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"...Das Bundesgericht betont die Notwendigkeit einer ungestörten Nachtruhe, weil tagsüber die Nervenkräfte des heutigen Menschen stark beansprucht werden.
Es weist darauf hin dass das Bimmeln von Kuhglocken zur Nachtzeit, d.h. vor allem dann, wenn der Strassenlärm abgenommen hat, besonders lästig ist..."

Bundesgericht, Lausanne
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Glocken schlagen auch künftig nachts  
11. November 2008
Quelle: Stuttgarter Nachrichten

Bürger laut Umfrage mit großer Mehrheit für den Stundenschlag rund um die Uhr

Stuttgart - Vom Turm der evangelischen Markuskirche werden auch künftig nachts die Glocken schlagen. Der Kirchengemeinderat hat jetzt auf Grundlage einer Bürgerumfrage für die Beibehaltung rund um die Uhr gestimmt.

Nachdem sich Anwohner über die nächtliche Ruhestörung durch den Stundenschlag der Kirchenglocken beschwert hatten, wollten Roland Martin, Pfarrer der Markusgemeinde, und der Kirchengemeinderat genau wissen, was die Anwohner davon halten, wenn auch nachts die Glocken schlagen. In einer in Stuttgart bislang einmaligen Umfrageaktion wurden rund 4000 Fragekarten verteilt und ausgelegt, damit sich auch Nichtkirchenmitglieder beteiligen konnten (unsere Zeitung berichtete).

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Das Ergebnis: Innerhalb eines Monats gingen rund 750 Rückmeldungen ein. Davon konnten 544 gewertet werden. 208 Karten mussten aussortiert werden. Rund 180 Karten, auf denen sich der Verfasser gegen den Glockenschlag geäußert hatte, fielen raus, weil sie laut Pfarrer Martin "ganz offensichtlich" von ein und derselben Person stammten. "Sie sind im Block bei uns eingegangen, waren mit dem gleichen Kugelschreiber und in der gleichen Handschrift verfasst. Plumper ging es nicht mehr." Von den gültigen Rückmeldungen waren 68 für und 474 gegen den Glockenschlag. Zwei äußerten sich nicht eindeutig. Martin: "Auch wenn die ungültigen Stimmen mitgezählt worden wären, wäre das Ergebnis eindeutig für die Glocken ausgefallen.

Auf Grundlage dieser Umfrage stimmten im Kirchengemeinderat von 15 Berechtigten bei einer Stimmenthaltung 12 für und zwei gegen den nächtlichen Stundenschlag. "Ohne die Umfrage wäre das Ergebnis nicht so klar ausgefallen", meint Martin. Was ihn bei der Umfrage in der Bevölkerung am meisten überraschte: "Anwohner in nächster Nachbarschaft der Kirche waren fast ausschließlich für die Glocken. Außerdem haben sich viele junge Menschen bis 45, die nicht der Kirche angehören, beteiligt und waren mehrheitlich für den Glockenschlag. Es ist also nicht so, wie die Gegner oft behaupten, dass nur 'Omas', die in die Kirche gehen und die Glocken kaum hören, dem Pfarrer eine Freude machen wollen und dafür sind." In der Markuskirche bleibt damit alles beim Alten: Zwei von vier Glocken werden auch künftig nachts zur Viertel-, halben, Dreiviertel und vollen Stunde schlagen.

Parallel zur Umfrage stellte Martin den übrigen 71 evangelischen Kirchengemeinden die Gretchenfrage, wie sie es mit dem Glockenschlag halten. Bisheriges Ergebnis: bei 11 von 19 Kirchen schlagen nachts die Glocken, bei sieben sind sie abgeschaltet, eine Kirche hat keine Glocken.

Der evangelische Stadtdekan Hans-Peter Ehrlich hält die Umfrage in der Bevölkerung zwar für "eine mutige Entscheidung". Eine Notwendigkeit für die anderen Kirchengemeinden, dem Beispiel zu folgen, sieht er indes nicht. "Ich finde es gut, dass es keine einheitliche Regelung gibt. Wie die Kirchengemeinden das Thema handhaben, sollte vom Quartier abhängig sein."

Auch das katholische Dekanat sieht keinen Handlungsbedarf. "In den vergangenen sieben Jahren kam es wegen des nächtlichen Glockenschlags in Stuttgart nur einmal zu einer Auseinandersetzung", sagt Hermann Merkle, Geschäftsführer im katholischen Stadtdekanat in Stuttgart.

Eva Funke

Genau so wie in Stuttgart läuft es immer wieder. Der Ausgang der Umfrage war vorhersehbar. Das Ganze ist eine rücksichtlose Machtdemonstration ohne jegliche Barmherzigkeit für die Minderheit. Leider nicht untypisch für christliche Kirchen.

 

Diesen Artikel finden Sie auch auf der Webseite der Stuttgarter Nachrichten.

 
 
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