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Kirche Günsberg muss Kirchenglocken nachts abschalten  
29. März 2008
Quelle: Espace.ch (von Susi Reinhart)

Die Kirchgemeinde beugt sich - Mit Stichentscheid des Präsidenten beschloss die Kirchgemeinde Günsberg, sich einer Verfügung des Regierungsrats zu beugen. Somit werden die Kirchenglocken nachts küftig abgeschaltet und erst ab sieben Uhr wieder läuten.

Vor ein paar Wochen erhielt die Kirchgemeinde Günsberg-Niederwil-Balm Post vom kantonalen Bau- und Justizdepartement: Das Frühgeläut der Kirchenglocken müsse künftig von 5.30 auf 7 Uhr verschoben werden, stand in der Verfügung. Und: Der viertelstündliche Zeitschlag zwischen 22 Uhr und 7 Uhr müsse ganz abgestellt werden.

Auf diesen Regierungsratsbeschluss hin wurde am Mittwoch eine ausserordentliche Kirchgemeindeversammlung einberufen. «Die Kirchgemeindeversammlung kann die Läutordnung mitbestimmen», sagte Kirchgemeindepräsident Thomas Hilger zu den 20 Anwesenden. Dies sei in Günsberg so geregelt. Es gehe nun in erster Linie darum, zu entscheiden, ob man gegen diese Verfügung beim Verwaltungsgericht und, wenn nötig, später beim Bundesgericht Beschwerde einlegen solle.

Weiterzug wäre zu teuer

Der Kirchenrat habe die Situation geprüft und sei zum Schluss gekommen, dass ein Weiterzug nicht angezeigt sei. Eine Beschwerde ans Verwaltungsgericht koste, sollte man unterliegen, maximal 16000 Franken, bei allfälligem Weiterzug ans Bundesgericht schlimmstenfalls weitere 13000 Franken.

Abklärungen des Kirchenrats hätten ergeben, die die Erfolgschancen vor Verwaltungsgericht seien bestenfalls 50 zu 50. «Das Verwaltungsgericht wird sich auf das Amt für Umwelt und deren Messungen stützen», sagte Hilger. Laut diesen überschreiten die Lärmemissionen beim Haus des Beschwerdeführers Bruno Affolter den Grenzwert von 60 Dezibel. Daraufhin fragte der Kirchenrat beim Gemeinderat nach, ob eine Beschwerdeführung gegen die Verfügung in seinen Augen von öffentlichem Interesse sei und allenfalls finanziell unterstützt würde. Die Antwort fiel negativ aus.
Das Hauptargument: Auf die publik gemachte Verfügung seien keine Reaktionen der Bevölkerung eingegangen. Dies zeige, dass der Entscheid auf Gleichgültigkeit gestossen sei.
Dies zeigt wieder einmal dass ein Grossteil der Bevölkerung mit der Nachtruhe ohne die viertelstündlichen Weckschläge problemlos leben kann.

Geläut weckt Emotionen

Die Diskussion unter den Kirchgemeindemitgliedern war ausserordentlich emotionsgeladen. «Ein einziger Einwohner will diese Änderung», hiess es etwa, «und über tausend andere wollen das nicht.» Auch die Reaktion des Gemeinderats verstand man nicht. «Wir leben im 21.Jahrhundert. Ich finde, man soll doch auf diese Vorgaben eingehen», plädierte eine Frau aus Balm.

Einer befürchtete: «Bruno Affolter bewirkte schon, dass das Geläut von fünf auf drei Minuten reduziert wurde – wenn das jetzt durchkommt, dürfen wir am Ende gar nicht mehr läuten.» Gemeindeleiterin Bernadette Häfliger beruhigte, das Kultus- oder Betzeitgeläut sei geschützt. Der Stundenschlag habe nichts damit zu tun.

Ein Brief eines Mitglieds, das das an der Versammlung nicht teilnehmen konnte, wurde vorgelesen. Er sei während seiner ersten elf Lebensjahre in unmittelbarer Nähe der Kirche aufgewachsen, das Geläut habe ihn nie gestört, stand darin. Sein Antrag: Hauseigentümer und Anwohner im Umkreis der Kirche seien einzuladen, sich schriftlich zu äussern. Ein weiterer Antrag verlangte, die Beschwerde zu sistieren, eine Kommission zu bilden und zu versuchen, ohne Anwalt für beide Parteien einen Weg zu finden. Hilger rief schliesslich in Erinnerung, es gehe nur noch darum zum entscheiden, ob man Beschwerde führen wolle oder nicht.

Die Abstimmung ergab schliesslich eine Patt-Situation: 10 Mitglieder waren für eine Beschwerde, 10 wollten die Verfügung akzeptieren. Präsident Thomas Hilger musste den Stichentscheid fällen: Dem Antrag des Kirchgemeinderats wird entsprochen, auf eine Einsprache wird verzichtet. Beschwerdeführer Bruno Affolter war zwar anwesend, äusserte sich aber nicht.

Nun soll die Umprogrammierung des Geläuts möglichst rasch an die Hand genommen werden. Hilger rechnet damit, dass dies inert zwei bis drei Wochen geschieht.

 
 
Realisierung: RightSight.ch