IG Stiller - www.nachtruhe.info
"Bei der Landwirtschaft gelten andere Gesetze.
So schützt auch die neue, bürokratisch-detaillierte Tierschutzverordnung auf 153 Seiten Wellensittiche und misst den Auslauf für Elche, aber den Nerven von Kühen mutet die Verordnung den lauten Glockenlärm direkt unter den schönen, weiss umflorten Ohren zu.
Feige wich das Bundesamt dem hergebrachten Brauchtum."

Beat Kappeler (Journalist und Autor)
Beat Kappeler (Journalist und Autor)

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Grosses Bangen in Wangen  
16. Februar 2006
Quelle: Beobachter.ch 04/2006 (von Martin Müller, Vera Markus)

Drei Gemeinden im Solothurner Mittelland leben bestens mit Sikhs, Hindus und Buddhisten.

Nur Wangen bei Olten hat ein Problem mit Muslimen – wegen eines symbolischen Minaretts.


Der buddhistische Tempel in Gretzenbach ist von der Gemeinde ohne grosse Probleme akzeptiert worden.

Erich Huber ist ein besonnener Mann. Der 56-Jährige ist seit 21 Jahren reformierter Pfarrer in Wangen bei Olten. Zuvor hat er zwölf Jahre lang im türkisch geprägten Berliner Stadtteil Kreuzberg als Integrationsmassnahme «mit türkischen Kindern Hausaufgaben gemacht». Doch jetzt sieht er ausgerechnet in Wangen «den religiösen Frieden gefährdet».

Grund dafür ist eine Profilstange. Aufs Dach einer zum Versammlungslokal umgebauten Farbenfabrik an der Industriestrasse will der Türkische Kulturverein (TKV) ein Minarett setzen. «Nur symbolisch», sagt TKV-Vorstandsmitglied Süleyman Osmanof, «der Muezzin wird nicht mit dem Betruf die Umgebung beschallen.»

Trotzdem haben im 4600-Seelen-Dorf 392 Personen eine Einsprache gegen das Baugesuch unterschrieben. Auch die beiden Landeskirchen zählen dazu, wobei die katholische Kirchgemeindepräsidentin Margrith Studer «zu diesem Thema gar nichts sagen will». Der reformierte Pfarrer Huber dafür umso mehr: «Ich unterstelle mal, dass der Turm früher oder später benutzt wird, auch wenn dies der TKV jetzt bestreitet. Schliesslich installieren wir auch keine Kirchenglocke, um sie nicht läuten zu lassen.» Ausserdem gebe es, Religionsfreiheit hin oder her, einen gewichtigen Unterschied zwischen Christentum und Islam: Während Kirchenglocken bloss dazu dienten, die Gläubigen zum Gottesdienst zu rufen, verkünde der Muezzin missionarisch vom Minarett: «Gott ist grösser.»

Gratulation an die evangelische Landeskirche in Wangen bei Olten: Sie kennt keinen Zeitschlag und nur wenige kultlose Läuten wie das Ein- und Ausläuten des Sonntags!

Süleyman Osmanof, Vorstandsmitglied des Türkischen Kulturvereins TKV, bekräftigt dass das Minarett "nur symbolisch" sei, und "der Muezzin die Umgebung nicht mit dem Betruf beschallen wird".

Nun, früher oder später wird es immer mehr Moscheen in der Schweiz geben; der Gebetsruf des Muezzins steht kurz bevor.
Die viel zitierte Religionsfreiheit wird bald zum Problem werden: Noch dürfen viele Kirchen während der Nacht die Zeit schlagen.
Vertreter von anderen Religionen werde ihrerseits auf die Religionsfreiheit pochen - und schlussendlich vom Bundesgericht recht bekommen.

(Bundesverfassung: Artikel 15, Absatz 2: Jede Person hat das Recht, ihre Religion und ihre weltanschauliche Überzeugung frei zu wählen und allein oder in Gemeinschaft mit anderen zu bekennen.)

Nur mit einem offiziellen Nachtruhegesetz (bzw. konsequenten Einhaltung der bereits bestehenden Lärmschutzverordnungen...!) können wir der unmittelbar bevorstehenden Gefahr durch noch mehr religiösem Lärm Einhalt gebieten!

