IG Stiller - www.nachtruhe.info
"...Viele Kirchgemeinden müssen das musikalische Erlebnis verbessern.
Wenn die Kirchen so läuten, dass die Bewohner die Fenster schliessen, sind die Glocken zu laut, und ihr Klang ist unangenehm..."

Glockenexperte Matthias Walter in der Zeitschrift 'Sonntag'.
Glockenexperte Matthias Walter in der Zeitschrift 'Sonntag'.

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Pressemitteilung IG Stiller November 2007  
28. November 2007
Quelle: Pressemitteilung der IG Stiller

Trogen - Schildbürgerstreich:
Der Glockenstuhl soll verkleidet werden. So hat der Gemeinderat am 13.11. entschieden. Die Kosten betragen Fr. 23'000. Gerechnet wird mit einer Schallverminderung von 10-15 dB(A). Nicht einberechnet wurden wohl die Kosten für die Nachmessungen. Das Abstellen des Zeitschlages während der gesetzlich vorgeschriebenen Ruhezeiten wäre praktisch gratis gewesen und weitere Klagen wären chancenlos geblieben.

Nicht so bei der vom Gemeinderat angestrebten Lösung. Da kein offizieller Grenzwert besteht und Hinweise bestehen, dass der bestehende Richtwert nach unten verschoben werden könnte, werden die Kirchenglocken von Trogen weiterhin die Gemüter in Trogen erhitzen und in der Schweiz erheitern.

Deutschland (Heilbronn-Neckargartach):
Wie unser Korrespondent aus Deutschland berichtet, hat der Kläger gegen den Nachtglockenlärm - nach einigen Lärmminderungsmassnahmen der Kirche - das erstinstanzliche Verfahren vor dem Amtsgericht Heilbronn verloren.
Der Richter war augenscheinlich risikoscheu und blieb auf der eingefahrenen Lärm-Limitierung-Spur, obwohl der Wortlaut von § 22 I 1 BImSchG für technisch vermeidbaren Lärm Vermeidung gebietet und jedermann anders so behandelt wird. Gleichwohl war die Klage nicht umsonst. Einerseits besteht wohl eine Berufungsmöglichkeit, andererseits wird aufschlussreich, mit welchen Gründen die Argumente der Kläger verworfen wurden.

Die Glockenleidtragenden der Region werden sich erstmals treffen und die Sache in Heilbronn besprechen. Vor allem aber interessiert sich erstmals die grösste Zeitung in Württemberg, die Stuttgarter Nachrichten für die Argumente der Nachtruhefreunde. Pate dürften wohl die dauerhaften Anwohnerklagen gegen den nächtlichen Fluglärm in Stuttgart-Echterdingen gestanden haben. Es wird hier ein Interview mit Foto einer hausbreiten Anti-Nachtglocken-Protestinschrift neben der Kirche geben.

Gossau ZH - Ergebnisse der Lärmumfrage 2007:
Hier die Auswertung der aktuellsten Umfrage, die im November 2007 in Gossau ZH im Umkreis von ca. 300 m um die reformierte Kirche durchgeführt wurde. Die anonyme Auswertung erfolgte durch das Treuhandbüro Kern in Wangen b. Dübendorf. Es beteiligten sich 138 Personen. Die Resultate der wichtigsten Fragen:

· Am nächtlichen Glockenschlag stören sich total oft/sehr oft/immer: 31 %.

· Dass die Gemeinde die ganze Nacht per Glocke die Zeit schlägt, finden unnötig/störend total: 48 %.

· Aus Rücksicht auf betroffene Mitmenschen, insbesondere auch auf Kinder, ältere Menschen, Kranke, könnte auf den Zeitschlag zwischen 19.00 und 07.00 verzichten werden: eigentlich schon/ja: 48 %.

· Wir fordern die sofortige Einhaltung der erweiterten Nachtruhe: 32 %.

Das Ergebnis zeigt klar, dass man nicht mehr von einzelnen Personen sprechen kann, die sich durch den nächtlichen Zeitschlag gestört fühlen. Der Fall Gossau ZH muss neu beurteilt werden. Die sofortige Einhaltung der erweiterten Nachtruhe ist überfällig. Die IG Stiller wird in Kürze das Verwaltungsgericht des Kantons Zürich über den Ausgang der Umfrage informieren.

Feuerthalen:
Neuer Kirchturm liefert Solarstrom, aber keinen Stundenschlag. 100 Kinder haben drei Glocken auf den Turm der neuen katholischen Kirche gezogen. Solarpanels am obersten Viertel liefern rund 1500 Kilowattstunden Strom im Jahr. Auf Morgenläuten und Stundenschlag wird bewusst verzichtet, da dies immer wieder zu Auseinandersetzungen führt. Die Glocken sollen die Menschen an den Glauben erinnern und zur Menschlichkeit mahnen und nicht Streit stiften, sagte der Vikar von Feuerthalen. (Tagesanzeiger 25.10.07).

