IG Stiller - www.nachtruhe.info
 "Stille ist heute als Loch im Lärmteppich definierbar."

Peter Cerwenka

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Kampf gegen Kirchenglocken  
8. Juli 2006
Quelle: 20 Minuten

Manchen Menschen raubt der Fluglärm den Schlaf, andere ärgern sich über laute Fussballfans. Die IG Stiller hat sich dem Kampf gegen den Lärm der Kirchenglocken verschrieben.

Sie hält das Geläut für überflüssig und gesundheitsschädigend. Die Lautstärke der Kirchenglocken am Sonntagmorgen kommt zwar nicht an jene eines Düsenflugzeuges oder eines Rockkonzertes heran. Nach Angaben der Interessengemeinschaft Stiller übertreffen die Glocken aber immerhin Presslufthammer und Kreissäge.

Die 2004 gegründete IG Stiller kämpft auch gegen den nächtlichen Zeitschlag. Umfragen zeigten, dass die nächtlichen Glockenschläge 7 Prozent der Menschen störten, schreibt sie auf ihrer Homepage. Die Tiefe des Schlafes, von der die Erholung des Organismus abhänge, werde durch den Lärm verringert, auch wenn man nicht aufwache.

Klagen in der Ostschweiz

Das Mittel im Kampf gegen die Kirchenglocken heisst Lärmklage. Im Juni hat die IG mit Sitz in Trogen AR zwei Rekurse eingereicht, weil die Stadträte von Amriswil TG und Wil SG trotz Lärmklagen entschieden, auf die Glockenschläge nicht zu verzichten, wie die IG am Samstag mitteilte.

Einen Teilerfolg verzeichnete die IG jüngst in Wiesendangen ZH, wo das Frühgeläut auf 7.00 Uhr verschoben und der nächtliche Zeitschlag mit Jalousien gedämpft werden soll. In Basel empfahl die Umweltbehörde nach einer Klage der IG Stiller, den Zeitschlag des St. Alban-Tors zwischen 22.00 Uhr und 6.00 Uhr abzustellen.

Gespräche auf Bundesebene

Die Interessengemeinschaft will jedoch nicht nur auf lokaler, sondern auch auf nationaler Ebene kämpfen. Sie sei gegenwärtig im Gespräch mit dem Vizedirektor des Bundesamts für Umwelt (BAFU), Gérard Poffet, schreibt sie in ihrer Mitteilung.

Beim Läuten vor Gottesdiensten zeichne sich eine einvernehmliche Lösung ab: Die Beschränkung der Lautstärke oder der Geläutdauer. Noch keine Lösung sei beim nächtlichen Zeitschlag in Sicht. Nach Ansicht des Bundesamtes sei dieser erst ab einer Lautstärke von 60 Dezibel problematisch. Die IG Stiller halte diesen Wert für zu hoch.

Überholte Tradition

Die Argumentation, das nächtliche Glockengeläut gehöre zur Tradition, lässt die IG Stiller nicht gelten. Die Lärmschutzverordnung mache keine Ausnahme für traditionellen Lärm. Zudem unterliege jede Tradition Änderungen: In Zeiten des Weckers sei man nicht mehr auf den kirchlichen Zeitschlag angewiesen.

Das Wort «Glocke» komme ausserdem in der Bibel gar nicht vor. Und die wichtigste, älteste und somit «traditionellste aller Traditionen» sei ohnehin die Tradition der Nachtruhe, hält die IG Stiller auf ihrer Homepage fest.

 
 
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