Wir von der IG Stiller fordern die Einhaltung der gesetzlich vorgeschrieben Ruhezeiten während der Nachtruhe und am Wochenende.
An diese Ruhezeiten haben sich alle
religiösen Gemeinschaften strikte zu halten, egal ob christlich, islamisch, buddhistisch, hinduistisch usw.


Religionsfreiheit ja - aber die gesetzlich vorgeschriebenen Ruhezeiten gehen vor!

 

Organisator der Einsprachen ist der SVP-Politiker Roland Kissling. «Furcht vor fremden Pilgern aus dem islamischen Lager» ist sein Hauptargument gegen das Minarett: «Schliesslich leidet Wangen schon jetzt unter zu viel Verkehr.»

Viel entscheidender ist: Erst durch das Baugesuch fürs Minarett realisierten die Wangner, dass es bei ihnen bereits eine Moschee gibt. Die Bewilligung für die Umnutzung des Areals mit Gebetsräumen war vor Jahren ohne Publizität über die Bühne gegangen. Deshalb werden jetzt reichlich verquere Argumente gegen das Projekt geltend gemacht.
Wie fehlende Parkplätze – als ob die Mehrzahl der Muslime wegen des Minaretts und nicht wegen der Gebetsräume nach Wangen käme.

Gebetet wird im Untergeschoss. Darüber liegen Klubräume mit Töggelikasten, Unterrichtszimmer, Küche.
Vor dem Eingang zum Vereinslokal wehen drei rot-weisse Fahnen: jene von Wangen, jene der Schweiz und jene der Türkei. Um die Ecke liegt zwar eine Wohnstrasse, das Bild wird aber von Gewerbebetrieben und von einem Propangaslager dominiert.

Seit das Baugesuch im Herbst eingereicht wurde, schaukelte sich die Stimmung in Wangen kontinuierlich hoch.
Nicht alle Argumente halten einer Überprüfung stand. So spricht etwa SVP-Einsprecher Kissling davon, der TKV habe versprochen, kein Minarett bauen zu wollen, als die Gebetsräume bewilligt wurden. Leserbriefschreiber reden darum von «Salamitaktik» und davon, dass wohl auch die Zusage des TKV, die Lautsprecher nicht einzusetzen, wenig wert sei. Bloss: «Von einem Versprechen, auf ein Minarett zu verzichten, war nie die Rede», sagt der Wangner Bauverwalter Max Zülli gegenüber dem Beobachter.


Baukommission auf unsicherem Boden

In dieser aufgeheizten Stimmung verweigerte die siebenköpfige Baukommission Anfang Februar die Baubewilligung für das Minarett. Erst mit einem Minarett werde das Vereinslokal zu einer Moschee und damit zu einem Sakralbau – solche seien aber in der Gewerbezone nicht zugelassen, so die Begründung. Dass die gleiche Baukommission seinerzeit die Umnutzung für Gebetsräume bewilligte, blieb unerwähnt. Zur Ablehnung beigetragen haben zudem laut Bauverwalter Zülli «ästhetische Gründe» sowie die fehlenden Parkplätze, weil bis zu 450 Betende erwartet würden. Ferner sei das geplante Minarett zu hoch.

Sechs Meter hoch soll es werden – ein Klacks gegen den 20 Meter hohen Turm des geplanten hinduistischen Tempels in Trimbach. Trimbach, wie Wangen ein Vorort von Olten, hat den Gestaltungsplan für das Projekt des örtlichen tamilischen Kulturvereins letztes Jahr genehmigt. «Einsprachen gab es keine», erinnert sich SP-Gemeindepräsident Martin Straumann. Einzig mit einem Nachbarn musste man sich über die Abgeltung eines Wegrechts einigen.
Ein Blick auf die Pläne zeigt, wie gross der Hindutempel wird: je fast 50 Meter lang und breit, 10 Meter hoch, mit drei Türmen.

