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"Hat es ein allmächtiger Gott wirklich nötig dass man so einen Lärm um ihn machen muss?"

Stefan Mauerhofer (Co-Präsident Schweizer Freidenker)
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Kirchenglocken stören Urlaubsruhe in Ehrwald  
9. Januar 2006
Quelle: Tirol.com

Von den Kirchenglocken massiv gestört fühlen sich Urlauber in Ehrwald. Jetzt wurde auf Ansuchen eines Hoteliers das Betläuten frühmorgens reduziert.

von Simone Falger

Der Dorfsegen in der Zugspitzgemeinde Ehrwald hängt derzeit ein wenig schief. Auslöser dafür ist ein Ansuchen des Hoteliers Helmut Pesendorfer an den Pfarrgemeinderat. "Uns haben sehr viele Gäste darauf hingewiesen, dass sie täglich von den Kirchenglocken aus dem Schlaf gerissen werden", erklärt der Hotelier gegenüber der Tiroler Tageszeitung und fügt hinzu: "Unser Hotel steht in direkter Nachbarschaft zur Kirche.

Die Gäste haben oft schon bei ihrer Ankunft Angst, vom Läuten geweckt zu werden. Wenn man hier wohnt, ist man an das Läuten gewöhnt. Aber die Leute werden eben immer lärmempfindlicher."

Hinzu käme im Winter auch noch die morgendlich recht früh einsetzende Schneeräumung. Da laut Pesendorfer der Kampf um die Gäste immer härter werde, habe er die Frage an den Pfarrgemeinderat gestellt, ob das so genannte Betläuten um 7 Uhr früh nicht reduziert werden könne.

"Es gab eine höfliche Anfrage und diese haben wir im Pfarrgemeinderat behandelt. Natürlich wurde diskutiert.
Wenn's ums Läuten geht, kommen immer wieder Emotionen hoch", erläutert Pfarrer Herbert Kassebacher.
Der Pfarrgemeinderat habe sich aber letzten Endes doch dazu durchgerungen, das Glockenläuten "auf eine erträgliche Form zu reduzieren".

Dies bedeutet im Klartext, dass das Betläuten von eineinhalb bis zwei Minuten auf eine Minute verkürzt wurde. Dies sind laut Kassebacher rund sechs Schläge pro Einheit. Zudem werde das Schlagwerk morgens um 7 Uhr nicht mehr betätigt.

Das Verständnis dafür hält sich aber auch beim Gemeindeseelsorger in Grenzen: "Die Gäste, die sich darüber aufgeregt haben sind jene, die auf dem Land Urlaub machen wollen und städtische Verhältnisse wünschen."

Dass die Kirche der Änderung dennoch zugestimmt hat, sorgt derzeit an den Stammtischen für jede Menge Diskussionsstoff. Aussagen wie: "Die Kirche steht schon ein paar hundert Jahre länger als das Hotel.
Irgendwann passt den Herrschaften die Kirche nicht mehr. Wird sie dann abgerissen?" oder "Die Kirche darf da auf keinen Fall nachgeben. Da müssen wir uns voll dahinter stellen", sind zu hören.

Dass dadurch eine schiefe Optik entstehen könnte, glaubt Pesendorfer nicht: "Von mir aus können die Glocken ruhig läuten. Ich habe ein sehr gutes Verhältnis zur Kirche und auch zu unserem Pfarrer."

Die Kirche mag schon länger in Ehrwald stehen als das besagte Hotel - noch viel länger allerdings galt früher die Tradition der Nachtruhe! Was man am Beispiel Ehrwald auch sehr gut sieht: Sobald es ums Geld geht (Touristen), gehts üblicherweise sehr schnell mit der Reduzierung des Glockenlärms.

 
 
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