IG Stiller - www.nachtruhe.info
Das Geläut des Münsters, ein metallisches Dröhnen,
… ein Lärm, dass man seine eigenen Gedanken nicht mehr hört, ein Zittern der Luft,
ein klangloses Beben,
ein Geräusch, wie wenn man von einem zu hohen Sprungbrett ins Wasser gesprungen ist,
es macht mich taub, schwindlig, idiotisch.

Max Frisch im Roman "Stiller"
Max Frisch im Roman

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Ich bin nicht Stiller  
17. Juni 2007
Quelle: St. Galler Tagblatt

Das mit dem heiligen Bimbam ist vorbei. Das Läuten der Kirchenglocken ist nämlich manchen Zeitgenossen nicht mehr heilig – lautstark fordern sie Stille. Im Protest gegen das Gebimmel mischt die «IG Stiller» an vorderster Front mit. Der Name ist Programm: Man will, dass die Kirchtürme innere Ruhe finden und die Kraft der Stille entdecken.

Worauf dann die Gegner der Glocken-Gegner sagen wollen, was es geläutet hat. Nein, gemeint sind nicht ältere Leserbriefschreiber, die noch den feinen Klang der Glöcklein ihrer Jugendzeit in den Ohren haben. Der Protest gegen den Glocken-Maulkorb der Interessengemeinschaft Stiller kommt vielmehr von den Jungen. In der aktuellen CD der Deutsch-Pop-Band «Wir sind Helden» lässt Sängerin Holofernes die Glocken protestieren und quittiert die «Sleeping Zone»-Forderung der «IG Stiller»: «Ich bin nicht stiller, ich bin nicht stiller.»

Diese Twens von heute können ihre Meinung halt einfach so rausbrüllen und fühlen sich dann besser. Die Generation von Max Frisch hatte es da schwerer: «Ich bin nicht Stiller!», ruft sein Held trotzig am Anfang des Stiller-Romans aus. Worauf Frisch auf vielen Seiten reflektiert, ob Stiller nun Stiller sei oder nicht – man nannte das «die Identität suchen».

So verstanden wäre eine «IG Stiller» eine Gruppe von Menschen, welche ihre Identität sucht. Auf diesem beschwerlichen Weg könnten ihnen die «Helden» behilflich sein: «Ich möchte so gerne schweigen», singt Holofernes. (kl)

 
 
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