Auf der grünen Wiese im Gewerbegebiet in der Miesern, anschliessend an ein paar Garagen, haben die Hindus 5380 Quadratmeter Land gekauft. Wohl weit weg vom Dorf, aber in Sichtweite des über die Landesgrenzen hinaus bekannten Töfffahrertreffpunkts Isebähnli. Bevor gebaut werden kann, müssen die paar hundert Vereinsmitglieder aber noch geschätzte drei Millionen Franken auftreiben und ein Baugesuch einreichen. Letzteres ist indes eher eine Formsache, denn der im letzten Oktober vom Solothurner Regierungsrat bewilligte Gestaltungsplan enthält Sonderbauvorschriften, die exakt auf den Hindutempel zugeschnitten sind. Wann es so weit ist, weiss Vereinspräsident Vasanthavajan Ramalingam noch nicht – überhaupt will er den Hindutempel am liebsten nicht im Zusammenhang mit dem Wangner Minarett erwähnt haben. «Wir wollen nicht mit den Muslimen in einen Topf geworfen werden», lässt er ausrichten.


Gutes Zusammenleben der Religionen

Dass Trimbach keine Mühe mit den Tamilen bekundet, hat seine Gründe: Bereits seit mehreren Jahren treffen sie sich provisorisch in einer umgenutzten ehemaligen Lagerhalle im Dorf – ohne Probleme. Einzig die fehlenden Parkplätze führen am Wochenende manchmal zu Ärger bei den Anwohnern – aber das liegt daran, dass das Areal mit dem Tempelprovisorium und zwei Beizen übernutzt ist.

Bevor der Trimbacher Gemeinderat den Gestaltungsplan für den Hindutempel bewilligte, besuchte er die Kollegen im neun Kilometer entfernten Gretzenbach. Diese haben reichlich Erfahrung mit einer anderen religiösen Minderheit: Buddhisten begannen vor zehn Jahren mit dem Bau eines Tempels. CVP-Gemeindepräsident Hanspeter Jeseneg:
«Es gab nie ernsthafte Opposition gegen die verschiedenen Bauetappen; wir konnten immer gut miteinander reden.» Nicht einmal der örtliche SVP-Präsident und Nationalrat Walter Wobmann bringt ein schlechtes Wort über die Lippen: «Die Buddhisten sind angenehme Leute, sie missionieren nicht und lassen die Dorfbevölkerung in Ruhe.»
Und der katholische Pfarrer Ernst Knorr versteht seine Wangner Kollegen nicht ganz: «Ich wäre nicht so ablehnend.» Er besuche mit seinen Schülern regelmässig sowohl Moscheen wie den buddhistischen Tempel. «Wie soll denn sonst die Integration funktionieren?»

Heute umfasst das buddhistische Zentrum neben dem eigentlichen Tempel zwei kleine Kapellen, ein Kloster für die sechs Mönche und Schulungsräume, wo unter anderem Deutschkurse für Thais sowie Unterricht in Thaiboxen oder Gemüseschnitzen für Schweizer angeboten werden. Selbst von der Bahnlinie Bern–Zürich aus sichtbar ist das vergoldete Tempeldach.

Abt Phra Rajakittimoli empfängt im Lotussitz auf einem Holzpodest, hinter seinem Sitzkissen klingelt das Schnurlostelefon: «Jeden Monat besuchen uns rund 1200 Personen» – darunter etwa der Katholische Frauenbund oder die Schützenveteranen, die sich vor Ort überzeugten, dass «die Buddhisten und die Mönche eine sehr friedliche Gesellschaft bilden», wie die Lokalpresse rapportierte. Als im November 2004 eine Tiefgarage einstürzte, fand der Gedenkgottesdienst im buddhistischen Zentrum statt. Zudem lädt die Gemeinde ihre Jungbürger regelmässig in den Buddhatempel ein, wo ihnen der Abt ins Gewissen redet und Respekt gegenüber Eltern und Lehrern einfordert.


Buddhisten und Sikhs willkommen

Trotz den positiven Erfahrungen ist Gemeindepräsident Jeseneg kein Buddhistenfan geworden, der zum Dalai Lama pilgern würde: «Je länger ich damit zu tun habe, desto mehr merke ich, wie christlich geprägt unsere Gesellschaft ist und dass ich den Buddhismus nie ganz verstehen werde.» So habe er bei Festen, an denen die thailändische Prinzessin anwesend war, «eine Verehrung der buddhistischen Gemeinde für sie gespürt, wie ich sie hierzulande selbst für einen Rockstar nicht für möglich halte». Dennoch ist Gretzenbach stolz auf sein buddhistisches Zentrum – es figuriert gar als Attraktion in einer Broschüre des Solothurner Tourismusvereins.

