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"Jedem edlen Ohr Kommt das Geklingel widrig vor.
Und das verfluchte Bim-Bam-Bimmel,
Umnebelnd heiteren Abendhimmel,
Mischt sich in jegliches Begebnis,
Vom ersten Bad bis zum Begräbnis,
Als wäre zwischen Bim und Baum
Das Leben ein verschollner Traum."

Johann Wolfgang Goethe (in Faust)
Johann Wolfgang Goethe (in Faust)

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Gehört Kirchengeläut in Bad Kreuznach zum Dorfleben?  
17. Februar 2009
Quelle: Main Rheiner Regionalnachrichten (Von Mirca Waldhecker)

Kirchengeläut gehört zum Dorfleben  


KREIS BAD KREUZNACH. Das Läuten der Kirchenglocken gehört zum Leben in Dörfern und Städten im Kreis Bad Kreuznach und fest zum Tagesablauf dazu. Beschwerden gegen das Läuten gibt es nur vereinzelt.

In Italien sorgte im vergangenen Jahr folgender Fall für Schlagzeilen: 60000 Euro Schadenersatz hat ein Gericht in Genua einer Italienerin zugesprochen. Die Richter sahen es als erwiesen an, dass das markerschütternde Gebimmel einer Kirche das Leben der pensionierten Lehrerin in den voran gegangenen 23 Jahren ruiniert hatte. Das Geld musste der zuständige Pfarrer zahlen.

Im Kreis Bad Kreuznach ist ein derartiger Vorgang nahezu undenkbar. Das Läuten der Kirchenglocken gehört, besonders auf den Dörfern, fest zum Tagesablauf der Menschen dazu. Dies bestätigt Pfarrer Constantin Keitzer aus Hackenheim: "Ich schätze, dass etwa 80 Prozent der Anwohner großen Wert auf das Läuten der Glocken legen. Die Kirche gehört hier fest zum Dorf." Großartige Beschwerden habe es nie gegeben. Der katholische Geistliche erinnert sich gerade mal an einen Fall in Volxheim. Da hatte sich ein älterer Mann über das Kirchengeläut am Sonntag beklagt. Klagen von Schichtarbeitern oder anderen Menschen, die durch das Läuten der Glocken in den frühen Morgenstunden gestört sein könnten - Fehlanzeige.

Ein ähnliches Bild zeichnet Pfarrer Stephan Maus aus Bockenau. Er betreut die evangelischen Kirchen in Bockenau, Sponheim und Burgsponheim und berichtet: "Probleme gab es bisher nur mal in Burgsponheim. Da haben Anwohner angefragt, ob es wirklich sein müsse, dass die Glocken den Sonntag etwa 20 Minuten lang einläuten. Da haben wir die Zeit dann etwas reduziert." Auch Pfarrer Maus hat den Eindruck, dass das Läuten fest im Lebensrhythmus der Menschen verankert ist. "Das Läuten wird vermisst, wenn die Glocken mal gewartet werden. Dann rufen die Leute extra an, um zu fragen, ob etwas Besonderes passiert ist", so Maus.

Auch die Hackenheimer rufen bei ihren Geistlichen an, besonders wenn sie dem Läuten entnehmen können, dass jemand gestorben ist. Organist Christoph Raab, der die Läuteordnung für Hackenheim ausgearbeitet hat, erklärt: "Es ist festgelegt, wie oft welche Glocke bei einem Todesfall läutet. Die Menschen sind mit diesen Läutzeichen vertraut und interpretieren sie entsprechend."

Das Läuten der Kirchenglocken ist in der Tat alles andere als willkürlich. Christoph Raab bezeichnet das Läuten als "Wissenschaft für sich". Zu unterscheiden sind beispielsweise das sakrale Läuten (Ruf zu Gottesdiensten oder zum Gebet) und das bürgerliche Läuten (Zeitangabe durch Glockenschlag). Das bürgerliche Läuten ist in den meisten Orten, aus Rücksicht auf die Nachtruhe, von etwa 6 Uhr morgens bis 22 Uhr zu hören. Spezielle sakrale Läutemotive gibt es beispielsweise zu Feiertagen und zu Trauungen.

Gesteuert werden die Glocken mittlerweile über einen Computer und Elektromotoren. Faszinierend ist, wie viele unterschiedliche Glocken es gibt. In Hackenheim etwa gibt es sechs Glocken mit einem Gewicht von 60 bis 800 Kilogramm. Die leichteste ist die Franziskusglocke, gegossen 1956, die schwerste nennt sich "Pfarrer von Ars". Sie wurde 1973 gegossen.

Sowohl die Erstellungs- als auch die Wartungskosten der Glocken sind ebenfalls beachtlich. Christoph Raab berichtet: "Für eine 2'500 Kilogramm schwere Glocke muss man mit etwa 30'000 Euro in der Anschaffung rechnen. Das ist deshalb so teuer, weil Glocken selbst heutzutage noch aufwendig mit Lehmformen erstellt werden." Jährlich müssen zudem Glockenwartungsfirmen überprüfen, ob die Glocken noch sicher in ihren Halterungen sitzen und die Klöppel fest sind. Raab: "Wäre da etwas nicht in Ordnung, wäre das ein enormes Sicherheitsrisiko. Anderswo ist es auch schon passiert, dass mal ein Klöppel herausgeflogen ist."

"Das bürgerliche Läuten ist in den meisten Orten, aus Rücksicht auf die Nachtruhe, von etwa 6 Uhr morgens bis 22 Uhr zu hören." Leider gilt dies für die Schweiz und speziell die Ostschweiz nicht. Hier haben bisher nur wenige Kirchen auf den nächtlichen (viertelstündlichen) Zeitschlag verzichtet.

Eindrücklich wieder einmal die gigantischen Kosten der Kirchenglocken, sowie deren Wartung. Diese müssen selbstverständlich zum grössten Teil von uns Steuerzahlern bezahlt werden!

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