IG Stiller - www.nachtruhe.info
"Die Schlafzyklen richten sich nicht nach der Uhrzeit, sondern nach der Einschlafzeit und dem inneren Rhythmus.
Somit werden im Laufe einer Nacht sicher alle Schlafstadien in ähnlichem Ausmass durch das Glockengeläut gestört."

Dr. med. Wolfgang Randelshofer

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St. Gallen: Kirchenvertreter bezeichnen IG Stiller als "penetrante Minderheit"  
1. August 2010
Quelle: Tagblatt.ch vom 22. Juli 2010 (Von: Daniel Klingenberg)

Spisertorglocke in St. Gallen (Photo: Tagblatt.ch)Der Streit um die Kirchenglocken scheint sich hochzuschaukeln. Ein Kirchenvertreter bezeichnet die IG Stiller als «penetrante Minderheit», diese wirbt mit einem adaptierten SVP-Plakat.

Der Glockenstreit zwischen der katholischen und der evangelischen Kirche sowie der IG Stiller wird gehässig. Wegen einer «penetranten Minderheit» werde man den nächtlichen Stundenschlag der Kathedrale nicht abstellen, hiess es von katholischer Seite. Und «kuschen», wie die Stadt dies mit dem Abstellen der Glocken an Waaghaus, Spiser- und Multertor seiner Meinung getan habe, werde man ebenfalls nicht.

Dies betonte neben dem katholischen Kirchgemeindepräsidenten auch ein reformierter Vertreter.

Die IG Stiller ihrerseits redet generell vom «krankmachenden Lärm von Kirchenglocken» und greift zum grafischen Zweihänder. Sie baute kurzerhand das Anti-Minarett-Plakat der SVP zu einem Anti-Kirchenglocken-Plakat (Nachtruhe gilt für alle - IG Stiller Plakat) um und spricht von den Glocken als einer «akustischen Machtdemonstration».

In Medienmitteilungen demonstriert sie beissende Ironie. Etwa wenn festgestellt wird, dass das Abstellen der Domglocken während der Festspiele «nicht aus Rücksicht auf die Anwohner», sondern um den Besuchern die Aufführung «nicht zu verderben», geschehen sei.
«Tonalität hat sich verschärft»

...Auch für Felix Mätzler, Mediensprecher der IG Stiller, schaukelt sich die Auseinandersetzung hoch. Man habe aber den Eindruck, bei den ersten Vorstössen aus den Jahren 2006 und 2007 nicht gehört worden zu sein.

Auch Harry Künzle, Leiter des Amtes für Umwelt und Energie, sieht aufgrund der gemachten Äusserungen eine Verschärfung der Positionen. Weil in diesem Frühjahr von drei Privatpersonen Klage eingereicht worden war, musste sich die Stadt mit dem Glockenstreit befassen. In den Klagen wurde das nächtliche Schweigen der Kathedrale, der Kirchen St. Laurenzen, Heiligkreuz und Winkeln sowie der Glocken am Waaghaus, Spiser- und Multertor gefordert. Während die Stadt über Letztere selber entscheiden kann und diese abstellte, suchte sie das Verhältnis zwischen Kirchen und IG Stiller einer einvernehmlichen Lösung zuzuführen. Künzle hofft weiterhin auf einen solchen Ausgang des Streits...

Ganzer Bericht: Tagblatt.ch - harte töne im glockenstreit

 

Kommentar von Tagblatt-Redaktor Daniel Klingenberg:

Glocken-Fundis fehl am Platz

Der St. Galler Glockenstreit ist auf dem besten Weg zur Eskalation. Die Tonlage in Leserbriefen ist entrüstet: Von «Glockenterror» Geplagten wird wie im Kalten Krieg das Auswandern empfohlen. Es scheint, als wecke die Forderung nach dem nächtlichen Schweigen der Glocken Ängste vor dem Untergang des Abendlandes.

Erstaunlich ist weiter, dass Kirchenvertreter mit ihren Äusserungen den Glockenstreit noch anheizen. Es spricht nicht für eine Position der Stärke, die IG Stiller zu verunglimpfen.

Gewiss ist diese kein Verein von Chorknaben. Auf der Homepage wird rasch sichtbar, dass sie nicht wählerisch ist in der Wahl der Mittel für ihr Anliegen.

Damit bleiben beide Parteien letztlich den Beweis schuldig, dass es ihnen um die Sache geht. Für die Kirchen gilt: Man muss über das Abstellen einer akustischen Zeitangabe unvoreingenommen reden können, wenn diese aufgrund der allgegenwärtigen Uhren keine Funktion mehr hat. Die IG Stiller ihrerseits macht sich höchst unglaubwürdig, wenn sie mit Plakaten auf den Anti-Minarett-Zug der SVP aufspringt.

Beiden Parteien ist zu sagen: Zurück zur Sache. Will man im Glockenstreit etwas erreichen, muss man miteinander Lösungen finden. Glocken- und Anti-Glocken-Fundis haben hier ebenso wenig zu suchen wie andere Fundamentalisten.

(Daniel Klingenberg - Artikel im Tagblatt)

 
 
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