IG Stiller - www.nachtruhe.info
Die Lärmbekämpfung der Stadtpolizei Zürich hat kürzlich der evangelischen Kirchgemeinde Zürich-Altstetten empfohlen, die Viertel- und Stundenschläge während der ganzen gesetzlichen Nachtruhe von 22 bis 07 Uhr auszuschalten.

Lärmbekämpfung Stadtpolizei Zürich
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Pressemitteilung IG Stiller Oktober 2006 II  
4. Oktober 2006
Quelle: Pressemitteilung der IG Stiller

Wil: taktischer Rückzug

Herr Hans Fuchs, genannt der Stille Fuchs, hat im Sommer 2006 vorübergehend eine Wohnung in der Altstadt gemietet und dort Spitzenwerte von 80 Dezibel durch den Zeitschlag gemessen. Die Stadt Wil wollte aber nicht auf seine Klage eintreten. Das kantonale Baudepartement bestätigte nun diese Sicht. Da er nicht mehr in der Altstadt wohne, sei seine Wohnung an der Fürstenlandstrasse massgebend. Diese sei aber 450, 680 und 890 m von den Kirchen entfernt. Das übliche Ausmass an Glockenlärm werde hier nicht überschritten.

Damit zeigt das Baudepartement, dass es nichts von der Gerichtspraxis des Kantons Zürich hält. Hier hat das Verwaltungsgericht im Fall Wiesendangen kürzlich entschieden, dass auch in der Nähe der Kirche gemessen werden muss. Der Stille Fuchs hat unterdessen aus finanziellen Gründen den Rekurs gegen den Entscheid des Stadtrates zurückgezogen. Bereits an Allerheiligen soll aber ein neuer Anwohner der Altstadt für eine Klage zur Verfügung stehen.

Herr Fuchs nimmt wie folgt Stellung: „Die Wiler Kirchen haben es bis heute unterlassen, zu erklären warum der Glockenzeitschlag während der gesetzlich vorgeschriebenen Nachtruhe notwendig ist. Die lapidare Antwort „Tradition“ ist gleich doppelt unangebracht: Wenn die Tradition wirklich ernst genommen würde, müsste in Wil von Hand geläutet und die Zeit geschlagen werden und das mit viel kleineren und folglich weit weniger lauten Glocken als heute! Zudem könnte im Hinblick auf die noch ältere Tradition der Nachtruhe ganz auf den nächtlichen Zeitschlag verzichtet werden.

Bald wird in Wil ein Minarett gebaut. Am Anfang wird noch kein Muezzin vom Turm rufen. Das wird sich aber bald ändern, denn die Religionsfreiheit garantiert dass jede und jeder seine Religion bekennen darf (Bundesverfassung: Artikel 15, Absatz 2). Wenn es den Kirchen weiterhin erlaubt bleibt in der Nacht Glocken zu schlagen wird es unmöglich sein den elektronisch verstärkten Muezzin-Gesang um 5 Uhr morgens zu verhindern. Entweder dürfen alle mitten in der Nacht ihre Religion bekennen, oder alle halten sich an die Nachtruhe!“

 

Kyburg: Verfeinerung des morgendlichen Sturmläutens

Im August 2006 hat der Gemeinderat von Kyburg entschieden, das Morgenläuten weiterhin um 5.30 Uhr ertönen zu lassen. Dies obwohl dieses Läuten aus kirchlicher Sicht nicht notwendig ist und es zumindest problemlos auf 7 Uhr verschoben werden könnte. Solange dauert gemäss geltender Polizeiverordnung die Nachtruhe in Kyburg. Immerhin wurde die Läutdauer auf 2.5 Minuten beschränkt und durch die Verwendung einer kleineren Glocke ist das Geläut nun 7 dB weniger laut.

Im Wissen, dass das Frühgeläut vor 7 Uhr gegen die Polizeiverordnung verstösst, wollte die politische Gemeinde (auf Anfrage der Kirchgemeinde) im Mai 2005 die Polizeiverordnung so ändern, dass das Geläut davon ausgenommen wird. Das hat nicht geklappt. Im Verfahren vor dem Bezirksrat Pfäffikon (betreffend Änderung der Polizeiverordnung) hat die Klägerin Recht bekommen. Ganz ähnlich ist es kürzlich in Wiesendangen gelaufen. Glockenlärm kann nicht aus der Polizeiverordnung ausgeklammert werden.

