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"Der Lärm schützt uns vor peinlichem Nachdenken,
er zerstreut ängstliche Träume,
er versichert uns, dass wir ja alle zusammen seien und ein solches Getöse veranlassen, dass niemand es wagt, uns anzugreifen..."

Carl Gustav Jung
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Laute Worte gegen den Lärm  
24. August 2006
Quelle: St.Galler Tagblatt (von Roger Berhalter)

Kontroverses Podium im Waaghaus zum Thema Lärm in der Stadt

Am meisten Krach macht in der Stadt der Verkehr. Aber auch Kirchenglocken-Schall und Restaurant-Radau ärgern viele Bürger. Am Podium zum Thema «Lärmige Stadt» waren deshalb einige laute Voten zu hören.

In den Ohren der Behörden ist der Fall klar: das grösste Lärmproblem der Stadt ist der Verkehr. «Dreizehntausend St. Galler müssen deswegen Lärmpegel ertragen, die über dem Grenzwert liegen», sagte Thomas Wepf von der Fachstelle für Umwelt und Energie in seinem Referat am Donnerstagabend. Zwar treffe vor allem der Kanton Massnahmen dagegen, indem er etwa Häuser an vielbefahrenen Strassen mit Schallschutzfenstern ausstatte. Gleichzeitig nehme aber der Verkehr ständig zu. «Die Lautstärke des Strassenverkehrs ist deshalb seit Jahren konstant», sagte Wepf.

Die Gewerbepolizei halten vor allem Restaurants und Bars in Trab. In diesem Jahr zählte sie bis Ende Juli 413 Lärmklagen. «Jede zweite betrifft Musik in Gastbetrieben», erläuterte Gewerbepolizeichef Walter Schweizer. Lautsprecher würden deshalb nur bewilligt, wenn sie wirklich nötig seien – bei Strassenmusikern auf keinen Fall. «Wir wollen Dauerberieselung vermeiden», sagte Schweizer. Derzeit bestehe in der Stadt auch ein Lärm-Moratorium: zu den grossen Feiern wie Olma, St. Galler Fest oder New Orleans Jazz Festival sollen keine weiteren lärmigen Veranstaltungen mehr hinzukommen.

Nicht alles hinnehmen
Robert Hofmann, Präsident der Schweizerischen Liga gegen Lärm, hatte in seinem Eingangsreferat den Begriff Nachbarschaftslärm verwendet. Die anschliessende Podiumsdiskussion zeigte, was die St. Galler Bürger konkret darunter verstehen. Ein Stadtbewohner ärgerte sich über die «Knallerei» am 1. August und an Silvester («Diese Leidenschaft sollen die Leute im Schützenhaus ausleben.») und bezeichnete die Hupkonzerte während der Fussball-WM als «unbewilligte Demonstration».

Andere Innenstadtbewohner zeigten wenig Verständnis für jene Lieferanten, die ihre Waren frühmorgens in den Gassen ausladen. «Als Anwohner sind wir sehr tolerant. Aber alles können wir nicht hinnehmen», sagte Barbara Deuber-Truniger, Co-Präsidentin des Quartiervereins Gallusplatz.

Glockengeläut abstellen
Wieder andere orteten den Grund allen Lärm-Übels in höheren Sphären. «Am meisten stört die Leute der Klang der Kirchenglocken in der Nacht, wie unsere Umfragen (Meta-Analysen aller 3 Glockenlärm-Umfragen) zeigen», sagte Samuel Büechi von IG Stiller. Seit Jahren wehrt sich die Interessengruppe dagegen, dass Kirchenglocken in der Nacht schlagen. Im Waaghaus war sie gleich mit mehreren Vorstandsmitgliedern vertreten. Unterstützung erhielten sie von einem Anwohner des Klosterplatzes. Er forderte die Gewerbepolizei auf, ihre Ohren weg vom Menschen- hin zum Maschinen- oder eben Glockenlärm zu richten und fragte: «Ist die Gewerbepolizei auch dann noch so mutig, wenn sie vor der katholischen Administration antraben muss?»

(Der besagte Anwohner des Klosterplatzes war der einizge aus dem Publikum der für sein mutiges Statement Applaus bekommen hat - und zwar nicht nur von IG Stiller Mitgliedern!)

Lärmproblem angezweifelt
Einem Bewohner der Brühlgasse bereiten hingegen die lauten Bars schlaflose Nächte: «Ich wäre manchmal froh, würde ich die Kirchenglocken hören.» Fredi Brändle, Präsident des Quartiervereins St. Mangen, gab ihm Recht: «Der Krach aus Restaurants und Bars ist das Hauptproblem. Deren Betrieb bis auf 24 Stunden auszudehnen, ist unvernünftig.»

SP-Parlamentarierin und Innenstadtbewohnerin Bettina Surber vertrat eine andere Meinung als die meisten Anwesenden. Sie wünschte sich eine lebendigere Stadt, in der sich Menschen im öffentlichen Raum begegnen können, und hielt fest: «St. Gallen hat kein Lärmproblem.»

 
 
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