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"Die Schlafzyklen richten sich nicht nach der Uhrzeit, sondern nach der Einschlafzeit und dem inneren Rhythmus.
Somit werden im Laufe einer Nacht sicher alle Schlafstadien in ähnlichem Ausmass durch das Glockengeläut gestört."

Dr. med. Wolfgang Randelshofer

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Offener Brief der IG Stiller an die Landeskirchen betreffend kultlosem nächtlichem Glockenlärm  
24. Juni 2009

Offener Brief an die Landeskirchen betreffend kultlosem nächtlichem Glockenlärm

Sehr geehrte Herren Präsidenten, sehr geehrte Räte und Rätinnen.

Aus Italien, Frankreich, Österreich sowie Mittel- und Norddeutschland wird nur selten über Klagen wegen nächtlichem Glockenlärm berichtet. So sind z.B. „nach Angaben des Bistums Trier keine Fälle bekannt, in denen sich Anwohner wegen zu langen oder zu lauten Glockengeläuts beschwert haben. Es gebe zudem ohnehin „nur noch wenige Kirchen, die - auch nachts - jede Stunde läuteten“ (Wormser Zeitung vom 29.10.08).

Bei uns schlagen die meisten Kirchen auch nachts viertelstündlich (!) und morgens wird meist um sechs sturmgeläutet. Entsprechend gibt es in der Schweiz zahllose Klagen wegen nächt­lichem Glocken­lärm. Verschiedene davon laufen schon seit Jahren und kommen immer wieder in die Schlag­zeilen (Gossau ZH, Wiesendangen, Trogen). Mindestens zehn Prozent der Ein­woh­ner der Schweiz fühlen sich durch die nächtliche Machtdemonstration gestört und leiden darunter. Manche bezeichnen den nächt­lichen Glockenlärm gar als Terror. Sicher ist, dass er den Schlaf stört und die Gesundheit schädigt.

Dass in der Schweiz (und speziell in der Ost- und Zentralschweiz) rücksichtsloser geläutet und geschlagen wird als anderswo bestätigte auch Bischof Amédée Grab:

"In der Stadt Chur zum Beispiel läuten die Glocken den halben Tag, ständig … ich habe das nirgends so gehört wie in Chur. Es hört nicht auf… Es läutet zum Beispiel am Morgen um 6 Uhr zu einer Zeit wo die meisten Leute schlafen wollen… Das Gleiche um 11 Uhr… Das Gleiche am Abend, es wird einfach geläutet."

(Samstags­rundschau vom 10.2.2007 auf Radio DRS).

Dass vor allem in der Ostschweiz oft riesige Geläute auf zu niedrigen Türmen hängen - weil mit der Industrialisierung und dem Reichtum der Wahn kam, die Türme mit den grösst- und schwerst-möglichen Glocken füllen zu müssen - berichtete schon der Glockenexperte Matthias Walter von Bern (St. Galler Tagblatt, 14.9.04)

Es wäre dringend an der Zeit, dass der SEK und die SBK das Problem angehen. Die lokalen Kirchgemeinden sind total überfordert und was bisher in der Schweiz von übergeordneter kirchlicher Seite dazu publiziert wurde („Vertraute Klänge – störende Klänge“ der ev-ref. Landeskirche des Kantons Zürich) ist nicht nur nicht hilfreich – es kann sogar als Aufruf zur Verteidigung des nächtlichen Glockenlärms interpretiert werden.

Es geht auch anders. So hat Robert Amadei, Bischof der die norditalienischen Diözese Bergamo, schon vor Jahren alle Pfarreien angewiesen, zwischen 21 und 7 Uhr die Glocken schweigen zu lassen.

(Ref.ch 28.11.2001)

Interessant auch die Äusserung vom Bischof von Lugano, Pier Giacomo Grampa, im Zusammenhang mit der Minarett-Initiative: Es brauche die Minarette nicht unbedingt. Auch die Christen bauten ihre Kirche heute ohne Türme und reagierten damit auf eine „neue Sensibilität“ der Gesellschaft (Tages-Anzeiger vom 17.2.09).

Wir verlangen nun nicht, dass Sie die Kirchtürme zurückbauen, aber sorgen sie dafür dass die akustischen Zeichen der Macht wenigstens nachts und an Sonn- und Feiertagen nur noch für kultischen Zweck eingesetzt werden - sonst ist Ihre Forderung nach Sonntagsruhe unglaubwürdig.
 

Mit stillen Grüssen
IG Stiller

Der Vorstand:
Samuel Büechi
, Trogen
Hans Fuchs
, Wil
Arwed Bamert
, Zug
Hansueli Holzer
, St.Gallen
Alfons Gabriel
, Beinwil am See

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