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"Der Lärm schützt uns vor peinlichem Nachdenken,
er zerstreut ängstliche Träume,
er versichert uns, dass wir ja alle zusammen seien und ein solches Getöse veranlassen, dass niemand es wagt, uns anzugreifen..."

Carl Gustav Jung
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Kirchenglocken-Lärm in Winterthur: Einwohner wollen endlich Ruhe  
17. Dezember 2009
Quelle: Landbote (Von: Marc Leutenegger)

Glockenlärm stört in Winterthur - Anwohner wehren sich.

Kirchenglocken in Winterthur: Bericht aus dem Landboten

Heimatliches Brauchtum oder Lärmbelästigung?

Im Eisweiherquartier wollen Anwohner die Kirchenglocke in der Nacht zum Verstummen bringen. Falls nötig mit rechtlichen Mitteln. Nicht nur Minarette haben Gegner. Auch dem Viertelstunden- und Stundenschlag der Kirchenglocken bläst in der Schweiz ein eisiger Wind entgegen. Eine Interessengemeinschaft macht im ganzen Land mobil gegen das Kirchengeläut: «Minarett – Muezzin – Scharia? Kirchturm – Glocke – Bimbam!» steht auf dem Plakat der IG «Stiller», das jenem der Minarett-Initiative zum Verwechseln ähnlich sieht.

In Winterthur spitzt sich ein Konflikt dieser Prägung zwischen Anwohnern und der katholischen Pfarrei Herz Jesu zu. In einem kürzlich verschickten Schreiben an den Stadtrat fordern 21 an der Eisweiherstrasse und der Langgasse wohnhafte Personen, «dass die katholische Kirche auf das Stunden- und Viertelstundenschlagen zwischen 22 und 7 Uhr verzichtet». Der Stadtrat solle die Kirche verpflichten, innerhalb eines Monats ein Lärmgutachten erstellen zu lassen. Die gemessenen Dezibelwerte dienten dann als Grundlage für eine gemeinsame Diskussion. Für den Fall, dass sich keine Lösung finden lässt, droht die Anwohnerschaft mit einer Klage.

Angespanntes Verhältnis

Es sei den Anwohnern wichtig, den Dialog zu suchen, betont Andreas Steiner, treibende Kraft hinter dem Begehren. Einen guten Start hat er in dieser Absicht allem Anschein nach aber nicht erwischt. Klaus Meyer, Pfarrer in der Kirche Herz Jesu, gibt sich auffallend wortkarg. Er habe von dem Schreiben Kenntnis genommen, sagt er, und wolle sich erst im Detail zur Angelegenheit äussern, wenn der Stadtrat Stellung genommen habe. Nur so viel: «Es gibt viele Leute, die den nächtlichen Glockenschlag schätzen. Gerade wenn man nicht einschlafen kann, ist es tröstlich zu wissen, dass die Zeit vorbeigeht.»

(Ohne Glockenlärm merken wir also nicht dass die Zeit vergeht...?)

Die Gegnerschaft sieht durch den viertelstündlichen Glockenschlag hingegen die Nachtruhe gestört und verweist auf die in der Winterthurer Polizeiverordnung festgeschriebene Ruhezeit von 22 bis 6 Uhr. Auf den Glockenschlag könne die Kirche gut verzichten, zumal er als Zeitangabe eine eher weltliche als religiöse Bedeutung habe, steht in dem an den Stadtrat gerichteten Brief. Dass diese Einschätzung nicht ganz falsch sei, findet Aschi Rutz, der Informationsbeauftragte der Katholischen Kirche im Kanton Zürich. «Der Kirchenglockenschlag gehört zum säkularen Kulturerbe», sagt er. Er sieht darin aber keinen Grund, den Brauch einzustellen. Es gebe eben auch viele, die den Glockenschlag vermissen würden. Jede Pfarrei müsse selber entscheiden, wie sie die Glocken einsetzen wolle.

Zur Frage, ob der Glockenschlag verzichtbar sei, will sich Pfarrer Meyer nicht äussern. Und auch Peter Allemann, Präsident der Römisch-katholischen Kirchgemeinde Winterthur, gibt sich zurückhaltend. «Dass man jetzt im Nachgang der Minarett-Initiative die Kirchenglocken ins Visier nimmt, finde ich bedauerlich», sagt er.

Von sieben katholischen Kirchen in der Stadt hätten heute nur noch drei in der Nacht einen Stundenschlag (Herz Jesu, St. Peter und Paul und St. Josef). Im Gegensatz dazu haben die Uhren der evangelisch-reformierten Landeskirche in Winterthur alle noch den Stundenschlag. Der Lärmdiskussion können sich aber freilich auch die Reformierten nicht entziehen. Sie haben eigens eine Broschüre herausgegeben, die Vorschläge macht, wie mit Lärmklagen umgegangen werden kann.

Komplizierte Rechtslage

Allemann hofft, dass es Pfarrei und Anwohnern unter Vermittlung der Stadt gelingt, einen Dialog zu führen. Kommt es hingegen zum Rechtsstreit, wird die Angelegenheit für alle Involvierten kompliziert. Denn für Kirchen sind keine gesetzlichen Lärmgrenzwerte festgelegt. Zudem haben jene Anwohner, die in den Neubauten auf dem Zelgli-Areal an der Eisweiherstrasse wohnen, in ihrem Kaufvertrag einen Passus unterschrieben, wonach sie «Immissionen aller Art, welche durch den Betrieb von Kirchenglocken entstehen», dulden werden. Ein pikantes Detail. Die Kirche hatte ihnen dafür im Gegenzug ein Näherpflanzrecht eingeräumt.

 

Kirchenglocken Umfrage im Landboten:

Kirchenglocken-Lärm in Winterthur: Umfrage im Landbote.

Fast 45% aller Abstimmenden stören sich gelegentlich oder gar ständig am Lärm der Kirchenglocken! Interessant auch, nur 8 Abstimmende (2%) hören überhaupt keine Glocken - Glockenlärm ist also allgegenwärtig.

 
 
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