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"Lärm bedeutete bei unseren Vorfahren "Gefahr!" und ist daher in unseren Genen als ALARM gespeichert.
Deshalb ist aus medizinischer Sicht eine Gewöhnung an Lärm nicht möglich."

Dr. Hans Göschke, Aerzte für Umweltschutz, Oberwil
Dr. Hans Göschke,  Aerzte für Umweltschutz, Oberwil

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Leises läuten schont die Ohren und die Glocken!  
11. September 2005
Quelle: Lärm-Report 1/2000/9

Früher war der ärgste Feind einer Kirchenglocke der eifrige Glöckner, dessen Ehrgeiz den Innenwänden des Instrumentes zusetzte. Heute wird versucht, den Verkehrslärm überall zu übertönen.
Dies bringt die Klöppel auf Touren und ruiniert das Material, wie eine Studie des Vereins Deutscher Gießereifachleute nun zeigt.
Ein nur um einen Grad erhöhter Läutewinkel verkürzt die Lebensdauer einer Glocke um 14 Prozent.

Leise läuten, länger Leben, müsste die Parole nun heißen und ist gesund für Glocken und deren Nachbarn.

Rechtlich werden bei der Beurteilung von Lärmbelästigungen durch Glockengeläut unterschieden zwischen:
- Zeitläuten
- Tägliches Gebetsläuten
- Zusammenläuten zum Gottesdienst

Zeitläuten
Das Zeitschlagen von Kirchturmuhren unterliegt grundsätzlich den allgemein geltenden Anforderungen des Immissionsschutzes. Das Bundesverwaltungsgericht hat dabei mit Urteil vom 30.4.1992 über das Zeitschlagen während der Nachtzeit (22.00 bis 6.00 Uhr) entschieden, es kann aber auch für den Tagzeitraum angewendet werden:

Der Urteilsbegründung ist im Wesentlichen zu entnehmen, dass hierfür die Vorschriften für nicht genehmigungsbedürftige Anlagen anwendbar sind, das Schlagwerk der Uhr ist eine Anlage im Sinne des § 3 Abs. 5 Nr. BImSchG und muss den Anforderungen des § 22 Abs. 1 BImSchG genügen.
Wann schädliche Umwelteinwirkungen vorliegen, ist unter Berücksichtigung der Immissionsrichtwerte nach TA-Lärm (seinerzeit alt) und unter Berücksichtigung der Gebietsart und der durch die tatsächlichen Verhältnisse bestimmten Schutzwürdigkeit und Schutzbedürftigkeit zu beurteilen.

Das Bundesverwaltungsgericht erachtet es dabei auch als zulässig, z.B. eine Teiluntersagung des Betriebes solcher Anlagen (Untersagung des Zeitglockenschlagens während der Nachtzeit) auszusprechen.

Tägliches Gebetsläuten – Angelusläuten
Unter Angelusläuten ist das in der Regel 3 x täglich (morgens, mittags und abends) stattfindende Gebet zu verstehen. Es besteht insgesamt aus 3 x 3 Glockenschlägen und einem etwas längeren Abschlussgeläut.

Das Bundesverwaltungsgericht betrachtet mit Beschluss vom 2.9.1996 das Angelusläuten als liturgisches Glockenläuten, führt jedoch aus, dass für die Frage der Zumutbarkeit in erster Linie auf die Lautstärke und Lästigkeit des Einzelgeräusches abzustellen ist.

Das Angelusläuten hat in der Katholischen Kirche eine große Tradition, während der Glockenschläge versammelte man sich zum Gebet, insbesondere die Arbeiter auf dem Feld. Heute ist dies kaum noch denkbar. Über zu lautes Angelusläuten gibt es wenig Beschwerden, es sei denn, eine Pfarrei möchte seine Mitglieder zu Frühaufstehern erziehen und läutet bereits um Fünf in der Frühe.

Zusammenläuten zum Gottesdienst
In der Regel ist davon auszugehen, dass das Zusammenläuten zum Gottesdienst, das nur bei wenigen Gelegenheiten während der Woche erfolgt (einschließlich Taufe, Hochzeiten, Begräbnisfeiern) als "seltenes Ereignis" zulässig ist, sofern nicht von einer exzessiven, über das erwartbare Maß hinausgehende Läute-praxis ausgegangen werden kann.

Teilweise unterliegen sowohl liturgisches als auch Zeitläuten auch den Anforderungen der Landes-Immissionsschutzgesetze. Einzelne Bistümer regeln das Läuten auch in eigenen "Läuteordnungen".

Die Tradition des Läutens ist natürlich tief verankert, aber sie erfüllt heute nicht mehr die Aufgaben früherer Zeiten. Darum könnte auch hier ein Umdenken stattfinden.
Etwas weniger Läuten könnte mehr sein und an Bedeutung gewinnen.

Urteile und Aktenzeichen:
- VG Karlsruhe vom 17.9.1980 – AZ.: 7 K 35/80
- VGH Mannheim vom 10.3.1981 – AZ.: 10 S 2339/80
- BVerwG vom 7.10. 1983 – AZ 7 C 44.81
- VGH München vom 6.10.1993 – AZ.: 22 B 93.1300
- BVerwG vom 28.1.1994 – AZ.: 7 B 198.93
- BVerwG vom 30.4.1992 - AZ.: 7 C 25.91
- BVerwG vom 2.9.1996 – AZ.: 4 B 152.96

 
 
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