IG Stiller - www.nachtruhe.info
"Ueberhaupt wird man finden, jemehr ein Volk Vergnügen an Schellen oder auch Glöckchen findet, die ohne Ordnung durcheinander klingen, desto roher, kindischer oder barbarischer ist es."

Georg Christoph Lichtenberg
Georg Christoph Lichtenberg

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IG Stiller, Schweizerische Lärmliga, Globus-Glöcklein in St. Gallen : Leserbriefe  
1. Juli 2010
Quelle: Tagblatt und St. Galler Nachrichten

Weitere Leserbriefe zum Glockenlärm-Streit in St. Gallen.

Auf Glocken spezialisiert

Wie alle Jahre wieder: Die Kirchenglocken werden 'freiwillig' während den St. Gallern Festspielen auf dem Klosterplatz abgestellt - der eindeutige Beweis dass die Glocken auch dieses Jahr stören und alles übertönen.

Ferner beweist es auch dass das Glockenlärm-Problem mit einem einfachen Knopfdruck gelöst werden kann! Warum dürfen die AnwohnerInnen nicht das ganze Jahr über mehr Ruhe geniessen?

Philipp Schönbächler schreibt dass die 'IG Stiller' Autos, Züge oder besoffene Festbrüder nicht als störend für die Nachtruhe der Anwohner ansehe. Das ist falsch. Selbstverständlich stören andere Lärmquellen auch - dafür spezialisiert ist allerdings die Schweizerische Lärmliga.

Wie wir Menschen auch, müssen die Glocken nachts ruhen - und zwar nicht nur in St. Gallen sondern in der ganzen Schweiz.

(Hans Fuchs - St. Gallen - 29. Juni 2010 im Tagblatt)


Ja zu einer lebendigen Stadt, aber mit klaren Spielregeln

Eine lebendige Stadt, wie sie sich Herr Würmli in seiner "Politischen Meinung" vorstellt, ist wünschenswert, weil lebendige Städte durchaus auch eine gewisse Sicherheit bieten. Offensichtlich hat sich das nächtliche Lärmproblem aber so unerträglich aufgeschaukelt. dass es zu einem Dauerthema in verschiedenen Medien geworden ist. Tatsächlich hat sich das Ausgehverhalten im Gegensatz zu früher gravierend verändert und es wird zusehends schwieriger, allen diesbezüglichen Bedürfnissen gerecht zu werden.

Bezüglich Lärm kann man im Stadtzentrum nicht die gleichen Regeln anwenden wie in den Wohnquartieren. Trotzdem haben auch die Bewohner im Zentrum berechtige Anliegen bezüglich Nachtlärm, egal welcher Art, den sie zu ertragen haben. Bis spätestens Mitternacht kann sicher noch eine gewisse Toleranz aufgebracht werden, bestimmt aber nicht bis in den frühen Morgen hinein. Wenn eine Annäherung der beiden Interessengruppen nicht gelingt, dann verkommt die Stadt in absehbarer Zeit zur reinen Festhütte, weil sie als Wohnraum zusehends an Attraktivität verliert. Daran kann wohl auch niemand ein Interesse haben.

Ein Grund für die Zunahme des nächtlichen Lärmproblems sehe ich nicht zuletzt in der Abschaffung der Polizeistunde und den langen Öffnungszeiten einiger Läden. Alkoholisierte, pöbelnde Zeitgenossen, welche die halbe Nacht lärmend durch die Gassen ziehen, sind bestimmt nicht diejenigen, die eine Stadt im gewünschten Sinne beleben und sicher machen...

Eine weitere zunehmende Zeiterscheinung sollte in der ganzen Diskussion nicht ausser Acht gelassen werden. Immer mehr Familien haben nämlich in der Kindererziehung den Programmpunkt "Erlernen von Anstand, gegenseitiger Achtung und Rücksichtnahme" gänzlich gestrichen. Es gibt kaum mehr verbindliche Regeln, die auch durchgesetzt werden. Es ist deshalb mit einer massiven Zunahme unerzogener Zeitgenossen zu rechnen. Diese machen sich übrigens nicht nur nachts in der Stadt bemerkbar. Es gibt wohl niemanden, der sie nicht schon in der Bahn, im Bus oder andern Orten angetroffen hat.

Wer sich einmal die Mühe macht, an einem späten Abend, speziell am Wochenende das Treiben am Bahnhof,  am Marktplatz oder an andern einschlägigen Orten zu beobachten, wird unter den Nachtschwärmern vermehrt sehr junge Leute ausmachen, manchmal fast noch Kinder, die eigentlich schon lange vor Mitternacht nichts mehr auf der Strasse zu suchen hätten. Auch sie sind nicht diejenigen, die unsere Stadt nachts beleben sollen. 

Um einen gemeinsamen Nenner zu finden für die unterschiedlichen Bedürfnisse in der nächtlichen Stadt, braucht es Toleranz aber ganz gewiss auch das Respektieren von klaren Regeln.

(Anita Mannhart - St. Gallen - 1. Juli 2010 in St. Galler Nachrichten)


Nervtötendes Globus-Glöcklein

Haben die Stadtparlamentarier Hufenus und Würmli keine wichtigeren Themen, als sich über das Ausbleiben des nächtlichen Glockengebimmels von drei Türmen zu mokieren und die Verwaltung mit der Beantwortung ihrer Einfachen Anfragen zu beschäftigen?

Auch wenn neu die städtischen Glocken in der Nacht schweigen, werden wir Altstadtbewohner weiter jede Nacht von mindestens einem halben Dutzend Kirchenglocken zugebimmelt, allein achtmal stündlich vom Kloster. Für den Wohlfühleffekt einiger weniger Nostalgiker ist also bis auf weiteres gesorgt.

Die Feststellung im Tagblatt «Unmutsbekundungen gab's bereits in Leserbriefen» muss relativiert werden: Es gab drei negative Reaktionen (neben einer positiven), was bei dem Thema wenig ist. Eine davon war von Stadtparlamentarier Würmli selber. Der Verweis, wonach «das Geläut seit Jahrhunderten zum Klosterviertel gehört», ist beliebig: Auch Hexenverbrennung ist eine alte christliche Tradition.

In rund einem Monat wird die Katholische Administration wieder die Klosterglocken abstellen, und zwar Tag und Nacht, damit Besucher der Festspiele nicht vom Gebimmel gestört werden. Werden sich die beiden Stadtparlamentarier beschweren? Werden sie es überhaupt merken?

Ich möchte mich bei der Stadt ganz herzlich bedanken, dass sie das nervtötende Globus-Glöcklein völlig unbürokratisch von 19 bis 7 Uhr schweigen lässt.

(Felix Mätzler - St. Gallen - 26. Mai 2010 - im Tagblatt)

 Siehe auch: St. Galler Stadtparlamentarier Martin Würmli (CVP) unterstützt nächtlichen Glockenlärm.

 
 
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