Ungleich diskreter haben wenige hundert Meter westwärts, ebenfalls in Sichtweite des Kühlturms des Atomkraftwerks Gösgen, die rund 500 in der Schweiz wohnhaften Sikhs ihr religiöses Zentrum errichtet.
Zwischen einer Betonwarenfabrik und einer Maschinenbaufirma steht in Däniken ein unscheinbarer Flachbau.
Nur eine Fahnenstange und die Wandaufschrift «Gurudwara Sahib – Sikh Gemeinde Schweiz» verraten, dass hier drin gebetet statt gekrampft wird – und die lange Reihe Gestelle, in die die Gläubigen ihre Schuhe stellen.
«Say satnam (eine traditionelle Sikh-Gebetszeile vor dem Essen) and be happy», steht an der Tür.

Ziemlich happy sind auch die Dorfbehörden mit den indischen Sikhs. «Sie laden mich fast jedes Wochenende ein; ich muss mich bemühen, Distanz zu wahren, und gehe nur zu grossen Festen», erzählt der freisinnige Däniker Gemeindepräsident Gery Meier. Sicher habe es Ängste gegeben, als die Pläne für einen Sikhtempel bekannt wurden. «Aber ich habe mich über die Religion informiert und bewusst mit den Initianten das Gespräch gesucht.
Und die Kontakte verliefen immer sehr positiv», sagt Meier. Und so baute Karnail Singh vor gut drei Jahren praktisch unter Ausschluss der Öffentlichkeit eine alte Karosseriewerkstatt zum «Gurudwara» um, mit einem vor allem am Sonntag genutzten Versammlungsraum und einem «Langar», einer öffentlichen Küche. Auch in Däniken erhob niemand Einsprache gegen das Baugesuch, obwohl die Sikhs mit traditionellem Turban und Bart durchaus auffallen.


Wangen lässt sich nicht umstimmen

Solches will in Wangen kaum jemand hören. Auf dem katholischen Friedhof wettert ein Mittsiebziger nach dem Besuch am Grab seiner Frau: «So weit kommts noch, dass die Islamisten aus halb Europa bei der Durchfahrt das Minarett sehen und dann hier zu Allah beten!» Und im Coop regen sich zwei Schweizerinnen zwischen Milchregal und Rollschinkli-Aktion darüber auf, dass im TKV die Frauen nichts zu sagen hätten. Tatsächlich gibt es dort, strenger als manchenorts in der Türkei, zwei strikt getrennte Gebetsräume für Männer und Frauen. Und die jüngsten Krawalle wegen der dänischen Mohammedkarikaturen bestärken die Wangner Minarettgegner noch in ihrer Haltung. «Wehret den Anfängen!», sagt SVP-Politiker Kissling.

Doch ist das Baurecht ein taugliches Mittel, um ein unerwünschtes Minarett zu verhindern? «Wohl kaum», sagt Benno Mattarel, Anwalt des TKV. Die Beschwerde gegen den erstinstanzlichen Entscheid ist darum beschlossene Sache.
In Gretzenbach, in Däniken und in Trimbach sind religiöse Bauten im Gewerbegebiet zonenkonform – warum sollten sie es in Wangen nicht sein?

In einer Vorprüfung hatte das solothurnische Baudepartement die Frage schon letztes Jahr zugunsten des TKV entschieden. Mit der Materie vertraute Juristen vermuten, dass die lokale Baubehörde dem Druck der aufgebrachten Bevölkerung nachgegeben habe – im Wissen, dass die oberen Instanzen den Entscheid umkehren werden.
Sollte es so weit kommen, ärgert sich Pfarrer Erich Huber schon auf Vorrat: «Schliesslich durfte ich auf Geheiss der Behörden auf der Kantonsstrasse nicht einmal einen Wegweiser Richtung Kirche aufstellen, weil dies religiöse Propaganda sei.»

 
 
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