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"Von Seiten des Bistums besteht keine Verpflichtung, die Kirchenglocken morgens zu läuten.
Noch weniger besteht eine Vorschrift bezüglich des Zeitpunktes des Glockengeläutes..."

Ivo Fürer, Altbischof Bistum St. Gallen
Ivo Fürer, Altbischof Bistum St. Gallen

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Otelfingen: Initiative will Stundenschlag in der Nacht unterbinden  
4. November 2005
Quelle: Zuonline (von Roland Tellenbach)

Glocke soll Ruhe geben

Nun muss sich auch Otelfingen mit dem Läuten der Kirchenglocken befassen. Während dies andernorts zu Streit geführt hat, ziehen hier aber Kirchenpflege und Anwohner am selben Strick.

Keine dunklen Wolken über dem Otelfinger Kirchturm – obwohl der Stundenschlag der Glocken in der Nacht per Initiative eingeschränkt werden soll. (rt)

«Ich habe gedacht, ich würde mich irgendwann an die Glocken gewöhnen. Das war aber leider nicht der Fall», erklärt Gerda Kressig. Sie wohnt mit ihrem Mann seit acht Jahren in einer Dachwohnung in unmittelbarer Nachbarschaft der Otelfinger Kirche. Das Paar stört sich allerdings nicht am Frühläuten, das schon um 6 Uhr den Tag begrüsst. Als Frühaufsteherin findet Gerda dies sogar «ausgesprochen heimelig». Mit dem Stundenschlag, der auch in der Nacht alle 15 Minuten die Zeit verkündet, konnte sie sich aber im Lauf der Jahre nicht anfreunden: «Es hallt enorm unter dem Dach.» Gerda Kressig schrieb deshalb vor einiger Zeit einen Brief an die Kirchenpflege mit dem Vorschlag, die Stundenschläge zwischen 24 und 6 Uhr einzustellen.

Reine Dienstleistung

Gerda Kressig war von der Reaktion der Kirchenbehörde positiv überrascht. Es war nämlich deren Idee, den Stimmberechtigten das Anliegen in Form einer Einzelinitiative vorzulegen. Sie wird am Sonntag, 4. Dezember, vor die Gemeindeversammlung kommen.

«Obwohl die Kirchenpflege die Läuteordnung in eigener Kompetenz ändern könnte, möchten wir die Meinung der Kirchgemeinde erfahren», erklärt Kirchgemeindepräsident Werner Kübler dazu. Mit der Abstimmung über eine Initiative sei dies viel einfacher möglich als mit einer aufwändigen Umfrage.

Die Weisung für die Kirchgemeindeversammlung liegt zwar noch nicht vor, Kübler macht aber kein Geheimnis daraus, dass die Pflege das Anliegen der Anwohner unterstützt. «Der Stundenschlag hat keine religiöse Bedeutung, sondern ist eher eine Dienstleistung für die Bevölkerung. Deshalb könnten wir mit einer Einschränkung gut leben. Heute steht auf jedem Nachttisch ein Funkwecker. Darum kann man den Sinn des nächtlichen Glockenschlags mit Fug und Recht in Frage stellen.»

Änderung am Schlagwerk nötig

Die Kirchenpflege will den Segen der Stimmberechtigten noch aus einem zweiten Grund: Am alten, mechanischen Schlagwerk der Turmuhr sind Änderungen nötig. «Es muss eine Schlagsperre eingebaut werden, sonst kann der Stundenschlag in der Nacht gar nicht unterbrochen werden», erklärt Kübler. Das ist mit Investitionen in der Höhe von rund 8500 Franken verbunden. Davon würden die Initianten 2000 Franken übernehmen. «So viel ist uns unsere Nachtruhe wert», sagt Gerda Kressig.

Und wenn die Einzelinitiative abgelehnt wird? Gerda Kressig hat sich noch keine Gedanken darüber gemacht, ob sie versuchen würde, ihr Anliegen auch auf rechtlichem Weg durchzusetzen. «Ich bin zuversichtlich, dass es am 4. Dezember ein Ja gibt», meint sie.

 
 
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