IG Stiller - www.nachtruhe.info
Das Geläut des Münsters, ein metallisches Dröhnen,
… ein Lärm, dass man seine eigenen Gedanken nicht mehr hört, ein Zittern der Luft,
ein klangloses Beben,
ein Geräusch, wie wenn man von einem zu hohen Sprungbrett ins Wasser gesprungen ist,
es macht mich taub, schwindlig, idiotisch.

Max Frisch im Roman "Stiller"
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Glocken-Krieg in Thüringen  
18. Juli 2010
Quelle: Sueddeutsche.de (Von: Christiane Kohl)

Im thüringischen Möhrenbach macht eine Kirchenglocke Ärger - die einen lieben die Tradition, die anderen hassen das Gebimmel. Auch in anderen ostdeutschen Gemeinden, in denen die Kirchen immer leerer werden, formieren sich die Glocken-Gegner.

Das tägliche Geläut, zur vollen Stunde und auch zwischendurch, ist seit alters her üblich in Möhrenbach. Der Zimmermann Horst Stieler aber, der mit seiner Familie an der Kirche wohnt, findet das stündliche Gebimmel zu laut. Seine Frau habe bereits einen Herzinfarkt davon bekommen, seine Enkel fielen in ihren schulischen Leistungen ab, klagt der 59-Jährige - daher müsse der Stundenschlag abgestellt werden.

Dagegen aber wehren sich viele andere Bewohner, für die das Geläut zum Ort gehört wie die Kirche selber. Mehr als 200 Unterschriften wurden dafür gesammelt, dass die Glocke im Dorf bleiben möge - von den etwa 700 Einwohnern hat fast jeder zweite Erwachsene unterschrieben. Horst Stieler aber meint, dass viele Unterschriften "nur unter Zwang geleistet" wurden. Er will notfalls den Rechtsweg beschreiten, wenn die Gemeinde das Geläut nicht abschaltet.

Religionsfreiheit kennt keine Lärmgrenze

Was den Streit ums Kirchengeläut betrifft, so steht Möhrenbach keineswegs allein auf weiter Flur. Landauf, landab haben sich immer wieder Gerichte damit befasst, ob Anwohner den täglichen Stundenschlag tolerieren müssen - in Juraklausuren gilt das Problem bereits als Klassiker, denn rechtlich gilt es, feine Unterschiede zu berücksichtigen. Rufen die Glocken zum Gottesdienst, handelt es sich um das "liturgische Geläut": Dann dürfen die Glocken so laut sein wie sie wollen, die Religionsfreiheit kennt keine Lärmgrenzwerte.

Handelt es sich aber um "weltliches Geläut", wird die Sache komplizierter. So ist der Stundenschlag in vielen Dörfern zwar ein jahrhundertealter Brauch, doch sehen die Lärmschutzbestimmungen keine Sonderregelungen hierfür vor - weshalb für das Stundengebimmel ein Richtwert von 60 Dezibel gilt.

Ganzer Bericht: Sueddeutsche.de/glockengelaeut-in-thueringen

 
 
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