IG Stiller - www.nachtruhe.info
"...Das Bundesgericht betont die Notwendigkeit einer ungestörten Nachtruhe, weil tagsüber die Nervenkräfte des heutigen Menschen stark beansprucht werden.
Es weist darauf hin dass das Bimmeln von Kuhglocken zur Nachtzeit, d.h. vor allem dann, wenn der Strassenlärm abgenommen hat, besonders lästig ist..."

Bundesgericht, Lausanne
Bundesgericht, Lausanne

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Lärm oder Brauch: Der Streit um die Kirchenglocken  
21. März 2006
Quelle: Schweizer Fernsehen: Kassensturz

Die einen ärgern sich darüber, für die anderen ist das Läuten der Kirchenglocken ein schöner Brauch.

Kassensturz vom 21. März 2006

Vielerorts läuten die Glocken jede Viertelstunde - Tag und Nacht. In immer mehr Gemeinden kommt es deswegen zum Streit. Im Studio diskutieren Gegner und Befürworter des Glockengeläuts

Seit Jahren kämpft Christian Frei aus dem zürcherischen Gossau für mehr Ruhe. Nicht Strassen- oder Fluglärm rauben ihm und seiner fünfköpfigen Familie den Schlaf, sondern der nächtliche Glockenschlag der 200 Meter entfernten reformierten Kirche. Deshalb fordert Frei den Stopp der Zeit verkündenden Glockenschläge zwischen 22 Uhr und 6 Uhr morgens. Bis vor Bundesgericht hat er den Fall gezogen - und anfangs März verloren. Das Bundesgericht hatte die Argumentation der Vorinstanzen übernommen und die "althergebrachte Tradition" stärker gewichtet als das Bedürfnis nach Ruhe von Christian Frei und und schrieb in der Urteilsbegründung, es sei in diesem Fall zulässig, dass der Schall bei gekipptem und nicht bei offenem Fenster gemessen wurde.

Warum soll es ausgerechnet beim extrem lauten und störenden Glockenlärm zulässig sein, dass der Schall bei gekipptem und nicht bei offenem Fenster (wie bei allen anderen Lärmquellen!) gemessen wird?

 

Über das Glockengeläut Tag und Nacht beklagen sich vielerorts Anwohner. Doch im Gegensatz zum Fluglärm regelt kein Gesetz, wann und wie laut Glocken schlagen dürfen.
Warum nicht?

Viele Kirchgemeinden und Gemeinden berufen sich auf den Brauch. So auch der Gemeindepräsident von Gossau, Jürg Kündig: "Aus Sicht des Gemeinderats besteht keine Veranlassung, das abzustellen. Das Glockengeläut entspricht einer langen Tradition. Es gehört zu einer Landsgemeinde wie Gossau, und wir sehen keinen Grund, dagegen etwas zu unternehmen", sagt Kündig. Unterstützung erhält er aus der Bevölkerung. "Von mir aus sollen die Glocken läuten, weil die Kirche war schon immer hier", sagt zum Beispiel eine Gossauer Passantin.
Die Nachtruhe war schon immer hier. Dann das Läuten am Sonntag zur Messe. Von Hand. Dann immer mehr Läuten am Tag, immer noch von Hand. Dann plötzlich das Läuten mit Maschinen. (Was ist mit der Tradition des 'von Hand läutens' passiert?) Dann der Zeitschlag Tag und Nacht.
Das war früher. Heute sind wir im Internetzeitalter angekommen, und wir alle haben selber Uhren.

Der Streit um die Kirchenglocken spitzt sich in vielen Gemeinden zu. Der Kirchenrat des Kantons Zürich hat deshalb die Initiative ergriffen: In einer Broschüre empfiehlt er den Kirchgemeinden zur "Handreichung zum Glockenproblem". Die Vorschläge des Kirchenrats: Schallabdichtung der Glocken, Verschieben des Frühläutens oder das Abstellen des nächtlichen Uhrschlags. Veschiedene Kirchgemeinden kommen den Anwohnern entgegen: In der Zürcher Gemeinde Greifensee bleiben die Glocken des Nachts still. Ebenso in der Stadt Schaffhausen, im thurgauischen Berg oder in Arbon. Christian Frei gibt nicht auf und will trotz Bundesgerichtsurteil weiter für seine Ruhe kämpfen. Er hat einen Kläger gefunden, dessen Haus noch näher bei der Kirche steht. Der Glockenstreit in Gossau ist also nicht vorbei.
Der Glockenstreit in der Schweiz wird erst vorbei sein wenn die Tradition der Nachtruhe wieder eingeführt worden ist. Ohne die überflüssigen und gesundheitsschädlichen viertelstündlichen Weckschläge.

Das Resultat der SMS-Umfrage:
Von 13'200 Menschen in der Schweiz stimmten 48% für die Wiedereinführung der Nachtruhe - ohne die nächtlichen Weckschläge!

Mit stillen Grüssen
IG Stiller

 
 
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