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"...und zur Unzeit wird weder geläutet noch hat irgendein Muezzin die Ruhe von uns Nachbarn zu stören."

Peter Bodenmann (Alt SP-Präsident)
Peter Bodenmann (Alt SP-Präsident)

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Pressemitteilung IG Stiller Oktober 2006  
30. Oktober 2006
Quelle: Pressemitteilung der IG Stiller

Trogen

Verwaltungsgericht begründet Entscheid
Am 19.10.06 wurde die Begründung für das Urteil des Verwaltungsgerichtes vom Frühjahr nachgeliefert. Mit Urteil vom 26.4.06 entschied dieses Gericht, nicht auf die Beschwerde des Gemeinderates Trogen einzutreten. Den beiden Gründern der IG Stiller wurde zulasten der Gemeinde Trogen eine Parteienentschädigung von insgesamt Fr. 2500 zugesprochen.

Vorgeschichte
Der Gemeinderat wollte in seinem Entscheid vom 8.2.05 nicht auf die Klage von zwei Anwohnern eintreten, welche durch den Zeitschlag und die kultlosen Läuten vor allem nachts gestört werden. Dies mit der Begründung, er habe in dieser Sache schon in den Jahren 1999/2000 entschieden. Die zwei Kläger haben den Fall am 7.3.05 ans kantonale Departement Bau und Umwelt weiter gezogen. Mit Entscheid vom 1.6.05 hiess das Departement den Rekurs im Sinne der beiden Anwohner gut, weil der Gemeinderat die Angelegenheit in den Jahren 1999/2000 nicht korrekt, d.h. ohne Lärmmessungen, behandelt habe. Der Gemeinderat hat gegen diesen Entscheid beim Verwaltungsgericht Beschwerde eingelegt. 

Begründung
Das Verwaltungsgericht stellt nun fest, dass der Gemeinderat nicht berechtigt ist, den Entscheid des Departements Bau und Umwelt anzufechten, weil es nicht um eigene öffentliche, sondern um kirchliche Interessen geht. Allein die evangelische Kirchgemeinde Trogen wäre zur Beschwerde legitimiert gewesen, hat aber sowohl auf die Ergreifung eines Rechtsmittels als auch auf die ihr ermöglichte Beteiligung am vorliegenden Verfahren verzichtet.

Im Weiteren bestätigt das Gericht, dass die gemeinderätlichen Entscheide aus den Jahren 1999/2000 nicht korrekt waren: „Einem solchen offenkundigen Irrtum ist der Gemeinderat in seinem Entscheid vom 13. Juni 2000 insofern erlegen, als er offensichtlich davon ausging, er könne das Begehren um Einschränkung vorab des nächtlichen und morgendlichen Läutens der Kirchenglocken als für den Lärmschutz zuständigen Vollzugsbehörde abweisen, ohne den Schalldruckpegel …. messen zu lassen.“

Weiter stellt das Gericht fest: „Dass die evangelische Kirche in Trogen seit 1958 nicht nur mittelgrosse, sondern von ihrem Gewicht und ihrer Lautstärke her sogar äusserst grosse Glocken aufweist, ist gerichtsnotorisch und unbestritten, weshalb der Gemeinderat im Vorfeld seiner Interessenabwägung verpflichtet gewesen wäre, die konkret berührten Interessen der Beschwerdegegner und der übrigen Anwohner im näheren Umkreis der Kirche durch Messung des Schalldruckes feststellen zu lassen….

Nachdem der Gemeinderat im Vorfeld seines Entscheides vom 13. Juni 2000 und seiner damaligen Interessenabwägung keine Messungen vornehmen liess, befand er sich in einem offensichtlichen Irrtum über eine entscheidende Tatsache, zumal im Nahbereich der Kirche schon am Landsgemeindeplatz Wohnräume bestehen, in denen … der Aufwachpegel mit hoher Wahrscheinlichkeit überschritten sein dürfte.

Ritzelbruch

A propos Landsgemeinde: Just zur Zeit dieser verwaltungsgerichtlichen Publikation hat der Doppelschlag auf der fünf Tonnen schweren Landsgemeindeglocke für eine Woche ausgesetzt. Der Grund wurde vom Bauverwalter im Mail vom 27.10.06 wie folgt angegeben: „Das Aussetzen des Doppelschlages ist durch eine Panne/Materialbruch erfolgt. Durch Alterung, Belastung und Dauergebrauch ist ein Ritzel gebrochen. Die Reparatur ist erfolgt. Möglicherweise ist eine generelle Verstärkung dieses Teils des Schlagwerkes erforderlich.“ (Weitere Informationen zur Pannenserie siehe Pressemitteilung vom 5. März 2006.)



