IG Stiller - www.nachtruhe.info
"Bei der Landwirtschaft gelten andere Gesetze.
So schützt auch die neue, bürokratisch-detaillierte Tierschutzverordnung auf 153 Seiten Wellensittiche und misst den Auslauf für Elche, aber den Nerven von Kühen mutet die Verordnung den lauten Glockenlärm direkt unter den schönen, weiss umflorten Ohren zu.
Feige wich das Bundesamt dem hergebrachten Brauchtum."

Beat Kappeler (Journalist und Autor)
Beat Kappeler (Journalist und Autor)

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Schlägt bald die letzte Stunde?  
22. Februar 2006
Quelle: Wiler Zeitung (von David Marquis)

Umfrage in der AltstadtDie «IG Stiller» fordert, dass die Kirchenglocken in Wil – zumindest nachts – verstummen

Hans Fuchs, Vorstandsmitglied der «IG Stiller», hat beim Wiler Stadtrat einen Antrag eingereicht, der sich mit der Lärmbelastung durch Kirchenglocken beschäftigt.

Die «IG Stiller» hat in den letzten Monaten für Aufsehen gesorgt, da sie sich kritisch zum Glockengeläut äussert. Nun hat Hans Fuchs, Vorstandsmitglied der «IG Stiller», ein Schreiben an den Wiler Stadtrat gerichtet.
Er verweist darin auf eine Umfrage zum Lärm in der Altstadt (siehe Kasten). «Das Ergebnis zeigt, dass Kirchenglocken ein relevantes Lärmproblem darstellen», schreibt Fuchs. Er stellt deshalb fünf Anträge.

Der erste lautet: «Der Zeitschlag ist veraltet, überflüssig und schadet der Gesundheit. Deswegen haben alle Kirchen in Wil den Zeitschlag von abends, 22 Uhr bis morgens um 7 Uhr zu unterlassen.
Ebenso ist das Sechs-Uhr-Morgenläuten abzustellen.» Auf Zeitschläge verzichten solle man auch, wenn diese unmittelbar vor oder nach einem Läuten erfolgen.
«Keine Glocke darf länger als eine Minute am Stück geläutet werden», so der Dritte Antrag.

Weiter fordert Fuchs, dass kein Geläute – direkt bei der Kirche gemessen – lauter als 85 Dezibel sein dürfe und dass die Intonierung der Glocken verbessert werde: «Vielen Menschen mit musikalischem Gehör ist aufgefallen, dass fast alle Geläute in Wil einen dröhnenden, dumpfen und vor allem scheppernden Klang haben.»

«Unnötig und ungesetzlich»

In der Begründung seiner Forderungen zitiert Hans Fuchs aus der Lärmschutzverordnung der Stadt Wil vom 21. November 1973. Dort stehe in Artikel 2:
«Es ist jedermann untersagt, Lärm zu verursachen, der durch rücksichtsvolle Handlungsweise vermieden oder vermindert werden kann.»
Ferner fordere die Lärmschutzverordnung, dass man – wo dies möglich sei – den Lärm mit technischen Massnahmen vermindere.

Im Weiteren sei das Musizieren und der Gebrauch von Tonwiedergabegeräten zwischen 22 und 7 Uhr im Freien untersagt. «Ich darf nachts nicht Klavier spielen, singen oder Rasen mähen. Die Kirchgemeinde dagegen zeigt die Zeit an. Dies ist unnötig, da die Leute schlafen und zudem ungesetzlich», sagt Hans Fuchs gegenüber der «Wiler Zeitung».

Vom Stadtrat erwarte er nun einen anfechtbaren Entscheid, den die «IG Stiller» dann allenfalls weiterziehen wolle. Wie die Stadt Wil auf das Schreiben reagiert, steht allerdings noch nicht fest. «Dieses Geschäft ist erst gerade bei uns eingegangen, wir werden es nun prüfen», sagt Barbara Schär, Departementssekretärin Bau, Umwelt und Verkehr bei der Stadt Wil.

«Kein Lärm, sondern Kultur»

Konkreter wird Josef Fässler, Präsident des Kirchenverwaltungsrats der Katholischen Pfarr- und Kirchgemeinde Wil: «Ich bin mir sicher, dass die Mehrheit der Bevölkerung nichts gegen die Glocken einzuwenden hat. Auf diesen Druck werden wir nicht reagieren.» Er wehre sich dagegen, dass das Läuten als Lärm bezeichnet werde: «Es ist ein Teil unserer Tradition, unseres Brauchtums und unserer Kultur.» Sybille Pelzmann, Präsidentin der Evangelischen Kirchenvorsteherschaft in Wil schätzt die Situation ähnlich ein: «Ich glaube nicht, dass diese Forderungen in der Bevölkerung eine Chance haben. Die Glocken gehören für viele Leute zum Alltag und sind nicht wegzudenken.»

 

Josef Fässler fügt an: «In letzter Zeit wird oft ein sensibler Umgang mit der islamischen Kultur gefordert. Dies sollte auch für unsere eigene gelten.» Zudem zweifle er an, dass der Stadtrat überhaupt die Kompetenz habe, das Läuten in der Nacht zu verbieten: «Der Kirchenverwaltungsrat ist eine Behörde mit einer eigenen Verfassung.»

 

Warum soll der Stadtrat nicht die Kompetenz haben, die Lärmschutzverordnung durchzusetzen?
Steht die Kirche über dem Recht?
Und: Ein sensibler Umgang mit verschiedenen Kulturen und Religionen ist wichtig - noch wichtiger allerdings ist ein sensibler Umgang mit der Nachtruhe. Eine Nachtruhe die es wirklich verdient hat diesen Titel zu tragen - ohne den veralteten, ungesetzlichen und gesundheitsschädlichen Zeitschlag!

 
 
Realisierung: RightSight.ch