IG Stiller - www.nachtruhe.info
"Nicht mehr passend ist jedoch das Läuten, nur um die Zeit kundzutun.
Jeder hat heute eine Armbanduhr, also brauchen wir das nicht mehr."

Pfarrerin Vera Langner aus Ober-Ramstadt, Deutschland
Pfarrerin Vera Langner aus Ober-Ramstadt, Deutschland

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Pressemitteilung IG Stiller Oktober 2008  
7. Oktober 2007
Quelle: Pressemitteilung der IG Stiller

Zürich Oberstrass – Talibanismus in der Schweiz?

Mehrere Anwohner hatten die Kirche aufgefordert, den Zeitschlag in der Nacht einzustellen. Die Kirche hat keine positive Rückmeldung geben, aber erfreulicherweise hatte sich die Lärmpolizei eingeschaltet.

Sie hat Messungen gemacht und den Anwohnern mitgeteilt, dass der Lärmpegel zu hoch sei und dass sie sich diesbezüglich mit der Kirche in Kontakt setzen würden, wenn nötig mit rechtlichen Schritten. Die Anwohner waren alle sehr erfreut, bis die Meldung kam, dass der Verantwortliche zurzeit nicht mehr dort arbeite und der Fall nicht weiter verfolgt werden würde... (Email an IG Stiller vom 6. August 2007).

Kommentar: Wie vielerorts wird auch in der Stadt Zürich nichts für die von Glockenlärm geplagten Anwohner getan. Eine Art Talibanismus, wo Tradition vor Recht steht gibt es offensichtlich auch in der Schweiz.

 

Wittenbach: Glocken kaputt geschlagen

In Wittenbach wurde – wie an vielen anderen Orten der Ostschweiz - die Glocken durch zu harten Gebrauch beschädigt. Jetzt sollen weichere Klöppel angeschafft werden. Die peinliche Geschichte sollte nicht an die grosse Glocke gehängt werden (mündliche Mitteilung an IG Stiller vom 24. August 2007).

Kommentar: Erfahrungsgemäss muss pro Klöppel mit etwa Fr. 10'000 gerechnet werden. Weichere Klöppel allein bringen bezüglich Lärmbelastung wenig wenn nicht gleichzeitig weniger fest (d.h. mit kleinerem Schwingwinkel) geläutet wird. Weder die durch den Zeitschlag bedingten Schäden noch der durch den Zeitschlag verursachte Lärm werden durch neue Klöppel vermindert.

 

Trogen macht vorwärts

Da der Zeitschlag in der Nacht und das Morgenläuten in der Nähe der Kirche lauter sind als der Richtwert von 60 dB muss gehandelt werden. Die Besprechung zwischen einer Gemeinderatsdelegation und Vertretern der IG Stiller hat ergeben, dass der Gemeinderat bis Ende November einen Vorschlag zur Lösung des Problems präsentieren will.

Kommentar: Am einfachsten und billigsten wäre es, während der Ruhezeiten (Nacht- und Sonntagsruhe) auf den Zeitschlag und das Morgenläuten zu verzichten. Es könnten natürlich auch für teures Geld Installationen eingebaut werden, welche die Lautstärke des Glockenlärms während der Ruhezeiten vermindern. Da es keinen eigentlichen Grenzwert gibt und der Richtwert umstritten ist, gäbe es keine Garantie, dass diese Lösung über Jahrzehnte bestand hätte.

 

Auch in Affoltern am Albis läuft eine Lärmklage gegen Glockenlärm

In Affoltern am Albis läuft eine Lärmklage gegen das Frühgeläut um 6 Uhr. Bereits 1999 wurde auf den Viertelstundenschlag verzichtet und wenigstens am Samstag und am Sonntag ist es schon jetzt frühmorgens still.
(Email an IG Stiller vom 30. Juli 2007).

 

Pressemeldungen:

St.Gallen kommt nicht zur Ruhe: Wie die St. Galler Nachrichten am 23. September in einem gut recherchierten Artikel aufzeigen, beschäftigt sich die Fachstelle Umwelt und Energie vermehrt mit Klagen wegen nächtlichem Glockenlärm. Zwei Artikel über das Dom-Geläut und der unten erwähnte Artikel zum Fall Buechen-Staad verursachten im August einige Leserbriefe im Tagblatt.

Hier einer aus den Reihen der IG Stiller: “Im Artikel „Nichts mit Stille Nacht“ vom 9.8.07 wird der Anschein erweckt, es habe früher in St. Gallen eine viertelstündliche Gebetstradition gegeben. Das ist natürlich absurd. Selbst die strengen Regeln von Columban sahen nicht 96 Gebete pro Tag vor. Im Weiteren lässt die katholische Administration verlauten, Zeitschlag und Geläut seien sehr alte christliche Traditionen. Soll das ein Argument für Beibehaltung des nächtlichen Zeitschlages sein? Wurde die Glocken-Tradition im Laufe der Jahrhunderte nicht unzählige Mal geändert? Auch Hexen verbrennen ist doch eine sehr alte christliche Tradition? Trotzdem wurde sie abgeschafft.

Sicher ist, dass weder Jesus noch einer seine Jünger geläutet oder die Zeit geschlagen haben und dass das Christentum jahrhundertelang ohne Glocken ausgekommen ist. Sicher ist auch, dass es zur Zeit der Gründerväter in St. Gallen keinen Zeitschlag gegeben hat. Gallus hat zwar eine Glocke mitgebracht. Diese wurde aber kultisch eingesetzt, das heisst es wurde geläutet – und zwar von Hand – wenn zum Gebet oder zu einem anderen Kult gerufen wurde.

