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Das Wort "Glocke" kommt in der Bibel nicht vor!
"Läute dem Herrn und warte auf ihn" suchen wir darin vergebens.

Wir finden aber:
"Sei stille dem Herrn und warte auf ihn."

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Pressemitteilung IG Stiller März 2006  
7. März 2006
Quelle: Pressemittteilung IG Stiller

Kommentar zum Bundesgerichtsentscheid vom 20.2.05 (SDA Nachricht von heute – siehe unten)

 

1. Situation in Gossau ZH

Der Entscheid des Verwaltungsgerichtes vom 27.4.05 wurde damit bestätigt. Bei Dezibel-Werten von 58-66 dB müssen Massnahmen getroffen werden. Der Gemeinde Gossau liegt seit Sommer 05 eine Klage vor, welche auch von einem Bürger eingereicht wurde, welcher neben der Kirche ein Haus besitzt. Da die Werte hier im besagten Bereich liegen dürften, muss die Gemeinde handeln.

Der aufgeweckte Bürger hat also sehr gute Chancen, schlussendlich doch noch zur verdienten Nachtruhe zu kommen.

2. Kritik am Bundesgerichtsentscheid

Der heute bekannt gewordene Bundesgerichtsentscheid wird in drei Punkten kritisiert:

1. Messmethode: Es ist nicht einzusehen, warum für jene Lärmarten, für welche die Lärmschutzverordnung (LSV) keine Grenzwerte festlegt, die Lautstärke nicht ebenfalls in der Mitte des offenen Fensters gemessen werden soll, analog zu jenen Lärmarten, für welche die LSV einen Grenzwert vorsieht.

2. Rechtsgleichheit: Es ist nicht einzusehen, warum der Grenzwert für Verkehrs- und Industrielärm in der LSV bei offenem Fenster festgelegt wurde, für einen Grenzwert jedoch, der vom Richter für Glockenlärm festgesetzt wird, das Fenster gekippt gehalten werden soll.

3. Das Bundesgericht nimmt insbesondere keine Rücksicht auf Personen mit besonderer Empfindlichkeit, obwohl es selber ausführt, dass solche Personen gemäss LSV zu berücksichtigen seien.

3. Kritik am EMPA-Gutachten

Der Verwaltungsgerichtsentscheid wurde auf Basis mangelhafter wissenschaftlicher Grundlagen getroffen. Es fehlen Grundlagen zur Beurteilung der gesundheitsschädigenden Wirkung von Glockenlärm. Dies wird auch im EMPA Gutachten zum Fall Gossau festgehalten. Trotz dieser Einsicht beruft sich der Gutachter im Folgenden aber auf die für Fluglärm bekannten Werte und kommt zum Schluss, dass der Kläger ja nur selten geweckt werde.

Dass es beim Fluglärm Nachtruhe gibt, wird nicht diskutiert. Nicht berücksichtigt wird auch, dass Glockenlärm eine impulsartige Lärmart ist, bei welcher der Pegelwert schnell anschwellt und bei welcher Aufweckreaktionen auch bei niedrigeren Werten zu erwarten sind.

Vom Gericht nicht berücksichtigt wurden auch (im Gutachten zitierte) Quellen , (WHO Guidelines for Community Noise, WHO 2002, welche eine gesundheitsschädigende Wirkung ab 45 dB aufzeigt (critical health effect) und das Akustik Kolloquium von Mark Brink an der ETH, 2004, welches Maximalpegel von weniger als 50-55 dB als präventivmedizinisches Schutzziel für ein einzelnes Ereignis nennt.) welche für einen niedrigeren Grenzwert gesprochen hätten. Dies wäre wichtig, weil der Zeitschlag kein seltenes Ereignis ist – er ertönt zwischen 22 und 6 Uhr 33 mal und besteht aus über Hundert einzelnen Signalen.

Von ärztlicher Seite wird empfohlen, bei Schlafstörungen den Wecker unters Bett zu stellen, damit man/frau nicht immer an die Zeit erinnert wird. Leider ist das für den Kirchturm weder praktikabel noch sinnvoll.


Nächtliches Glockengeläut in Gossau ZH

Aufgeweckter Anwohner vor Bundesgericht erfolglos

Lausanne (sda) Die Glocken der evangelisch-reformierten Kirche in Gossau ZH dürfen nachts weiter im Viertelstundentakt schlagen. Das Bundesgericht hat die Beschwerde eines Anwohners abgewiesen.

Der Betroffene hat von seinem Schlafzimmer aus freie Sicht auf den rund 200 Meter entfernten Kirchturm. Vom Glockengeläut regelmässig im Schlaf gestört, forderte er 2003 vom Gemeinderat, dass die Nachtruhe einzuhalten sei und zwischen 21.45 Uhr und 6.00 Uhr auf die Stunden- und Viertelstundenschläge verzichtet werde.

Lärmwerte bei gekipptem Fenster

Das Gesuch blieb jedoch ebenso erfolglos wie seine anschliessenden Eingaben an die kantonale Baurekurskommission und das Zürcher Verwaltungsgericht. Das Bundesgericht hat seine Beschwerde nun ebenfalls abgewiesen. Er hatte unter anderem geltend gemacht, dass von falschen Lärmwerten ausgegangen worden sei.

Statt den 46 bis 54 Dezibel, die bei gekipptem Fenster gemessen worden seien, müssten die Werte von 61 bis 69 Dezibel bei offenem Fenster herangezogen werden. Laut den Lausanner Richtern ist es jedoch sachlich korrekt, dass das Verwaltungsgericht auf die Lärmsituation bei spaltweise geöffnetem Fenster abgestellt hat.

Allgemein akzeptierte Tradition

Daran ändere der Einwand des Betroffenen nichts, dass ihm dies in heissen Nächten nicht zuzumuten sei. Im weiteren seien die lokalen Behörden und die Vorinstanzen davon ausgegangen, dass in Gossau der Stundenschlag allgemein akzeptiert werde und an der Beibehaltung dieser Tradition ein öffentliches Interesse bestehe.

Das Bundesgericht habe keinen Anlass, von dieser Beurteilung abzuweichen. Dass sich der Beschwerdeführer und allenfalls einige wenige Nachbarn durch das Glockengeläut belästigt fühlen würden, vermöge lärmbegrenzende Massnahmen noch nicht zu rechtfertigen.

Anders könnte es aussehen, wenn sich ein Anwohner aus der unmittelbaren Nähe der Kirche beschweren würde.
Das Zürcher Verwaltungsgericht hatte nämlich festgehalten, dass dann mit um 12 Dezibel höheren Lärmwerten zu rechnen wäre, was «den Rahmen des Vertretbaren sprengen dürfte».


(Urteil 1A.159/2005 vom 20. Februar 2006; keine BGE-Publikation)

 
 
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