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 "Stille ist heute als Loch im Lärmteppich definierbar."

Peter Cerwenka

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Pressemitteilung IG Stiller September 2006  
8. September 2006
Quelle: Pressemitteilung der IG Stiller

Religionsfreiheit bis zur Ruhestörung?

Für Sonntag, den 27.8.06 kündigte die Pfarrei der katholischen Kirche St. Aposteln in Köln an, um 4:30 Uhr nachts die dort angebrachte Weltjugendtagsglocke zu läuten. 500 jugendliche Gläubige würden vom Kölner Marienfeld, dem "Papsthügel", zum Kölner Dom pilgern und in der Nacht an der Kirche Station machen. Wie der Landesverband Nordrhein-Westfalen der IBKA (International League of Non-Religious and Atheists) am 25.8.06 bekannt gab, wehrt sich der Verband gegen das nächtliche Läuten der 6 Tonnen schweren Glocke unter dem Titel „Ruhestörung ist keine Religionsfreiheit“

 

Minarett und Muezzin

Wie Gerichtsurteile in den USA, Grossbritannien und Deutschland zeigen, kann wegen der Religionsfreiheit in der „freien“ westlichen Welt der Bau von Minaretten genauso wenig verhindert werden wie der Ruf des Muezzins. Wenn nachts die Kirchenglocken geläutet und geschlagen werden dürfen, werden unsere Gerichte nicht umhinkommen, auch den Ruf des Muezzins nachts zuzulassen.

 

Brief ans BUWAL

Bezüglich dem „Grenzwert“ für die Beurteilung nächtlichen Kirchenglockenlärms gibt es Unstimmigkeiten zwischen dem BUWAL und der Fachstelle Lärmschutz des Kantons Zürich. Im Gegensatz zum Bundesamt beurteilt die zürcherische Umweltschutzbehörde nächtlichen Glockenlärm von 60 dB als zu hoch. Wie das BUWAL mit Brief vom 7.6.06 bestätigt hat, wurde dieser „Grenzwert“ von Studien mit Fluglärm abgeleitet. Dies ist wissenschaftlich nicht vertretbar. Die IG Stiller stellt dazu in ihrem Brief ans BUWAL fest:

 

Erstens ist dieser Wert auch für Fluglärm zu hoch und zweitens ist Glockenlärm nicht dasselbe wie Fluglärm. Während der Lärm eines Flugzeuges langsam anschwillt, schwillt der Lärm bei einer Glocke ähnlich wie bei einem Wecker sofort steil an. Da für eine Aufwachreaktion weniger der absolute Wert sondern vielmehr die Differenz pro Zeiteinheit wichtig ist, darf Fluglärm unter keinen Umständen mit Glockenlärm verglichen werden. … Da die wissenschaftliche Beurteilung nächtlichen Glockenlärms durch Ihr Amt und die zürcherischen Lärmschutzstelle (und die IG Stiller) weit auseinander liegen, fordern wir eine klärende Untersuchung oder eine Expertise zur Lösung des Problems.“

 

Sind Tierglocken Tierquälerei? Wissenschaftliche Untersuchung läuft

Beobachtungen an Menschen zeigen, dass diese nur selten Glocken tragen. Menschen hängen sich höchstens kurzfristig eine Glocke um – meist zu Macht- oder Freudedemonstra­tionen. Längerfristig ist das Glockentragen einfach zu lästig und zu laut. Viele Tiere müssten einen Pamir tragen, wenn sich die SUVA der Sache annehmen würde. Aber die Tiere leiden nicht nur akustisch unter den Glocken sondern auch mechanisch, z.B. durch Reibung. Schlimm ist ausserdem, dass die Tiere teilweise das ganze Leben lang Glocken tragen müssen - Tag und Nacht - von kurz nach der Geburt bis zum Gang zum Schlachthof. Die IG Stiller ist deshalb ans Bundesamt für Veterinärwesen (BVET) gelangt und hat wissenschaftliche Untersuchungen gefordert. Wie uns das BVET am 31.8.06 mitgeteilt hat, läuft bereits ein solches Projekt in Zusammenarbeit mit der ETH.

 

50 Jahre Schweizerische Liga gegen den Lärm

Am Samstag, dem 30.9.06, findet an der ETH in Zürich um 9.45 Uhr die Jubiläumsveranstaltung der Liga statt. Anmeldung und Information über die Homepage der Schweizerischen Lärmliga.

 

Glockengeläut vertreibt Urlaubsgäste: 56'000 Euro Schadensersatz gefordert

Wie Tirol.com am 4.8.06 berichtete, versteht ein junger Bauer im Pustertal die Welt nicht mehr. Im Sommer weiden 20 seiner Kühe auf der Wiese oberhalb seines Hofes. Der Lärm der Kuhglocken stört die Gäste einer angrenzenden Pension. Viele sind deshalb vorzeitig abgereist. Deshalb ist der Bauer jetzt mit einer Schadesersatzforderung von 56'000 Euro konfrontiert.

Tierglocken sind auch in Deutschland ein Problem: Ein Lärm gestörter Nachbar ist gegen einen Landwirt vor Gericht gezogen und hat Recht bekommen. Er hat einen Anspruch auf Unterlassung dieser für das Sauerland ungewöhnlichen Lärmbelästigung in der Zeit zwischen 20.00 Uhr und 7.00 Uhr. Tagsüber erlaubte der Richter dem Landwirt, den Kühen eine kleine (!) Glocke umzuhängen. Obwohl Glocken im Appenzellerland nicht unüblich sind, ist das schweizerische Bundesgericht 1975 im Fall Speicher zum gleichen Schluss gekommen (BG 101 II 248).

 

St. Gallen: Lärmige Stadt – muss das sein

An der Veranstaltung der Fachstelle Umwelt und Energie der Stadt war auch die IG Stiller vertreten. 

 

Gossau ZH: Beschwerden und Rekurse häufen sich

Nachdem der Kläger im Frühjahr 2006 vor Bundesgericht verloren hat, wird allgemein angenommen, dass gegen den nächtlichen Zeitschlag kein Kraut gewachsen ist. Das ist – wie auch der Fall Wiesendangen zeigt – nicht richtig. Würde nämlich jemand klagen, welcher in unmittelbarer Nähe der Kirche wohnt, so würde das den Rahmen des vertretbaren Lärms sprengen, wie das zürcherische Verwaltungsgericht festgestellt hat. Der Kläger von Gossau hat deshalb schon 2005, nach Bekannt werden des Urteils des Verwaltungsgerichtes, einen Mitkläger in der Nähe der Kirche gesucht und gefunden.
Nachdem diese zweite Klage von der Gemeinde nicht innert nützlicher Frist behandelt wurde, hat sich der Kläger ans Bezirksamt gewendet. Hier wurde er kurzerhand mit der Bemerkung abgewiesen, Kirchenglocken verursachten keinen Lärm. Dies hat dem Amt ein Verfahren wegen Rechtsverweigerung eingetragen. Unterdessen hat die Gemeinde reagiert und den beiden Klägern kurzerhand das Klagerecht abgesprochen. Im einen Fall mit der Begründung, dass der Hausbesitzer nicht selber im Haus neben der Kirche wohne, im anderen Fall, weil der Kläger zu weit weg wohne.

Wegen der Verzögerungstaktik der lokalen Behörden müssen die Kläger immer wieder Beschwerden und Rekurse einreichen. Zurzeit sind es deren vier. Betroffen sind neben dem Gemeinderat auch der Präsident der evangelischen Kirche, wie uns die Kläger von Gossau mitgeteilt haben.

 
 
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