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"See how nature - trees, flowers, grass - grows in silence?
See the stars, the moon, and the sun, how they move in silence?
We need silence to be able to touch souls."

Mother Teresa
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Heiligt Mammon den Nachtglockengebrauch?  
25. März 2007
Quelle: E-Mail an die IG Stiller

Am Freitag hat die Kirchengemeinde Weinstadt-Endersbach (Rems-Murr-Kreis Waiblingen) einen Referenten aus Rheinhessen eingeladen, der deutschlandweit Vorträge über die Schönheit des Glockenklanges hält, der möglichst noch durch Ausbau zu vervollkommnen sei.

In die Glockenharmonie im vollbesetzten Saal geriet allerdings ein Mißton, als ich bei der Aussprache zwar das liturgische Läuten im Sinne eines Zeitsignals für kirchliche Handlungen begrüßte, aber jeglichen Nacht- und Frühglockengebrauch verwarf und auf eine Frage hin dessen heidnische Herkunft und Anküpfungspunkt für bibelwidrig-abergläubische Wirrheiten erläuterte. Erwartungsgemäß versuchte der Vortragende eine Distanzierung von derlei antiken Verirrungen, u.a. mit dem Hinweis, das Morgengeläut sei aber immer schon christlicher Natur.

Dieses Argument geriet allerdings für die Zuhörer merkbar ins Rutschen, als ich darauf hinwies, daß per Morgengeläut vorchristlich die für die Nacht verantwortlichen Geister vertrieben und die Sonnengottheit begrüßt wurde, u.a. in hiesigen Tempeln des Mithras. Der Referent rettete sich dadurch, daß er empfahl, aus Lärmschutzgründen nicht vor 7 Uhr Glocken zu gebrauchen. Wenn es so käme, wäre diese Begründung natürlich auch akzeptabel ...

Anschließend rechtfertigte der Pfarrer den Glockenschlag mit dem Hinweis, daß die weltliche Gemeinde schließlich die Kirchengemeinde dafür bezahle.

Ein solcher Zusammenhang gibt der ganzen Glockendiskussion eine andere Qualität. Denn:

1. So begünstigte Kirchengemeinden hätten dann einen schlicht schnöd-materiellen Anreiz, nachts durchzuschlagen und Beschwerden zu ignorieren.

2. In solchen Gemeinden würde aus Steuergeldern eine (nächtliche) Leistung bezahlt, deren Sinn sich nicht jedem Anwohner erschließt. Mangels gesetzlichem Auftrag für die Glockenschallversorgung der Allgemeinheit könnte man auch nachdenken, ob da eine "Scheinleistung" bezahlt wird. Ein derartiger Sachverhalt ist nicht weit weg von der Begleichung fingierter Rechnungen und entsprechend zu werten.

3. Außerdem könnte man das so sehen, dass der Kirchengemeinde einer Konfession verdeckt rentenartige Geschenke gewährt werden, die anderen Glaubensrichtungen vorenthalten werden. Diese könnten auf der Grundlage des Gleichbehandlungsgrundsatzes gegen diese verdeckte Privilegierung bzw. Wettbewerbsverzerrung vorgehen.
Es erscheint jedenfalls nicht verkehrt, den Haushaltsplan auf solche Zahlungen einsehen zu lassen und sie in der Öffentlichkeit zu hinterfragen.

Hans Lindenmeyer, Deutschland

 
 
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