Österreich, (Bürs):
Glockenstreit klingt leise aus. Um die Martinskirche soll bald wieder Frieden herrschen. Nachdem Nachbarn gefordert hatten, dass auf den Glockenlärm zwischen 22 und 7 Uhr zu verzichten sei, wird vorerst das Morgenläuten von 6 auf 7 Uhr verschoben. Bezüglich dem nächtlichen Zeitschlag soll auf Basis einer Lärmmessung ein Kompromiss gefunden werden (Vorarlberger Nachrichten, 14.11.07).

Da lob ich mir den Muezzin, denn er ertönt nur 5 Mal am Tag.
(Statement von Vorstandsmitglied Alfons Gabriel)

Besten Dank allen Kirchen für ihre permanente Verbreitung von Heimatgefühl und der Aufrechterhaltung von Traditionen. Es ist wunderbar für all’ Jene, die Anteil am Glockenläuten und Zeitschlag nehmen wollen.

Wir für unseren Teil "bedanken" uns für den Lärm, der in der Schweiz flächendeckend und täglich über 24 Stunden von den Kirchen verbreitet wird. Es gibt fast nichts Schöneres, als beim Ausspannen zu Hause, beim gemütlichen Zusammensein mit Freunden, beim Ein- oder Ausschlafen (von Durchschlafen gar nicht zu reden) und was auch immer, ihrem überlauten, durch verschiedene Kirchen gleichzeitig verursachten disharmonischen und unsynchronisierten Klang zu lauschen. Viele Anwohner sind diesem Kirchen-Potenzgehabe auf Gedeih und Verderb ausgeliefert, obwohl sie keiner dieser Religionen angehören. Die kirchlichen Machtpositionen werden uns schamlos und viertelstündlich – ohne Rücksicht auf Ruhe suchende – demonstriert und sanktionsfrei zugemutet.

Zudem können die Kirchen ihre durch den permanenten Glockenschlag lädierten Kirchtürme, Glocken und Klöppel so lange sanieren, wie der Bund für die Landeskirchen die Steuern eintreibt und ihnen dadurch ein bequemes und sehr hohes Einkommen vermittelt. Rechtlich ist die Trennung von Kirche und Staat ja schon lange vollzogen: Das staatliche Recht steht über dem kirchlichen! Wir warten nur noch auf die Analogie im finanziellen Bereich. Wie sähe es nämlich aus, wenn diese Schatulle geschlossen würde und die Kirchen mit den sinkenden Mitgliederzahlen ihren Finanzen selber nachhetzen müssten? Würden dann die nicht zu negierenden sozialen Engagements als Erstes gestrichen?

Jedes knatternde Mofa läuft Gefahr, von den „Landjägern“ aus dem Verkehr gezogen zu werden. Warum den Glocken ein anderes Gehör gewährt wird, ist für viele in unserem Land unverständlich. Tausende Ohren, die keinen Schlaf finden, belasten das Gesundheitswesen mit Kosten für Medikamente gegen Schlafstörungen und Depressionen, mit Tinnitus-Erkrankungen und deren langwierigen Behandlungen, - die Kirchen aber waschen weiterhin die Hände in Unschuld … und predigen unbeirrt die christliche Nächstenliebe!

In letzter Zeit erschienen in verschiedenen Zeitschriften (SJ, Beobachter, K-Tipp) und diversen Tageszeitungen Artikel, die die Problematik "Lärm" unter die Lupe nahmen. Die meisten Verfasser verzichteten darauf, den Glockenlärm zu thematisieren. Die Gründe für dieses Verhalten sind nicht einsehbar und können höchstens damit erklärt werden, dass sich die Schreiber den eigenen Eingang in die ewigen Jagdgründe nicht schon zu Lebzeiten zumauern wollen. Oder sind es die verantwortlichen Redaktoren, die (im Einvernehmen mit den Kirchen) in diesem Sinne handeln und entsprechende Passagen zensurieren?

So oder so, Glocken erzeugen massiven, messbaren Lärm – und das fast ausschliesslich in Wohngebieten – und müssten von allen weltlichen Instanzen als solcher behandelt bzw. beurteilt werden. Dazu sind in der Schweiz die Ämter für Umwelt- und Lärmschutz mit ihren Lärmschutzverordnungen da. Wir erwarten entsprechende Sofortmassnahmen!

 

 
 
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