kirchenglocken lauschen.

Was tun? Während der schwülen Sommernächte bei geschlossenem Fenster schlafen? Ohrenpfropfen besorgen? Am einfachsten wäre, man liesse in der Nacht auch die Glocken ruhen. Aber das geht nicht - weil es so Brauch ist, begründen Kirchenkreise. Und, so muss man anfügen, weil es nichts kostet.

Sonst nämlich hätte sich auch die Kirche längst fragen müssen, ob sie mit diesem «Service» ihren Mitgliedern(...)

 
 
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