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"Alle religiösen Bauten müssen gleich behandelt werden. Das heisst auch, dass in Zukunft entweder der Ruf des Muezzins ertönen darf oder die Kirchenglocken verstummen müssen. Ich persönlich würde letzteres vorziehen."

Stefan Mauerhofer (Co-Präsident Schweizer Freidenker)
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Gegebenenfalls eine Kampfkasse äufnen  
3. März 2006
Quelle: Oltner Tagblatt (von Urs Huber)

Wangen Roland Kissling, Protagonist der Minarett-Opposition, zieht eine positive Zwischenbilanz

Er ist einer der Hauptaktivisten in Wangens Minarett-Opposition, ging als solcher landesweit durch die Medien, machte dabei - wie er sagt - vor allem positive Erfahrungen und fühlt sich in seiner Absicht, das symbolische Minarett zu verhindern, bestätigter denn je: Roland Kissling. Ein gedanklicher Zwischenhalt.


Geändert habe sich nichts an seiner grundsätzlichen Haltung als Minarett-Gegner, sagt Roland Kissling aus Wangen. Eben hat er vom kantonalen Bau- und Justizdepartement bestätigt bekommen, die Beschwerde des Türkisch kulturellen Verein (TkV) sei eingegangen. «Der TkV hätte einsehen können, ja müssen, dass im Moment für sein Vorhaben keine Mehrheit zu finden ist», sagt Kissling. Und auf die Frage, wie denn das Pro/Contra-Verhältnis im Dorf einzuschätzen sei, meint er: «70 Prozent der Stimmberechtigten sind gegen das Minarett.» Der Opponent vermutet also eine satte Mehrheit hinter sich. Woher die Überzeugung komme? «Nun», so Kissling, «die resultiert aus der Zahl positiver und zustimmender Reaktionen auf unsere Opposition.» Und wie sieht er dem ausstehenden Entscheid des Baudepartements entgegen? «Zuversichtlich», sagt er kurz. «Würde der Entscheid der örtlichen Bau- und Planungskommission nicht gestützt - dann wäre das ja eine Art Bankrotterklärung für die erste Instanz.» Dass der Kampf aber auch dann nicht zu Ende wäre, dessen ist sich Kissling fast sicher. «Allenfalls müsste man sich den Schritt ans Verwaltungsgericht überlegen und Geld für den juristischen Weg sammeln», meint er. Eine «Kampfkasse» äufnen also? Er nickt.

Mittlerweile landesweit bekannt

Nach einem knappen halben Jahr in der Minarett-Opposition ist der 52-jährige Einkaufsleiter landesweit bekannt. Auftritte in allen Medien - Fernsehen, Radio, Presse - haben dafür gesorgt. Als Höhepunkt bezeichnet er denjenigen beim SF1, bei Heinigers Diskussionssendung «Club» vor einer guten Woche. Obwohl, so Kissling, dort sei ihm die Diskussion zu wenig nahe an der Thematik Wangen geblieben. oder besser ausgedrückt: «Die war mir zu theoretisch. Ich hätte eher eine Pro-Contra-Diskussion zur örtlichen Minarettfrage erwartet.»

Dennoch: Protagonist Kissling ist mit dem Ergebnis seines bisherigen Kampfes zufrieden, die Bilanz stimmt. Wäre er zu Beginn, als die Minarett-Frage im letzten September aktuell wurde, in seiner Oppositionsrolle alleine geblieben, die Bewegung wäre wohl verebbt. «Vielleicht hätte ich als Einzelperson Einsprache eingereicht». Kissling ist sich da nicht sicher. Aber die Frage danach zu stellen ist müssig. Er blieb ja nicht allein. «Wie gesagt: Die Rückmeldungen waren in der überwältigenden Mehrzahl positiv, bestärkend für uns als Gegnerschaft. Es gab Aufmunterungen aus Kanada, ich solle in meiner Absicht, das Minarett zu verhindern, weiterfahren.» Mittlerweile kriegt der Mann Bücher, Artikel oder Briefe jedwelcher Couleur zugesandt, die er fein säuberlich verwahrt. Selbst Tierschutzorganisationen haben sich bei ihm gemeldet, ihn in seiner Haltung bestärkt. Kissling weiss die Unterstützung zu relativieren: «Hier gehts meist um Nebenaspekte wie den des Schächtens. Da muss man schon aufpassen und die Tatsache im Hinterkopf behalten, dass es um Wangen geht und um nichts anderes.»