Kosten des Glockenbetriebes werden nicht offen gelegt

Die Aufstellung der Gesamtkosten des Glockenbetriebes, deren Vorlage anlässlich einer Gemeindeversammlung zugestanden wurde, erfolgt jetzt doch nicht, wie der Bauverwalter im gleichen Mail mitteilt: „Die Kosten des Kirchenglockengebrauchs können leider nicht beantwortet werden.

a) keine detaillierte und separate Kontoführung (Kostenstellenrechnung).
b) In den Rechnungen sind alle Arbeiten, Service, Reparatur, Ersatz usw., für die ganzen Anlagen zusammen enthalten.
c) Die Betriebskosten sind Sammelrechnungen (z.B. Stromverbrauch, Reinigung usw.).
d) Eine Separierung der Kosten führt zu einem unverhältnismässigen Aufwand.“

Glocke im Herzen: CD-Taufe von Baba Bimbam

Am Samstag, dem 25.11.06, findet zwischen 18-20 Uhr im Rösslisaal ein Konzert von Ferdinand Rauber und Baba Bimbam statt. Unter dem Titel „Musik zum Meditieren“ präsentieren die beiden ihr neues Programm mit Indischen Abendragas. Anschliessend soll ihre CD „Indian Morning, Traditionals“, welche im Januar in Trogen aufgenommen wurde, getauft werden. Der Abend klingt mit Tanzmusik von 1001 Ways aus Basel aus.


Beinwil am See

Stille Beschwerde abgewiesen
Obwohl der kantonale Fachexperte für Lärm festgestellt hat, dass beim Läuten und Schlagen der näher gelegenen Kirche (100m) bei offenem Fenster ein Schallpegel von deutlich über 60 dB (A) auftritt und dass mit nächtlichen Aufwachreaktionen zu rechnen ist (!), entschied die kantonale Rechtsabteilung – wie Ende Oktober 06 bekannt wurde - nur die Messwerte bei gekipptem Fenster zu berücksichtigen. Diese liegen für den Zeitschlag knapp unter 60 dB (A). Der Entscheid des Gemeinderates wird deshalb von der kantonalen Rechtsabteilung geschützt und es bleibt alles so wie es ist.

Wie im Kanton SG will man im Kanton AG nicht in der Nähe der Kirche messen, da dort die Werte sicher zu hoch wären. Die Erkenntnisse des neuesten verwaltungsgerichtlichen Urteils zum Thema Kirchenglockenlärm aus dem Kanton Zürich (Fall Wiesendangen) werden somit einfach ignoriert. Das Urteil ist zwar bedauerlich, wird aber den nächtlichen Zeitschlag nicht retten sondern verschiebt lediglich die Lösung des Problems um ein paar Jahre.


St.Gallen

Entwicklungshilfe aus Deutschland

Johannes Lang, ein junger Deutscher Glockenexperte und Glockenfan hat sich im Oktober 06 im Gästebuch der IG Stiller oft und ausführlich zu Wort gemeldet (11. bis 22.10.06). Seine Seine Empfehlung für den Zeitpunkt des Morgenläutens (7 Uhr) und die Läutdauer sind für Schweizer Verhältnisse revolutionär: „ein kurzes Läuten von 1 ½ bis 2 ½ Minuten ist da schon sehr viel interessanter und hilft Konflikte zu vermeiden….



Auch das Einläuten des Gottesdienstes ist oftmals mit 15 Minuten viel zu lang und strapaziert die Nerven der Anwohner.

Höchstens 10 Minuten erscheinen hier angemessen (Eintrag vom 15.10.06:15.58).


Im Neudorf St. Gallen, wo der Glockenlärm selbst für diesen Glockenfan unausstehliche Ausmasse angenommen hat, will er nun aktiv werden.

Die IG Stiller empfiehlt die kultlosen Läuten auf 1 Minute zu beschränken. Der Gebetsaufruf soll nicht länger dauern als das Gebet. Oder anders formuliert, wer am Morgen sein Vaterunser gebetet hat, sollte ohne Glockenlärm weiterschlafen dürfen.


Zürich

Unterschriftensammlung in Dällikon
Wie unsere Korrespondentin Sibylle Meier aus Zürich berichtete, läuft in Dällikon eine Sammlung von Unterschriften gegen den nächtlichen Zeitschlag.

Paradiesische Zustände im Sihlfeld
Die Kirchgemeinde Zürich-Unterstrass verzichtet zwischen 22 – 7 Uhr, die Kirchgemeinde Paulus wenigstens zwischen 24 – 7 Uhr und die Kirchgemeinde Sihlfeld zwischen 19 – 8 Uhr auf den Zeitschlag. Im Sihlfeld verzichtet man auch auf das Frühgeläut und man kennt auch tagsüber keinen Viertelstundenschlag. Ein menschenfreundliches Glockenregime, zu welchem wir herzlich gratulieren.

