IG Stiller - www.nachtruhe.info
"In der Gegenwart, wo eine Armbanduhr zur persönlichen Grundausstattung zählt, hat das Glockenläuten jede nützliche Funktion eingebüßt.
 
Ebenso ist das laute Schlagen von Turmuhren in einem paradoxen Sinn anachronistisch geworden: zeitwidrig."

Dr. Joachim Kahl (Philosoph und Autor)
Dr. Joachim Kahl (Philosoph und Autor)

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«Grenzwert ad absurdum geführt»  
21. März 2006
Quelle: Tagblatt / Wiler Zeitung

«IG Stiller» hat die Lautstärke der Wiler Kirchengeläute gemessen

Die «IG Stiller», die fordert, dass Kirchenglocken nachts verstummen sollen, hat bei den Wiler Kirchen Lärmmessungen vorgenommen. Dabei seien Werte bis zu 94 Dezibel ermittelt worden.

Die von der «IG Stiller» in Wil kürzlich selbst durchgeführten Lärmmessungen zeigten einen dramatischen Verstoss gegen die Lärmschutz-Verordnung (LSV) während der gesetzlich vorgeschriebenen Nachtruhe, so eine Medienmitteilung. Der Stundenschlag erreiche bei der Kirche St.Peter 83 Dezibel, bei der Kreuzkirche 76 Dezibel und bei der Kirche St.Nikolaus 81 Dezibel.

Zuschlag bei hohen Frequenzen

Gemäss der Wiler Lärmschutzverordnung könne zu den Messwerten ein Zuschlag von bis zu zehn Dezibel addiert werden, wenn «hohe Frequenzen hervortreten». «Die hohen Frequenzen der zu häufig gebrauchten, falsch gestimmten und deswegen scheppernden Wiler Glocken, treten in äusserst schmerzhafter Art hervor», schreibt die «IG Stiller». Der in der LSV von Wil vorgeschriebene maximal zulässige Wert von 55 Dezibel in der «Ruhigen Wohnzone» werde mit dem Glockenschlag ad absurdum geführt.

Zusätzlich erreiche das 15-Minuten-Läuten der Stadtkirche am Samstagabend inklusive Zuschlag 104 Dezibel.
«Dies ist ein geradezu astronomisch hoher Lärmwert mitten in einem 'ruhigen' Wohnquartier, zu einer Zeit, wo Kleinkinder bereits schlafen sollten», so die «IG Stiller». Das Flugzeug das jeden Abend gegen 22.30 über Wil fliege, erreiche deutlich tiefere Werte. Das Geläute der Stadtkirche erinnere an das Lärminferno, das bei Probeläufen von Düsenflugzeugen entstehe. Die «IG Stiller» hält weiter fest, sie habe nach den Schneefällen gemessen. Im Frühling dürften die Lärmwerte höher ausfallen. Sie empfehle, einen Glockenspezialisten beizuziehen, um die Kirchenglocken von Wil wieder in Wohlklang zu bringen.

Die IG Stiller beklagt sich in ihrer Medienmitteilung, sie sei in der lokalen Presse als fasnachtsfeindlich und gar kirchenfeindlich dargestellt worden: «Das ist so falsch wie der Glockenlärm in Wil zu laut ist. Viele von uns waren selbst an der Fasnacht und etliche Mitglieder der IG Stiller bezahlen Kirchensteuern und beteiligen sich am Kirchgemeindeleben.»

«Weniger ist mehr»

Eine kürzlich durchgeführte Umfrage zeige, dass sich bereits 34 Prozent aller Schweizerinnen und Schweizer am Glockenlärm störten. Heute Dienstag wird das Glockenlärm-Problem in der Sendung «Kassensturz» des Schweizer Fernsehens thematisiert. Dies, so die «IG Stiller», werde den Trend weiter verstärken und es würden wohl schon bald mehr als die Hälfte aller Menschen auf ihre Nachtruhe bestehen. Beim Glockengeläut gelte wie an vielen anderen Orten: «Weniger ist mehr.» Auch die Glocken hätten Ruhe verdient. «Lassen wir sie also in der Nacht ruhen, damit sie am Tage richtig gestimmt und in vernünftigem Ausmass, die Menschen erfreuen können», so die «IG Stiller». Damit verlasse man das Mittelalter und komme in einem modernen, an Lebensqualität reichen, Wil, an.

 
 
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