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"...und hätte ich die Liebe nicht, so wäre ich eine klingende Schelle."

Bibel (Paulus)
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Kirchgemeinden werden hellhörig  
4. März 2006
Quelle: Tages Anzeiger (von Erwin Haas)

Der Fluch des heiligen Bimbam hat Ausserschwyz erreicht: Neuzuzüger in Pfäffikon SZ haben das Kirchengeläut satt. Die Glockengegner haben sich mittlerweile national organisiert.

Freienbach SZ. - Die fünf Glocken der römisch-katholischen Sankt-Meinrads-Kirche im Freienbacher Ortsteil Pfäffikon gehören zu den grössten der Schweiz. 1965 wurden sie bei der Einweihung der neuen Kirche feierlich aufgezogen. Jetzt würden lärmgeplagte Neuzuzüger die Glocken oder wenigstens die Klöppel am liebsten herunterholen und einschmelzen. Als störend empfinden sie vor allem den viertelstündlichen Zeitschlag in der Nacht und das drei Minuten lange Frühgeläut um 6 Uhr. Allein die Zeittöne zwischen 22 und 6 Uhr machen 222 Weckschläge aus.

Die Beschwerden hätten sich gehäuft, ein Einwohner sei wegen der Nachtruhestörung sogar aus der Kirche ausgetreten, sagte Gemeindeleiter Hermann Schneider dem «Höfner Volksblatt». Jetzt lässt die Pfarrei zur Tagwacht nur noch eine Minute läuten. Doch das weckte umgehend den Leserbriefprotest von Einwohnern, die nicht genug bekommen können vom heimatlichen Glockenklang. Einer tat kund, er zahle künftig wegen der Drittelung der Läutzeit nur noch ein Drittel der Kirchensteuer.

Der Glockenstreit von Pfäffikon ist der neuste von vielen im Land. Mindestens 700 000 Menschen fühlen sich laut einer Link-Umfrage von 2005 für die «Coopzeitung» durch Kirchenglocken gestört, die meisten allerdings nur nachts. Messungen der Empa ergaben an einem offenen Fenster in 200 Meter Entfernung von der Kirche in Gossau ZH teilweise Lärmpegel wie bei einem Flugzeug im Landeanflug über Zumikon.
Die nationale Interessengemeinschaft IG Stiller (www.nachtruhe.info) pocht deshalb auf die Lärmschutzverordnung und verlangt ein generelles Glockenschweigen von 22 bis 7 Uhr.

Neuzuzüger sollen sich anpassen

Die Glockenfreunde wollen, dass sich Neuzuzüger anpassen, und sprechen im Hin und Her der Argumente jeweils von altem Brauchtum. Die IG Stiller ihrerseits will eine viel ältere Tradition wieder einführen - die Nachtruhe.
Die Glockengegner sagen, der nächtliche Stundenschlag sei nicht mehr nötig, weil heute jeder und jede Uhr und Wecker besitzen. Die evangelische Landeskirche hat den Kirchenpflegen für den Streitfall schon vor vier Jahren Kompromisse empfohlen.

Einzelne Kirchenpflegen sind durch den zunehmenden Unmut hellhörig geworden und haben die Empfehlung befolgt. Sie verschoben das Frühgeläut oder verzichten auf die Zeitschläge. In Greifensee versuchte die Kirchenpflege zuerst, den Lärm mit Gipsplatten an den Kirchturmlöchern und mit weicheren Klöppeln zu dämpfen. Schliesslich hat sie das Läuten in der Nacht ganz abgestellt. Andere Gemeinden beharren auf Stundenschlag und Frühgeläut, weil es die Mehrheit der Bevölkerung so wünscht. Im ländlichen Maschwanden etwa läuten die Glocken schon um 4.45 Uhr. Die Gemeinde hat nach einer Beschwerde eigens die Polizeiverordnung geändert, damit das Glockenspiel nicht als Lärm, sondern als Brauch durchgeht.

Entscheid des Bundesgerichts hängig

Lärmemissionen von Kirchen fallen unter das Umweltschutzgesetz und die Lärmschutzverordnung, weil Kirchen als Anlagen gelten. Die Bevölkerung darf in ihrem Wohlbefinden durch Anlagen nicht erheblich gestört werden. Das heisst aber, dass - wie zurzeit in Kyburg - in jedem Einzelfall gemessen werden muss, wie laut und störend die Glocken erklingen. Grundsätzlich wird die erbitterte Geläutdebatte erst in Lausanne entschieden. Alle Betroffenen warten auf einen Entscheid des Bundesgerichts zum Streitfall in Gossau, der nun schon vier Jahre andauert. In Wangen-Brüttisellen hatten die obersten Richter einem Kläger Recht gegeben, weil die kommunale Polizeiverordnung Lärm vor 7 Uhr verbietet. In einem Fall in Bubikon vor sechs Jahren billigten sie der Lokalbehörde aber grossen Ermessensspielraum zu beim Entscheid, ob das Frühgeläut zumutbar sei oder nicht. Die Glocken läuten dort weiterhin um 6 Uhr.

 
 
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