IG Stiller - www.nachtruhe.info
"In der Gegenwart, wo eine Armbanduhr zur persönlichen Grundausstattung zählt, hat das Glockenläuten jede nützliche Funktion eingebüßt.
 
Ebenso ist das laute Schlagen von Turmuhren in einem paradoxen Sinn anachronistisch geworden: zeitwidrig."

Dr. Joachim Kahl (Philosoph und Autor)
Dr. Joachim Kahl (Philosoph und Autor)

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Nach Kompromissen suchen  
9. März 2006
Quelle: Wiler Zeitung

Nach Kompromissen suchen

(Zu «Schlägt bald die letzte Stunde?», «Wiler Zeitung» vom 22. Februar sowie zu diversen Leserbriefen)

Der Artikel über das Läuten der Kirchenglocken in Wil hat mir aus der Seele gesprochen. Die Forderungen der «IG Stiller» wurden klar formuliert und sind verständlich. Schade ist nur, dass nicht alle Bewohnerinnen und Bewohner, welche unmittelbar neben einer Kirche in Wil wohnen, zu diesem Thema befragt worden sind. Wieso sollen die Glocken nur in der Altstadt nicht mehr läuten? Ist die Kirche dort denn lauter? Schade sind auch die Reaktionen des Kirchenverwaltungsrates der katholischen und evangelischen Kirche sowie gewisser Einwohner der Stadt. Im Leserbrief vom 6. März beschreibt Herr Gasser, dass der Zeitschlag in der Nacht und das Morgenläuten erhalten bleiben müssen. Wieso? Was sind die Gründe? Bitte argumentieren Sie doch!

Unter den Teppich gekehrt

Der Präsident des Kirchenverwaltungsrates reagiert mit einem müden Lächeln auf die Forderungen der «IG Stiller». Im Vordergrund stehen die Kompetenzen der Kirche. Das Anliegen wird schnell unter den Teppich gekehrt. Wo bleibt hier die weltoffene und tolerante Kirche? Da fehlt nur noch das Argument, dass die Kirche schliesslich zuerst dort gestanden sei! Anstatt gemeinsam Kompromisse zu suchen, wedelt man mit dem Zeigefinger, schaut weg oder spricht ein Machtwort. So kommen wir doch nicht weiter.

Wieso ist es nicht möglich, die Kirchenglocken zwischen 22 und 7 Uhr verstummen zu lassen? Wir sprechen von neun Stunden, beziehungsweise von rund 300 Glockenschlägen (das Morgenläuten nicht mitgezählt). Das Abstellen der Glocken würde für die Anwohnerinnen und Anwohner einer Kirche eine spürbare Besserung der Lebensqualität bedeuten. Die Kirche läutet wahnsinnig viel «ein und aus» (Tagesbeginn, Vesper, Sonntage usw.) Vor der Messe an Sonntagen läuten alle fünf Glocken während fast 15 Minuten. Warum müssen sie denn so lange läuten? Kann man das Geläute nicht auf fünf Minuten reduzieren?

Ernst zu nehmende Gedanken

Meine Fragen können nur Personen nachvollziehen, die direkt neben einer Kirche wohnen. Meinungen, wie: «Selbst Schuld, man zieht auch nicht neben eine Kirche» oder «Sie sollten Ihren Wohnsitz schnellstens auf eine Alp verlegen» nützen hier nicht viel. Meine Motivation lag nicht so nahe als möglich bei der Kirche, sondern so nahe wie möglich am Bahnhof zu wohnen. Die Anliegen der Anwohnerinnen und Anwohner einer Kirche und deren Einschränkungen der Lebensqualität durch das Geläute der Glocken sind ernst zu nehmende Gedanken. Man muss nicht gleich alle Forderungen der «IG Stiller» umsetzen. Aber man muss den Wiler Bürgerinnen und Bürgern ein offenes Ohr schenken. Man sollte fähig sein, die Anliegen sachlich zu behandeln, diese gemeinsam an einem Tisch zu bereden und nachhaltige Lösungen zu finden.

Meine Damen und Herren des Kirchenverwaltungsrates, Herr Gasser und andere Gegner der «IG Stiller»: Geben Sie sich doch einen Ruck. Bitte schenken Sie dem Anliegen Gehör, winken Sie nicht gleich ab, sondern begeben Sie sich auf die Suche nach Lösungsansätzen. Veränderungen können durchaus auch positiv und befreiend sein.

Renata Togni, Wil

Sehr geehrte Frau Togni,

Vielen dank für Ihren mutigen Leserbrief. Sie haben natürlich recht: Die Lebensqualität um alle 3 Kirchen in Wil ist durch den allgegenwärtigen Glockenlärm - vorallem die viertelstündlichen nächtlichen Weckschläge - massiv eingeschränkt. Aus finanziellen Gründen, haben wir uns entschlossen, die Umfrage vorerst nur in der Altstadt durchzuführen.

Wir würden uns freuen Sie als Mitglied bei uns zu begrüssen und laden Sie auch herzlich zu unserem Informationsnachmittag am Tag gegen Lärm, 25 April 2006 in St. Gallen ein.

Mit stillen Grüssen
IG Stiller

 
 
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