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"Nicht mehr passend ist jedoch das Läuten, nur um die Zeit kundzutun.
Jeder hat heute eine Armbanduhr, also brauchen wir das nicht mehr."

Pfarrerin Vera Langner aus Ober-Ramstadt, Deutschland
Pfarrerin Vera Langner aus Ober-Ramstadt, Deutschland

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Schall-Luken und sägender Oberton  
29. Dezember 2005
Quelle: Allgemeine Zeitung

In Klein-Winternheim sorgt das Glockengeläut auch nach einer Dämpfungsaktion für Streit

KLEIN-WINTERNHEIM
Der Klang von Kirchenglocken ist für die meisten eher weniger ein Ärgernis. Wohnt man aber in unmittelbarer Nähe zum Glockengestühl, kann das Geläut zum Problem werden. In Klein-Winternheim ist es deshalb zum Streit gekommen.

"Zu viel ist ungesund", meint der Volksmund - und lässt dabei weise offen, was gemeint ist. Auf Gänsebraten und Weihnachtspunsch passt der Spruch sicher. Auf Lärm aber auch. Als solchen betrachtet Ulla Janaschek das Geläut der Andreaskirche in Klein-Winternheim. Als die Buchautorin und freiberufliche Mitarbeiterin von Frauenzeitschriften vor sieben Jahren das Häuschen in der Klosterstraße bezog, war die Welt in Ordnung.

Als dann neben der Kirche ein Haus gebaut wurde, änderte sich jedoch die Ausbreitung der Schallwellen des Kirchengeläuts und wurde für die 44-Jährige schier unerträglich. Manche Nachbarn in der kleinen Sackgasse litten ähnlich, berichtet sie und verweist auf eine Unterschriftenliste.

Ulla Janascheks Bemühungen, das Läuten zu reduzieren, waren teils erfolgreich. Die Ortsgemeinde, für den "Stundenschlag" zuständig, lässt die Glocken inzwischen nachts ruhen. Es bleibt das Problem des "liturgischen Läutens", das in die Verantwortung der Kirchgemeinde fällt. Dieses erschallt je nach Wochentag drei bis fünf Mal, zuweilen (Pfingsten wird eine ganze Woche lang "eingeläutet") aber auch häufiger. Immer etwa fünf Minuten lang und bei besonderen Anlässen auch länger.

Hoffnung kam bei Ulla Janaschek auf, als der Turm von St. Andreas saniert werden musste, weil er tiefe Risse aufwies. Eine Folge des Läutens der insgesamt 1,7 Tonnen schweren Glocken.
Die Statik war aber einst nur für eine Tonne ausgelegt. Außerdem hatten Fenster- und Türdurchbrüche zum Kirchenschiff die Tragkraft weiter geschwächt.

Der Turm ist inzwischen mit hohem Kostenaufwand gesichert worden. Dabei wurde hinter den Schall-Luken der Durchlass verdichtet, um den Klang der Glocken zu dämpfen, berichtet Pfarrer Thorsten Geiß von St. Andreas. Das Glockengeläut sei nun "bedeutend leiser" und bewege sich "im gesetzlich zulässigen Lautstärke-Rahmen". Das genügt zwar dem Geistlichen und dem Bischöflichen Ordinariat, jedoch nicht Ulla Janaschek.

Ganz im Gegenteil: Durch die Veränderung der Luken, klagt sie, komme es nun zu einem an die Nerven gehenden Oberton, einem anhaltenden Nachschwingen.

Das dieses beseitigt wird, glaubt Pfarrer Geiß nach dem neuesten Ortstermin mit Fachleuten nicht: "Was von unserer Seite getan werden konnte, ist gemacht worden." Es gebe zudem auch Leute, die fragten: "Warum schlägt es nicht mehr?" Für viele Menschen habe das Glockenläuten nämlich einen beruhigenden Effekt - "im Gegensatz zum Fluglärm", gibt der Geistliche zu bedenken.

 
 
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