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Nachts sollen die Kirchenglocken ruhen  
7. Februar 2007
Quelle: Tages-Anzeiger (von Arthur Schäppi)

Anwohner der reformierten Kirche in Rüschlikon verlangen den Verzicht auf den nächtlichen Glockenschlag. Ob sie damit bei der Kirchenpflege Gehör finden, ist noch offen.

Rüschlikon - Ist es heute noch zeitgemäss und den Anwohnern zuzumuten, dass in der Nacht die Kirchenglocken alle 15 Minuten den Zeitschlag angeben? Diese Frage, die landesweit schon manche Gemeinde aufgewühlt und die Rechtsinstanzen schon bis hin zum Bundesgericht beschäftigt hat, ist jetzt auch in Rüschlikon zum brisanten Thema geworden. Anwohner der reformierten Kirche, die sich in ihrer Nachtruhe gestört fühlen, verlangen in einem gemeinsamen Antrag an die reformierte Kirchenpflege den Verzicht auf das nächtliche Glockengebimmel.

Glocken blieben lange stumm

Der Zeitpunkt der Eingabe dürfte kaum zufällig sein. Während Monaten nämlich konnten die Anwohner unlängst noch schlummern, ohne vom anscheinend als missliebigen Lärm empfundenen Kirchturmgeläut gestört zu werden. Renovationsarbeiten im reformierten Gotteshaus hatten nämlich die Turmglocken zwischen Juni und Dezember letzten Jahres zwangsläufig ganz zum Schweigen gebracht. Mit der heiligen Nachtruhe ist es für die Nachbarschaft seither aber wieder vorbei.

Frühgeläut bereits verschoben

Kirchenpflegepräsident Christian Rockstroh bestätigt den aktuellen schriftlichen Antrag von Anwohnern an die reformierte Kirchenpflege. Nähere Angaben zum Initiantenkreis der Aktion und zum genauen Inhalt des Schreibens mag er indes vorläufig nicht machen. Persönlich ist Rockstroh der Meinung, dass das heutige nächtliche Läutregime mit Viertelstunden- und Stundenschlag «bei der grossen, schweigenden Mehrheit in Rüschlikon gut akzeptiert ist».
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Und er erinnert auch daran, dass vor rund zwei Jahren bereits das morgendliche Frühgeläut von 6 auf 7 Uhr verschoben worden war. Über das weitere Vorgehen bezüglich des Nachtgeläutes werde die Kirchenpflege aber erst zu einem späteren Zeitpunkt entscheiden, betont der Kirchenpflegepräsident.

Anwohner zum Gespräch eingeladen

Für gestern Abend spät sind die Initianten der schriftlichen Eingabe von der Kirchenpflege vorerst einmal zu einem Gespräch und zur Darlegung ihrer Anliegen eingeladen worden. Sollten sich Anwohner und Kirchenbehörde letztlich nicht einigen können, stehe den Anwohnern selbstverständlich der Rechtsweg offen, meinte Rockstroh. Und der führte in mehr oder weniger vergleichbaren Fällen, wie etwa im letzten März in Gossau ZH, auch schon mal bis nach Lausanne. Die Bundesrichter gewichteten damals die allgemeine Akzeptanz und Tradition des nächtlichen Glockenschlags höher als die Lärmstörung und wiesen eine Beschwerde ab. Ausschlaggebend für den Bundesgerichtsentscheid war damals freilich auch, dass der Kläger nicht in unmittelbarer Nachbarschaft des Glockenturms wohnte und der Dezibelwert als noch vertretbar eingestuft wurde.

Erste Instanz bei einem Rechtsstreit um das Rüschliker Glockengeläut bei Nacht wäre im Übrigen nicht die Gemeinde, sondern die kantonale Baurekurskommission, wie Rüschlikons Gemeindeschreiber Benno Albisser abgeklärt hat. In der kommunalen Polizeiverordnung sei das Kirchengeläut ohnehin nicht speziell geregelt, bestätigt er. Weil Kirchen als Anlagen gelten, fallen Lärmemissionen von Kirchen unter das Umweltschutzgesetz und die Lärmschutzverordnung.

 
 
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