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Carl Gustav Jung
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Hoteliers und Touristen im Engadin wollen Nachtruhe  
1. November 2009
Quelle: Engadiner Post (Von: Marie-Claire Jur)

Das nächtliche Läuten der Kirchenglocken ist ein kontroverses Thema, das auch in Südbünden immer wieder Volk und Obrigkeit beschäftigt.

Ein Patentrezept, wie mit Morgen- und Abendgeläut respektive dem nächtlichen Stundenschlag umzugehen ist, gibt es nicht. So viele Gemeinden, so viele Usanzen. Was das Glockengeläut in der Nacht angeht, oder präziser ausgedrückt «den nächtlichen Glockenschlag der Kirchturmuhren», scheint es in Südbünden keinen gemeinsamen Nenner zu geben. Je nach Ortschaft schlägt die Kirchturmuhr stündlich, halbstündlich oder gar zu jeder Viertelstunde gibt es ein Morgen- oder Abendgeläut. Dies ergibt eine Blitzumfrage der «EP/PL» zu einem Thema, das immer wieder die Emotionen hochkochen lässt. Für die einen sind nächtliches Glockengeläut und Stundenschlag lediglich ein lästiges Gebimmel, das sie am Durchschlafen hindert, ein alter Zopf, der in einer laizistischen Gesellschaft im Digitaluhrenzeitalter abgeschafft gehörte, für die anderen sind sie Teil einer jahrhundertealten Tradition, die nicht nur nicht stört, sondern ganz bewusst erhalten werden muss.

Touristen versus Einheimische

Über den Daumen gepeilt lässt sich sagen, dass zum Lager der Glockenbefürworter eher die einheimische Bevölkerung gehört, während die Gegner sich tendenziell aus Hoteliers- und Touristenkreisen rekrutieren. Und in regelmässigen Abständen werden Kirchenglocken gar zu einem Thema, das selbst Gemeinde- und Kirchgemeindevorständen den Schlaf raubt und in dem allenthalbeneine Gemeinde- oder Kirchgemeindeversammlung ein Machtwort zu sprechen hat.

Letzteres trifft demnächst auf Zuoz zu, wo der Gemeindevorstand den Souverän darüber abstimmen lassen will, ob das Morgengeläut der Kirche San Luzi künftig um fünf oder sieben Uhr ertönen soll – oder gar nicht. Grund für den angebahnten Volksentscheid ist die vor einigen Wochen eingeführte Änderung des bisherigen «Läut-Regimes», wie Gemeindeschreiber Peider Bezzola auf Anfrage erklärt. Aufgrund von Sanierungsarbeiten an Glocke, Glockenstuhl und Aufhängung wurde das Morgenläuten kurzerhand von fünf auf sieben Uhr früh verschoben. Klammheimlich, ohne Ankündigung. Der Gemeindevorstand wollte wissen, ob die geänderte Praxis überhaupt von jemandem bemerkt würde. – Und wie sie bemerkt wurde! Nicht nur wurden die Glocken zum Dorfgespräch, es gab auch rund zehn schriftliche Reklamationen.

Sogar Prozessandrohung

Da gab es diejenigen Bürger, die partout um fünf Uhr das Läuten hören wollten, andere, die befanden, um sieben sei früh genug, und wieder andere, die meinten, jetzt müsse sowieso Schluss mit dem Morgengeläut sein. «Dem Gemeindevorstand wurde von einem Feriengast vor der Abreise sogar bedeutet, die Behörde würde im Falle eines Unfalls haftbar gemacht, den er, der scheidende Autolenker, aufgrund einer schlaflosen Nacht bauen würde», zeigt Bezzola die Art der Argumente auf, mit der die Gemeinde konfrontiert wurde.

Pragmatisches Samedan

Mit Beanstandungen in Sachen Glocken und Geläut sah sich vor zwei Jahren auch der Gemeindevorstand von Samedan konfrontiert, wo der nächtliche Stunden- und Viertelstundenschlag Anwohner und Gäste in unmittelbarer Nähe zur Dorfkirche zu Reklamationen bewegte. Anders als in gewissen Gemeinden des Tals, wo entweder der Souverän oder die Kirchgemeindeversammlung (als Besitzerin des Kirchturms) aufgrund des Gewohnheitsrechts ein Machtwort zu sprechen hatte, stützte sich der Gemeindevorstand von Samedan bei der Beurteilung des Problems auf das kommunale Polizeigesetz: Gemäss Gemeindeschreiber Claudio Prevost wurde das Thema als eine Interessensabwägung zwischen dem Sachverhalt «Nachtruhestörung» und «lokaler Tradition» angesehen.

Das Ruhebedürfnis von Einheimischen und Gästen gewinne zusehends an Bedeutung, befand die Behörde. Ausserdem habe der nächtliche Glockenschlag nicht mehr die gleiche Aufgabe wie in früheren Zeiten. So fand die Gemeinde zu einem typisch schweizerischen Kompromiss. Die allgemeine Nachtruhe in Samedan dauert von 22.00 bis 7.00 Uhr, der früher noch viertelstündliche nächtliche Glockenschlag wurde zwischen 22.00 und 6.00 Uhr eingestellt, nicht aber der Stundenschlag. Seither ist in dieser Angelegenheit wieder Ruhe im Dorf. Bis auf Weiteres.

Es gibt sehr wohl ein "Patentrezept". Und dieses lautet: Die Nachtruhe zwischen 22.00 bis 07.00 muss von allen Kirchen eingehalten werden - die viertelstündlichen Weckschläge sind überflüssig und gesundheitsschädlich!

Ganzer Bericht: Engadinerpost.ch - kirchenglocken laerm engadin

 
 
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