Danach hat Frau Fröhlich, die Anwältin der Klägerin, versucht mit dem Anwalt der politischen Gemeinde Kyburg eine einvernehmliche Lösung zu finden. Wie es scheint, fand diese Idee im Gemeinderat keine Mehrheit. Fest steht, dass der Gemeinderat vor kurzem dem bisherigen Anwalt das Mandat entzogen hat. Neu zuständig ist ein Herr, welcher schon in Gossau ZH für eine Verhärtung der Fronten gesorgt hat. In der Folge wurden die Gebühren für die Abklärungen von rund 4’500 Franken je zur Hälfte der Klägerin und der Kirchgemeinde verrechnet. Dies überrascht, denn die Verkürzung und Verfeinerung des Läutens zeigen doch, dass die Klage berechtigt war. Die Entscheide des Gemeinderates wurden deshalb an die Baurekurskommission weitergezogen.

Über den Fall wurde kürzlich auch im Landboten (29.9.06) berichtet. Dieser Artikel weist etliche Fehler auf. Es wird von Kosten von Fr. 45'000 gesprochen – dabei sind es Fr. 4'500. Zudem waren nicht 20 Einwohner sondern 22 % der Befragten für die Verschiebung des Frühgeläuts. Bösartig und falsch ist die Bemerkung, die Klägerin höre gerne laut und oft Musik und sei daher selber schuld, dass man in Kyburg gegen sie sei. Dazu die Klägerin: „Alle, die mich nur ein ganz wenig kennen, wissen, dass ich laute Musik hasse und so oder so praktisch nie Musik höre, denn ich schätze die Stille.“

 

Zürich: zwei neue Fronten

Kürzlich wurden in Zürich zwei neue Fronten gegen den nächtlichen Kirchenglockenlärm aufgestellt. Nachdem in den letzten Jahren schon in Glaubten, Hottingen, Neumünster, Wollishofen Altstetten und Balgrist der Widerstand gegen den nächtlichen Lärm aufgenommen wurde, stehen nun auch noch die Kirchen Leimbach und Oberstrass im Kreuzfeuer der Kritik.

Im Tagblatt der Stadt Zürich vom 20.09.06 wurde folgendes Inserat publiziert: „KIRCHENGLOCKEN 8041 ZÜRICH! Wer fühlt sich von den Nachtschlägen und dem Frühgeläut am Samstag gestört? Wir wollen endlich schlafen. Sammle Unterschriften. Tel. --- -- -- --, S. Meier“. Die Diskussion mit der Kirchgemeinde Leimbach läuft unterdessen.

Zudem fordern verschiedene Anwohner der Stapferstrasse von der Kirchgemeinde Oberstrass Nachtruhe zwischen 22 und 7 Uhr und ergänzen, dass es für die Kinder idealerweise schon ab 20 Uhr ruhig sein sollte.

Nächtliches kultloses (=bürgerliche) Läuten ist in Zürich seit 1908 verboten (Städtische Läuteordnung vom 16.12.1908). Es wird Zeit, dass endlich auch der nächtliche Zeitschlag verboten wird.

 

St.Gallen: Dom im Visier

Nachdem Gallus vor 14 Jahrhunderten wegen Glockenlärm aus Bregenz vertrieben wurde, hat er sich im heutigen St.Gallen niedergelassen. Seine Glockentradition wurde in der Zwischenzeit arg korrumpiert. Der Dom hat sich zur Glockenhochburg des Alpenraumes entwickelt. Die Nachbarschaft zur evangelischen Laurenzenkirche hat zu einer barbarischen Aufrüstung geführt. Die Zeit wird im Dom nämlich nicht nur viertelstündlich geschlagen, sondern auch jeweils 5 Minuten vorher – also mit acht Zeichen pro Stunde – Tag und Nacht. Wie gesagt wird, sollen die Mönche damit fünf Minuten vor dem Zeitschlag an diesen erinnert werden. Aber erstens gibt es keine Mönche mehr im Dom, zweitens gab es hier nie eine viertel­stündliche Gebetstradition und drittens haben auch die Mönche in der Nacht eine Schlafpause eingelegt.

Leider weckt dieser völlig absurde Zeitschlag die Anwohner. Einer der 4-5mal pro Nacht geweckt wird, hat nun die Diskussion mit der katholischen Verwaltung aufgenommen.

Interessant übrigens: in St. Gallen haben schon mindestens ein halbes Dutzend Kirchen auf den nächtlichen Zeitschlag verzichtet – teilweise schon vor Jahrzehnten.

 
 
Realisierung: RightSight.ch