IG Stiller - www.nachtruhe.info
"Die Schlafzyklen richten sich nicht nach der Uhrzeit, sondern nach der Einschlafzeit und dem inneren Rhythmus.
Somit werden im Laufe einer Nacht sicher alle Schlafstadien in ähnlichem Ausmass durch das Glockengeläut gestört."

Dr. med. Wolfgang Randelshofer

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«IG Stiller» reicht Antrag beim Wiler Stadtrat ein  
23. Februar 2006
Quelle: Wiler Nachrichten (von Walter Sutter)

Hat es in Wil bald ausgeläutet?Hat es in Wil bald ausgeläutet?

Anfangs Woche hat der Wiler Hans Fuchs, Mitglied der «IG Stiller», beim Wiler Stadtrat einen Antrag eingereicht, der das Glockengeläute respektive den Glockenschlag der Wiler Kirchen einschränken soll. Er stützt sich dabei unter anderem auf eine Umfrage in der Wiler Altstadt.Die Umfrage habe in aller Deutlichkeit ergeben, dass Kirchenglocken tatsächlich ein relevantes Lärmproblem darstellen würden, so der Antragssteller. Er fordert daher, dass der Zeitschlag, der jede Viertelstunde bei allen Wiler Kirchen von abends 22 bis morgens um 7 Uhr ertönt, zu unterlassen.

Ebenso sei das Sechs-Uhr-«Morgensturmläuten» abzustellen. Die jeweiligen Kirchgemeinden seien entsprechend anzuweisen. Ebenfalls soll der Zeitschlag immer dann, wenn der Zeitschlag direkt vor oder nach dem sakralen Läuten kommt, abgestellt werden.
Zum Beispiel ertönt der Zeitschlag samstags um 19 Uhr. Danach kommt das 15-Minuten- Geläute von allen drei Kirchen. Darauf folgt wieder ein Zeitschlag. Der 19 Uhr und 19.15 Uhr Zeitschlag ist in so einer Situation mehr als nur überflüssig, und sei daher ersatzlos zu streichen.
Fuchs vertritt auch die Meinung, dass nach jeweils einer Minute Sturmläuten die Wiler Bevölkerung mehr als informiert sei - keine der Glocken dürfe länger als eine Minute am Stück geläutet werden.

 

Die «IG Stiller» verlangt weiter, dass kein Geläute, direkt an der Kirche gemessen, die Grenze von 85 Dezibel überschreiten dürfe. Ferner sei ein Glockenfachmann beizuziehen, der dafür sorgt, dass die Intonierung massiv verbessert wird. Vielen Menschen mit gutem musikalischem Gehör sei aufgefallen, dass fast alle Geläute in Wil einen dröhnenden, dumpfen und vor allem scheppernden Klang hätten.

Lärmschutzverordnung

Fuchs zitiert als Begründung die Lärmschutzverordnung der Stadt Wil vom 21.11.1973. Danach würden Kirchenglocken, die während der gesetzlich vorgeschriebenen Nachtruhe die Zeit schlagen oder tagsüber laut läuten, der Gesundheit schaden sowie die Leistungsfähigkeit und das Wohlbefinden der Bevölkerung beeinträchtigen. Der Glockenbetrieb könne so programmiert werden, dass die gesetzlichen Ruhezeiten auch von der Kirche eingehalten werden könnten, so Fuchs. Der Stadtrat habe dafür zu sorgen, dass sich die Landeskirchen an die Lärmschutzverordnung halten würden. Die Glocken als Zeitangabe seien keine kirchliche Notwendigkeit, sondern ein Dienst an der Öffentlichkeit.

Die Umfrage

Im Dezember 2005 seien in der Wiler Altstadt 500 Fragebogen zur nächtlichen Lärmbelastung verteilt worden. Davon seien 28 Fragebogen ausgefüllt zurückgekommen.

Sieben Personen haben dabei angegeben, dass sie sich vom Kirchengeläute stark gestört fühlen. Bei der Anzahl der grundsätzlich vom Lärm gestörten Leute liegen die Kirchenglocken nach dem Strassenverkehr (19), Fluglärm (16) und Nachbarn (13) an vierter Stelle (12).

In Bearbeitung

Die Stadt Wil konnte noch keine Stellungnahme zu diesem Antrag abgeben. Barbara Schär, Departementssekretärin Bau, Umwelt und Verkehr, bestätigte die Zuweisung dieses Antrages. Das Departement werde diesen Antrag prüfen.

Glockengeläute ist Kultur

Für Josef Fässler, Präsident des Kirchenverwaltungsrates, ist das Kirchgeläute kein Lärm, sondern Kultur. «Geläute ist auch kein Lärm, sondern Klang!» Er verstehe natürlich, wenn sich ein paar Einzelne gestört fühlen. Dies rechtfertige jedoch nicht, Kulturgut einzuschränken. So wie man bei den Karikaturen Respekt vor der Religion gefordert habe, gelte es auch der Kultur Respekt zu zollen, so Josef Fässler. Im übrigen liege das Kirchengeläute nicht in der Kompetenz des Stadtrates. «Wir sind eine eigene Behörde und eine öffentliche Korporation», betonte der Präsident des Kirchverwaltungsrates.

 
 
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