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"...Die Ohrenärzte sind beunruhigt von der Zunahme der Gehörschäden:
Für die schädlichen Wirkungen des Lärms ist die persönliche Einstellung weitgehend belanglos. Auch wer den Lärm 'nicht hört', wem er seiner Ueberzeugung nach 'nichts ausmacht', der wird, wie sich aus Experimenten zeigt, ungünstig beeinflusst..."

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Glockenterror in der Nacht (Leserbriefe)  
13. Juni 2010
Quelle: Tagblatt.ch (Leserbriefe)

Christof Eberle, ehemaliger Schweizergardist behauptete kürzlich dass die nächtlichen Weckschläge vielleicht auch etwas 'Beruhigendes' an sich haben.

Am 9. Juni wurde folgender Leserbrief veröffentlicht als Reaktion auf Eberle's Schreiben:

Glockenterror in der Nacht

Herr Eberle versteht es ausgezeichnet Kraut und Rüben zu vermischen. Ich habe mich schon einmal vor einigen Wochen als dumm geoutet, weil ich nicht verstand, was die riesigen Probleme der Welt mit diesem nächtlichen Glockenlärm zu tun haben. Hier steh ich leider immer noch, ich armer Tor.... Ich weiss nur eines, um die unübersehbaren Probleme dieser Welt zu lösen, braucht es sehr klare und kühle Köpfe und die brauchen vor allem einen ungestörten Schlaf.

Für Herrn Eberle ist Glockengeläut ein Zeichen des Friedens und der Hoffnung. Mag er seinen Frieden und Hoffnung (worauf?) darin finden, aber bitte, nur tagsüber und nicht in der Zeit von abends 10 Uhr bis morgens 8 Uhr. Die restlichen Stunden sollen ihm zum "Hören der Zeichen" gehören. 14 Stunden müssen dafür genügen. Für die Nacht kann er sich vielleicht eine CD mit Glockengeläut beschaffen. Ich selbst kann diese Zeichen beim besten Willen nicht wahrnehmen, für mich bedeutet es akkustische Folter.

Das Recht auf ungestörten Schlaf ist ein Menschenrecht. In nicht wenigen Ländern werden Menschen mit Schlafentzug gefoltert. Ich möchte wissen, welches die Kriterien sind, die den BürgerInnen an einigen Orten der Schweiz das Menschenrecht auf ungestörten Schlaf zugestehen und andernorts nicht. Leute aus Genf und Bern z.B. sagen mir, dass sie längst nicht mehr durch diesen nächtlichen Lärm um den Schlaf gebrecht werden. Übrigens: ich hatte unlängst eine grössere Gruppe von Gästen aus Genf bei mir. Leider reisten sie unvorhergesehen schon nach der ersten Nacht, verbracht in einem Hotel in Arbon, wieder ab. Sie wollten sich keine weitere durch Glockenlärm gestörte Nachtruhe mehr antun.

Schön für Herrn Eberle, dass er mit seinem Leserbrief gerade auch noch einen Teil seines Lebenslaufs veröffentlichen kann und die günstige Gelegenheit ergreift den Lesern mitzuteilen wie weit er doch schon gereist ist. Leider löst er damit kein einziges diesbezügliches Problem. Dafür ist es zunehmend unerträglich, wie vor allem Leute mit eher funtamentalistisch religiöser Gesinnung meinen, dass alle gleich zu denken und zu ticken hätten wie sie selbst.

Ich wünschte, ich könnte all die überwiegend positiven Zuschriften veröffentlichen, die ich auf meinen früheren Leserbrief zu diesem Thema erhalten habe. Wenn nur schon diese Leute öffentlich dazu Stellung nehmen würden, würde das die Lärmverantwortlichen zum Staunen bringen, nämlich jene die nicht wahrhaben wollen, dass sich die Zeiten geändert haben. Längst vorbei sind nämlich jene Zeiten, in denen ein Hirte aus Rom mit seinen Getreuen, ihre "Schafherde" mit allerlei Geschichten disziplinieren und im Zaun halten konnten. Offensichtlich ist es sogar für mache Schäfchen schmerzhaft, lernen zu müssen, dass immer mehr Schafe die Herde verlassen und nicht mehr im Chor mitblöken.

(Anita Mannhart, St. Gallen)


Ein weiterer Leserbrief vom 4. Mai zu "CVP-Stadtparlamentarier unterstützt nächtlichen Glockenlärm in St. Gallen":

Auch die Tradition wandelt sich

Eine «schweigende Mehrheit» ist also am Glocken-Thema nicht interessiert. Diese Menschen können deswegen auch ohne die nächtlichen Weckschläge problemlos, ja gar gesünder leben. Es handelt sich leider auch nicht um «Stundenschläge» – die Glocken werden viertelstündlich geschlagen.

Dazu lärmt der Dom, der immer 10, 25, 40 und 55 Minuten auf die volle Stunde die Viertelstundenschläge nochmals fünf Minuten vorher ankündigt, und zwar Tag und Nacht.

Der traditionsblinde Stadtparlamentarier Martin Würmli ist in der CVP/EVP-Fraktion. Ganz offensichtlich verdrängt er sowohl das C (christlich) wie das E (evangelisch): Glockengebimmel ist ein heidnischer Brauch: Das Wort «Glocke» suchen wir in der Bibel vergeblich. Von Beruf Anwalt ist es zusätzlich erstaunlich wie grosszügig Herr Würmli das Umweltschutzgesetz und die Lärmschutzverordnung übersieht.

Herr Würmli muss einsehen, dass wir keine Zahnräder sind die im Viertelstundentakt funktionieren. Traditionen besitzen keinen Wert an sich! Sie sind nicht um jeden Preis erhaltenswert, sondern unterliegen einer stetigen Entwicklung und Anpassung an die aktuellen Lebensumstände. So spricht ausgerechnet auch der aktuelle Kirchenbote vom «Mut zur Stille»…

(Hans Fuchs, St. Gallen)

 

 
 
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