Die funktionslose Glocke: Kunstprojekt unter Führung der Stadt
Wie die NZZ am 20.10.06 berichtete, soll eine grosse Glocke die nächsten fünf Jahre im Hardau-Quartier im Kreis 4 ein Zeichen setzen. Zwei Mal wurde sie bei der Enthüllung am Donnerstagnachmittag geschlagen und erklang in sonorem G. Fortan jedoch wird sie stumm am nördlichen Wohnturm der Siedlung Hardau II hängen. Auf einer Höhe von 12 Metern markiert die mehr als 700 Kilogramm schwere Glocke den neuen Durchgang zwischen dem Hochhaus und dem erweiterten Schulhaus.
Die beiden Basler Künstlerinnen Claudia und Julia Müller möchten mit ihrem Kunstprojekt „einen lokalen Mythos über die funktionslose Glocke“ schaffen. Das Kunstprojekt ist Teil einer Reihe von Kunstaktionen in der Hardau, die im Auftrag des Amts für Hochbauten durch die Hochschule für Gestaltung und Kunst Zürich lanciert wurde. Die Stadt Zürich beteiligte sich am Projekt, indem sie bereits reservierte Kunst- und Baubudgets für die Schulhausneubauten in der Hardau zur Verfügung stellte.

Dieses Projekt erinnert an die Glockenmeditation, welche im Rahmen des Projektes Glockenkult am 25. April 2004 in der Sakristei der Kirche Trogen (unter den Glocken) durchgeführt wurde.


Deutschland

Nächtlicher Unterbruch des Zeitschlages setzt sich durch

Im Gästebuch der IG Stiller meldete sich zwischen dem 25. und 27.10.06 David McCloy, ein in Deutschland tätiger Glockenwart zu Wort. Wie er berichtet, baut er schon auf jeder zweiten Maschine welche er wartet, Steuerungen ein, welche die Glocken nachts nicht erklingen lassen. Weiteres zu seiner Arbeit in seinem Beitrag vom 27.10.06.

Heilbronn: Rentnerehepaar klagt gegen Kirche
Wie die „stimme.de“ berichtet, hat in Heilbronn am Montag, dem 23.10.06 ein Prozess um nächtliche Ruhestörung durch Glockengeläut begonnen. Ein Rentnerehepaar klagt vor dem Landgericht gegen die evangelische Kirchengemeinde Heilbronn-Neckargartach. Die Kläger wohnen rund 80 Meter Luftlinie vom Kirchturm entfernt; sie fühlen sich von dem Geläut zwischen 21 und 7.30 Uhr gestört. Sie mussten sich nach eigenen Angaben deshalb in ärztliche Behandlung begeben. Die beklagte Kirchgemeinde sieht dagegen keine unzulässige Lärmbelästigung. In einer Umfrage sprachen sich die Gemeindemitglieder für den Erhalt des nächtlichen Glockengeläuts aus.

Reich-Ranicki räsoniert über Kirchenglockenlärm
Wie das Wiesbadener Tagblatt vom 2.10.06 berichtete, wurden rund 500 Besucher beim Kulturtisch auf dem Dernschen Gelände Zeugen von Aussergewöhnlichem. Marcel Reich-Ranicki sass auf der Bühne und schwieg – minutenlang in der Diskussion. Das erreichten die Glocken der Martinskirche. „Unglaublich“, fand der Literaturkritiker, monologisierte immer lauter gegen das Geläut über die Bedeutung des Dramas für die deutsche Literatur, brach schliesslich ab und stöhnte: „Das hört nicht auf, das sind die Feinde der Literatur, die da agieren.

Berlin lächelt
In Berlinonline wurde im Juli 06 von Holger Reischock die alpenländische Tradition, dem Vieh riesige Glocken umzuhängen in einem Hintergrundartikel satirisch beleuchtet: „Über Sinn und Unsinn des Dauergebimmels wird heftig gestritten. Viele Bauern behaupten, ohne Glocken wären die guten Tiere nicht ohne weiteres wieder zu finden, wenn sie sich auf der Alp im Nebel verirrt haben. Das mag da droben in der Höh’ sogar zutreffen, obwohl es nicht erklärt, warum in kuhglockenfreien Bergregionen Europas die Rindviecher auch nicht reihenweise auf Nimmerwiedersehen verschwinden. Und schon gar nicht ist damit die Frage beantwortet, warum die Tiere auch auf eingezäunten Koppeln die Glocke tragen.“

Zusätzlich stellt sich die Frage, wieso viele Tiere auch im Stall (z.B. über den Winter!) Glocken tragen müssen. Weiter darf gefragt werden, ob die Tierglocken nicht einfach nur ein Zeichen der Macht sind. Macht über die Tiere. Macht über die Nachbarn.

Beschallung von Verkaufsläden
Vielerorts werden Verkaufsläden derart laut beschallt, dass die Gesundheit der Angestellten in Gefahr ist und lärmempfindliche Menschen diese Verkaufsläden meiden. Wie 20 Minuten am 18.9.06 berichtete, haben sich Coop-Angestellte gegen eine Berieselung mit „Naturgeräuschen“ wie Vogelgezwitscher, Kuhglocken, Kinderlachen und plätscherndes Wasser erfolgreich gewehrt. So sollte die Naturverbundenheit von Coop mit den verschiedenen Ökolinien demonstriert werden. Kuhglocken als Zeichen der Naturverbundenheit? Kommen denn die Coop-Kühe mit den Glocken auf die Welt?

 
 
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