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"Der Lärm schützt uns vor peinlichem Nachdenken,
er zerstreut ängstliche Träume,
er versichert uns, dass wir ja alle zusammen seien und ein solches Getöse veranlassen, dass niemand es wagt, uns anzugreifen..."

Carl Gustav Jung
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Streit um Gossauer Kirchenglocken geht weiter  
8. Juni 2007
Quelle: Tages-Anzeiger (von Roger Keller)

Die reformierte Kirchenpflege soll den Zeitschlag wenigstens nachts einstellen, verlangen zwei Rekurrenten. Erfolglos - die Behörden stellen sich taub. Aber der Fall ist noch nicht erledigt.

Gossau. - Weil seine Familie nur mit geschlossenem Fenster schlafen könne, kämpft ein Gossauer seit langem für mehr nächtliche Ruhe. Bei den Behörden der Oberländer Gemeinde stösst er auf Unverständnis und Ablehnung, und das Bundesgericht hat ihn im Februar 2006 bereits einmal abblitzen lassen. Die Richter hatten damals die Ortsbehörden und die Zürcher Rekurs-instanzen geschützt, weil diese besser wüssten, dass das Geläut in Gossau eine wichtige Tradition sei - so wichtig, dass sich ein Eingriff aus dem fernen Lausanne nicht rechtfertige. Zudem wohne der Rekurrent zu weit weg von der Kirche. Inzwischen hat er gezügelt und wohnt zwar noch etwas weiter von der Kirche entfernt. Aber er gibt seinen Kampf gegen die seiner Ansicht nach unnötigen und störenden Glockenschläge nicht auf. Und er hat einen Mitstreiter gefunden, dessen Liegenschaft sich nur 50 Meter vom reformierten Kirchturm entfernt befindet, wo die Schallimmission noch grösser ist.

Lärm - «psychologisches Konstrukt»

Die beiden haben den Gemeinderat und die Kirchenpflege aufgefordert, den Zeitschlag zwischen 22 und 6 Uhr einzustellen, da dieser den Schlaf störe und in der heutigen Zeit angesichts der Fülle von anderen Zeitmessern auch überholt sei. Als die Ortsbehörden von dem Begehren erneut nichts wissen wollten, gelangten die beiden an die Baurekurskommission.

Diese hat den Rekurs kürzlich abgelehnt. Sie räumt zwar ein, dass der Lärmpegel unter Umständen ein Niveau erreichen kann, das bei anderen Lärmarten nach Massnahmen ruft. Eine rein zahlenmässige Beurteilung werde dem Problem in Gossau aber nicht gerecht, hält das Gremium fest, denn der messbare Pegel sei nicht mit Lärm gleichzusetzen. Dieser sei vielmehr ein «psychologisches Konstrukt»: So werde lauter Fluglärm allgemein als störend empfunden, aber ebenso ein tropfender Wasserhahn, dessen Pegel akustisch kaum messbar sei. Das Kirchengeläut hingegen habe «eine grosse Akzeptanz in der Bevölkerung», und der Zeitschlag sei «ein jahrhundertealter Brauch», der in einem erheblichen Teil der Bevölkerung noch immer fest verankert oder akzeptiert sei.

In Gossau seien aus der unmittelbaren Umgebung der reformierten Kirche zudem keine Beanstandungen aktenkundig. Deshalb, so die Rekurskommission weiter, lasse sich der Glockenschlag nicht mit denselben Dezibel-Werten beurteilen wie der Fluglärm. Das wäre «gefährlich» und würde höchstens «eine scheinbare, trügerische Objektivität» schaffen, heisst es im Entscheid. Die Rekursbehörde hat die Eingabe der beiden Gossauer daher abgewiesen, insoweit sie überhaupt darauf eingetreten ist. Sie haben dagegen allerdings bereits die nächste Instanz, das Verwaltungsgericht, angerufen.

Kirchenglocken.ch hat ein Kommentar dazu geschrieben:
Kirchenglocken.ch/gossau-zh-tropfender-wasserhahn-nervt-wie-lauter-fluglaerm-kirchenglocken-aber-nicht

 
 
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