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Bundesgerichtsentscheid von 1919
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Glocken, die alles übertönen  
4. März 2006
Quelle: Tages Anzeiger (von Roger Keller)

Was noch vor wenigen Jahren kein brennendes Thema war, ist heute für immer mehr Leute ein Ärgernis: das Kirchengeläut. Viele Kirchgemeinden haben tolerant reagiert und freiwillig Rücksicht genommen. Vor allem dort, wo das Glockengeläut nichts mit der Religionsausübung zu tun hat - beim Frühgeläut oder dem Zeitschlag.

Einzelne Gemeinden reagieren aber ungnädig und unerbittlich. Sie sehen sich allein schon wegen Kritik am Geläut in ihrem Stolz gekränkt. Oft geht es aber, verdeckt, auch um anderes. In Gossau etwa musste sich der Anwohner, dessen Familie nachts unter dem kirchlichen Zeitschlag leidet, die Tatsache vorhalten lassen, dass er zugezogen sei und die Kirche längst vor ihm auf dem Hügel stand. Die Botschaft: Neuzuzüger sollen die Klappe halten!

Damit ist Gossau kein Einzelfall, aber dieses Verhalten verrät viel über das Klima in einer Gemeinde. Dabei ginge es auch anders - sagt selbst der Kirchenrat in einer Broschüre, die als Handreichung für die Kirchgemeinden dient. Die Kirche könne viel lernen, wenn sie im Gespräch gut zuhöre, heisst es dort. Die Glocken sollten nicht die Argumente übertönen. Sie seien für die Kirche keine Frage von Sein oder Nichtsein. Wie wahr.

Schwierig wird es, wenn Kirchenbehörden nicht einsehen wollen, dass Glocken nicht mehr die gleiche Bedeutung haben wie früher. Viele Anwohnende empfinden sie in einer lauter gewordenen Umwelt nicht mehr als Wohlklang, sondern als Störung. Und viele sehen nicht ein, weshalb der Zeitschlag im 21. Jahrhundert noch nötig sein soll.

Der Kirchenrat empfiehlt den Gemeinden daher, «gesprächsbereiter» zu sein und allenfalls auf den Zeitschlag von 22 bis 6 Uhr zu verzichten. Damit fällt der Kirche kein Zacken aus dem Turm. So einfach wäre das.

 
 
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