Intergrationswilligkeit in Frage gestellt

Neben all den bekannten Argumenten, die nach Kissling gegen den Bau des symbolischen Minaretts sprechen wie etwa fehlende Parkplätze oder Zonenunkonformität, moniert der 52-jährige nach wie vor die «Salamitaktik» des TkV, auch wenn die Daten des Bewilligungsverfahrens eine andere Sprache sprechen. «Salamitaktik ist vielleicht ein etwas grobschlächtiger Begriff, aber die Verantwortlichen im Dorf wurden nie über die finalen Ausbauvorhaben des TkV orientiert», fasst Kissling eben diese «Salamitaktik» zusammen. Und auch die Bekenntnisse des TkV, keine Mitglieder zu werben, schlägt er in den Wind. «Wieso bauen sie dann die WC-Anlagen aus?»

Insgesamt aber bemängeln Kissling und mit ihm die breite Opposition die fehlende Integrationsbereitschaft des TkV. Eine Mitwirkung an einem Dorffest etwa hätte man sich vorstellen können. Man kenne einfach niemanden und spüre auch kein Bemühen der Gegenseite, einen Schritt auf den andern zuzugehen. Auch an der Sprachkompetenz fehle es. Das mache die Sache nicht leichter. «Es ist nicht an uns, diesen ersten Schritt zu vollziehen», ist Kissling überzeugt. «Die Begehren stellt ja der TkV.»

Ein Gebetsruf - so schlimm?

Viele Entscheidungskomponenten in der Minarett-Frage sind emotionalen Ursprungs, beruhen auf Annahmen und Vermutungen: Eines der Schreckensszenarien der Gegnerschaft: der Gebetsruf des Muezzins, live oder aus dem Lautsprecher kommend. Entgegen den Abmachungen. Was daran so schlimm wäre? «Das Geläut der Kirchenglocken ist doch bei uns schon in der Defensive», stellt der Vater zweier erwachsener Kinder fest. Abgesehen von Lärm sei der Gebetsruf schlicht und einfach kulturfremd und gehöre nicht hierher. Und seine Befürchtung vom erst einmal errichteten Minarett würde der Gebetsruf zwar widerrechtlich, doch automatisch erschallen, untermauert Kissling mit der Bemerkung: «Wehret den Anfängen!» Ob er Wangen retten wolle? «Nein», lacht Kissling, «lediglich vor dem nächsten Schritt des Nachgebens bewahren.» Es müssten auch mal Grenzen gesetzt werden.

Zweifel über seine Ansicht und Intentionen sind dem Vizepräsidenten der örtlichen SVP nie gekommen. Auch im Hause Kissling sei man sich in dieser Frage einig. Der Zeitpunkt für ein symbolisches Minarett sei einfach ungünstig, bräuchte, um die notwendige Akzeptanz zu erlangen, noch Jahre wenn nicht Jahrzehnte, mutmasst der Mann, der die Mehrzahl der 400 Unterschriften im Dorf gesammelt hat.

Roland Kissling Der 52-jährige Einkaufsleiter ist mit den bisherigen Verfahrensresultaten in der Wangner Minarettfrage zufrieden.

Früher oder später wird es immer mehr Moscheen in der Schweiz geben; der Gebetsruf des Muezzins steht kurz bevor. Die viel zitierte Religionsfreiheit wird bald zum Problem werden: Noch dürfen viele Kirchen während der Nacht die Zeit schlagen. Vertreter von anderen Religionen werde ihrerseits auf die Religionsfreiheit pochen - und schlussendlich vom Bundesgericht recht bekommen.

(Bundesverfassung: Artikel 15, Absatz 2: Jede Person hat das Recht, ihre Religion und ihre weltanschauliche Überzeugung frei zu wählen und allein oder in Gemeinschaft mit anderen zu bekennen.)

Nur mit einem offiziellen Nachtruhegesetz (bzw. konsequenten Einhaltung der bereits bestehenden Lärmschutzverordnungen...!) können wir der unmittelbar bevorstehenden Gefahr durch noch mehr religiösem Lärm Einhalt gebieten!

Wir von der IG Stiller fordern die Einhaltung der gesetzlich vorgeschrieben Ruhezeiten während der Nachtruhe und am Wochenende. An diese Ruhezeiten haben sich alle
religiösen Gemeinschaften strikte zu halten, egal ob christlich, islamisch, buddhistisch, hinduistisch usw.

Religionsfreiheit ja - aber die gesetzlich vorgeschriebenen Ruhezeiten gehen vor!

 
 
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