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"Ich würde die lasche, viel zu tolerante Haltung gegenüber dem nächtlichen Kirchenglockengebimmel in meiner Nachbarschaft ändern."

Kuno Lauener (Schweizer Sänger von 'Züri West')
Kuno Lauener (Schweizer Sänger von 'Züri West')

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Glocken in Gossau ZH: Unnützer Service public? (Leserbrief)  
16. Juli 2009
Quelle: Zürcher Oberländer (14. Juli 2009)

Sind die Kirchenglocken in Gossau ZH ein unnützer Service public?

Kirchenglocken-Lärm in Gossau ZH - ein Service Public?

Man stelle sich vor, in Gossau wären nachts noch immer die „Stundenrufer“ unterwegs, mit Hellebarde und Laterne, inzwischen vielleicht auch mit Schlagstock und Taschenlampe, und schrien: „Hört ihr Leut und lasst euch sagen, unsre Glock hat drei geschlagen.“ Heute wären es Dutzende von Rufern, die jede Nacht durch die Strassen zögen, schliesslich wollten 10’ 000 Personen im Tiefschlaf über den aktuellen Uhrstand informiert werden. Absurd? Definitiv.

Aber von der Idee her nicht absurder, als die Kirchenglocken die ganze Nacht über im Viertelstundentakt durchschlagen zu lassen. Beides sind Dienstleistungen, die völlig überholt und zu rein gar nichts nutz sind. Denn was weiss man schon, wenn man mitten in der Nacht aufwacht und es schlägt dreimal? Genau, dass es drei Viertel vor irgendetwas ist. Für die Zeitmessung stehen uns heute zum Glück verfeinerte Methoden zur Verfügung.

Findige Geister haben seit der Zeit der Stundenrufer einen Apparat mit zwei leuchtenden Zeigern entwickelt.
Sie nannten ihn Wecker. Nützts nichts, so schadets nichts? So ist es dann doch nicht. Wer kurz vor einem Glockenschlag aus der Tiefschlafphase auftaucht, hat womöglich für die ganze Nacht ausgeträumt. Was folgt, ist qualvoll: Die Glocken schlagen im Viertelstundentakt den Countdown auf das Restguthaben Schlaf, three, two, one - fire! Der Wecker springt an, und ein müder Tag beginnt. Aber die Schlaflosen können sich trösten: Sie durften immerhin die ganze Nacht hindurch dem - laut Gossauer Gemeinderat – „Wohlklang“ der Kirchenglocken lauschen.

Was tun? Während der schwülen Sommernächte bei geschlossenem Fenster schlafen? Ohrenpfropfen besorgen? Am einfachsten wäre, man liesse in der Nacht auch die Glocken ruhen. Aber das geht nicht - weil es so Brauch ist, begründen Kirchenkreise. Und, so muss man anfügen, weil es nichts kostet. Sonst nämlich hätte sich auch die Kirche längst fragen müssen, ob sie mit diesem „Service“ ihren Mitgliedern - und vor allem der wachsenden Zahl von Nichtmitgliedern - noch einen Dienst erweist. Wer weiss, wenn all die hellebardenbestückten Stundenrufer ehrenamtlich gearbeitet hätten, vielleicht strichen sie dann heute noch um die Hausecken und riefen: „Hört ihr Leut . . .“

In andern Gemeinden wurde der nächtliche Zeitschlag längst eingestellt, weil man die Nachtruhe anderer Mitmenschen respektiert und man eingesehen hat, dass dieser “Service Public” veraltet ist. Wenn eine Tradition aufkosten der Nachtruhe und Gesundheit von Mitmenschen geht, sollte man von vernünftigen Menschen erwarten können, dass man sich für die Gesundheit entscheidet.
Nächstenliebe wird in der ref. Kirchgemeide Gossau nach dem Motto „Wasser predigen und Wein trinken” gelebt.
Die Ruhe und das Schlafen gibt es seit Menschengedenken. Die Kirchen kamen später und mit ihnen der Lärm und die Unterdrückung.

"...Das Bundesgericht betont die Notwendigkeit einer ungestörten Nachtruhe, weil tagsüber die Nervenkräfte des heutigen Menschen stark beansprucht werden. Es weist darauf hin, dass das Bimmeln von Kuhglocken zur Nachtzeit, d.h. vor allem dann, wenn der Strassenlärm abgenommen hat, besonders lästig ist..." Das Tragen von Kuhglocken ist in Wohngebieten denn auch von 20 Uhr bis 7 Uhr untersagt. Die noch lauteren Kirchenglocken müssten demnach mehr als besonders lästig sein.

Siehe auch: Glockenstreit in Gossau ZH geht wieder vor Bundesgericht

 
 
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