IG Stiller - www.nachtruhe.info
Das Geläut des Münsters, ein metallisches Dröhnen,
… ein Lärm, dass man seine eigenen Gedanken nicht mehr hört, ein Zittern der Luft,
ein klangloses Beben,
ein Geräusch, wie wenn man von einem zu hohen Sprungbrett ins Wasser gesprungen ist,
es macht mich taub, schwindlig, idiotisch.

Max Frisch im Roman "Stiller"
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Schildacher Glocken  
22. Oktober 2005
Quelle: Tagblatt (von Gert Bruderer)

In Schildach, einem Dorf zwischen Heerbrugg und Rebstein, stehen zwei Kirchen.
Beide lassen nachts und früh am Morgen die Glocke läuten. Davon werden manche Schildachbürger wach.
Sie baten die Kirchen um mehr Zurückhaltung beim Läuten und hatten Erfolg. Die Kirchenverwaltungsräte erklärten sich zu einem Kompromiss bereit: Sie schlugen vor, morgens um sechs nicht mehr beide Kirchenglocken läuten zu lassen, sondern nur noch eine.

Aber Schildachbürger können schrecklich undankbar sein. Wären sie waschechte Schildacher, hätten sie freilich beglückt zugestimmt. «Hervorragend», hätten sie sich gefreut, «in Zukunft werden wir also nicht mehr von zwei Glocken geweckt, sondern bloss noch von einer.»

Doch die nachts gestörten Schildachbürger liessen sich von den Kirchenverwaltungsräten nicht verschildachern.
Sie merkten, was die Glocke geschlagen hatte, und gingen auf den Kompromissvorschlag nicht ein.
Womit bewiesen ist, dass - anders als in Schilda - in Schildach nicht ausschliesslich Schildbürger leben.

 
 
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