Sowohl was die Grösse und Anzahl der Glocken, als auch was die Frequenz ihres Einsatzes betrifft, wurde die Gallus-Tradition im Laufe der Jahrhunderte durch unzählige Änderungen der Tradition total korrumpiert - speziell im Dom.

Viele Kirchgemeinden in St.Gallen haben schon lang begriffen, dass es auch ohne nächtlichen Lärm geht. In Rotmonten wurde der nächtliche Zeitschlag von der evangelischen und von der katholischen Kirche schon vor Jahrzehnten abgestellt und auch in Lachen, im Riethüsli und im Linsenbühl wird die Nachtruhe von den Kirchen eingehalten.“

 


Buechen-Staad - untaugliche Massnahmen:

Unter dem Titel „Viel Lärm um eine Glocke“ berichtete das Tagblatt am 3. August 2007: „Das Geläute der Christkönigs-Kirche stört einige Anwohner – jetzt soll deren Klang schöner werden. Für Walter Bucher begeht die Kirche mit dem nächtlichen Läuten Rechtsbruch. «Ich schlafe schlecht» sagt er und schrieb der Kirchenverwaltung einen Brief. Diese beruft sich auf Tradition, für Bucher ist Tradition wandelbar…

An der Kirchgemeindeversammlung vom April dieses Jahres wurden die Beschwerden dann diskutiert – allerdings waren die Kirchbürger gemäss Gemeindeblatt «einhellig der Ansicht, dass das bereits reduzierte <Läutprogramm> beibehalten werden soll, da es Teil des kulturellen und kirchlichen Lebens sei.». An derselben Kirchbürgerversammlung wurde jedoch eine grössere Sanierung des Glockengeläuts bewilligt. Für rund 50 000 Franken soll unter anderem der harte Klöppel gegen einen weicheren ausgetauscht werden. Damit soll gemäss Bruno Sonderegger «der Klang weicher und harmonischer» sein und «somit auch als weniger störend empfunden werden.»

Kommentar: Diese Massnahme muss zum Schutz der Glocken getroffen werden. Für die Anwohner bringt das nichts.

 

Tierforschung - Auch Tiere bevorzugen Stille:

Im Teil Wissen berichtete die NZZ am Sonntag vom 19. August unter dem Titel „Affen wollen Ruhe“ über ein wissenschaftliches Experiment, welches gezeigt hat, dass Affen lieber Stille haben als Musik. Wenn sie wählen können zwischen Technosound und Wiegenlieder bevorzugen sie eindeutig den langsameren Sound. Aber eben – noch lieber ist ihnen die Stille.


Balgrist: 10 % = nichts:

Am 6. August berichtete die NZZ über den Fall Balgrist: „Auch die evangelisch-reformierte Stadtzürcher Kirchgemeinde Balgrist beschäftigte sich letztes Jahr mit dem Thema, nachdem sich zwei Anwohner beklagt hatten. Mit einer Umfrage wollte die Kirchenpflege herausfinden, ob das Geläut störe. Ergebnis: Es stört nicht. Nur gut zehn Prozent derjenigen, die den Fragebogen zurückschickten, äusserten sich negativ.“ Entweder stört es nicht oder es stört gut zehn Prozent. Vielleicht sollte das Thema Kirchenglockenlärm der Abteilung Wissenschaft übergeben werden.

Deutschland - Pater bestätigt: Läuten um 6 Uhr ist religiöser Psychoterror:

Weiden. Für Pfarrer Siegfried Wölfel von Maria Waldrast sind Kirchenglocken ein Instrument, dessen Klang ihn immer wieder aufs Neue fasziniert. Einige Nachbarn sehen das anders. Nämlich ähnlich wie Pater Alfons Tony von der Augustinerkirche.

Der Geistliche sagt: "Wir läuten beispielsweise um 6 Uhr wegen des Klinikums in unmittelbarer Nachbarschaft nicht. Wir wollen ja keinen religiösen Psychoterror ausüben." (Zeitung.org. 6. September 2007).

Kommentar: dann haben wir in der Schweiz also vielerorts religiösen Psychoterror.


Niederlande: Busse wegen Glockenlärm

Ein holländischer Priester wurde wegen zu lautem Glockengeläut zu 5000 Euro Strafe verurteilt.
Anwohner beschwerten sich bei dem Priester, weil die Kirchenglocken um sieben Uhr morgens zum Gebet riefen. Weil der Pfarrer die Glocken nicht abstellte, zogen sie vor Gericht.

„Der Priester kann läuten, wann er will, aber er muss den Lärm innerhalb der gesetzlichen Grenzen halten“, so die Begründung des Richters. (http://www.kreuz.net:80/article.5709.html, 18.08.2007).

Kommentar: dies ist ein ordentliches rechtstaatliches Vorgehen im Fall von übermässigem Glockenlärm. Wie es bei uns in der Schweiz läuft, zeigt z.B. der Fall Zürich Oberstrass.

 

Vorarlberg: Kurgäste wichtiger als Anwohner:

Nachdem das ORF im Frühling 2007 an prominenter Stelle über die IG Stiller in St.Gallen berichtet hat, kommt es auch in Österreich vermehrt zu Aktivitäten für mehr Nachtruhe. So neuerdings in Bürs im Vorarlberg wo verlangt wird, den Zeitschlag von 22-7 Uhr abzustellen. Die Diskussionsmöglichkeit im online Magazin Vorarlberg wurden reichlich genutzt.

Aus einem Kurdorf wird z.B. berichtet, dass der Zeitschlag schon lange in der Nacht abgestellt würde – wegen der Kurgäste.

 
 
Realisierung: RightSight.ch